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Bad Herrenalb Mit Tellerwaschen angefangen

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Sebastian Graubner fühlt sich in Bad Herrenalb zu Hause – hier im Ferienhaus "Schwarzwaldstrand"Foto: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

In der Regel sind es Heldengeschichten, die uns faszinieren und aus Amerika die unglaublichen Storys über den Aufstieg eines Unternehmers vom Tellerwäscher zum Millionär beschreiben. Aber wie viele der Geschichten, in denen sich jemand von ganz unten hochgearbeitet hat, sind wahr? In einem Gespräch mit Sebastian Graubner, der in diesem Jahr mit seinem Unternehmen "Graubner Industrie-Beratung" sein 25-jähriges Jubiläum feiert, war Spannendes zu erfahren.

Bad Herrenalb. Zum einen handelt es sich bei dem Unternehmen bereits um die dritte Firma, die der umtriebige Macher 1995 in der Bäderstadt Bad Herrenalb gegründet hat. Umtriebig deshalb, weil Graubner als Paradebeispiel dem Mythos dieser unglaublichen Geschichten entspricht. Nach seinem Abitur hat er zunächst auf dem Fährschiff "Peter Pan" als Tellerwäscher angeheuert. Zwischen Travemünde und dem südschwedischen Trelleborg entdeckte er dann den "Duft der großen weiten Welt" für sich. "Dort habe ich mein erstes Geld zusammengespart, um mir eine einjährige Südostasienreise als Rucksackreisender zu finanzieren", so der Unternehmer, der sich heute als Dienstleister im Bereich Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Software-Entwicklung einen Namen gemacht hat.

Mit 21 Jahren wurde der Junge aus einem kleinen Ort nahe der deutsch-deutschen Grenze in einer der schönsten Regionen Italiens sesshaft und erfüllte sich in Lavagna einen Kindheitstraum: "Ich wollte immer schon Holzboote bauen und fand in Ligurien eine Bootswerft, die mir ein viermonatiges Praktikum ermöglichte." Schon während der Schulzeit hatte er dazu Kenntnisse in praktischer Anwendung erworben, die nun vertieft und in Kombination mit neuen Technologien verfeinert werden konnten. "Dann kam ein Auftrag für eine Yacht mit einem Kohlefasermast und für mich die Chance zur Selbstständigkeit", so Graubner, der sich akribisch mit dem Wissen rund um Holz und Faserkunststoffe beschäftigte.

Mit dem Bau und der Reparatur von Yachten entstand seine gleichlautende Firma, mit der er sich durch die Verarbeitung von neuen Technologien und Baustoffen schnell als Spezialist etablieren konnte. "Ich war als Schiffszimmermann ein Jahr lang unterwegs, habe vieles gesehen, aber auch gemerkt, dass das nicht alles auf der Welt sein kann." Bei diesem Satz zitiert Graubner den Dichter Kurt Tucholsky: "Und hörst du auch fremde Länder und Kontinente erklingen: Du kannst ja gar nicht aus deinem Kreise springen!"

Darauf bedacht, eine gewisse Distanz zum Durcheinander seiner Gedanken zu entwickeln, entschied sich Graubner 1992 erneut für eine Reise. "Ich habe alles an den sprichwörtlichen Nagel gehängt und bin nach Indien gereist, um dort ein Jahr lang die hohe Schule der Achtsamkeit zu vertiefen." Die Entfaltung dieser Einsicht wird "Vipassana-Meditation" genannt, die Graubner schon bald als ehrenamtlich agierender Lehrer verinnerlicht hat. "Und genau das ist auch der Grund, warum ich nach Bad Herrenalb gekommen bin", berichtet Graubner, der 1993 für den Auf- und Ausbau der "Schönen Aussicht" in ein Meditationszentrum in den Schwarzwald reist. Mit der Koordinierung und Managementarbeit betraut, arbeitete er ehrenamtlich für das idyllisch gelegene Seminarhaus unterhalb der Falkensteinfelsen.

Nebenbei gründet er eine zweite Firma, jobbt im Altersheim und entscheidet sich nach drei Jahren für ein Duales Studium der Holztechnik. Um die Wartezeit auf einen Studienplatz zu verkürzen, nutzte er die Chance bei Daimler in Gaggenau und startete dort als Ferienarbeiter. "Und dann lief alles anders als geplant", berichtet Graubner. Er übernimmt ein Projekt zur Dokumentation von Umweltproblemen und entwickelt daraus Strategien zur Umsetzung von Arbeitsabläufen, die seinen spezifischen Fachkenntnissen und seinem analytischen Denken entsprechen. "Nach sechs Monaten konnte meine Stelle nicht verlängert werden, und da bei Daimler noch viele weitere spannende Projekte lockten, machte ich mich erneut selbstständig", so der Tenor eines Unternehmers, der heute mehr als 20 Personen in verschiedenen Fachbereichen beschäftigt, um Projekte auf drei Kontinenten in unterschiedlichsten Industriebereichen zu begleiten.

Auch in Corona-Zeiten gut ausgelastet

Eine starke Eigenverantwortung mit hohen gegenseitigen Erwartungen fordert ein Maximum an das Finden von Lösungen und an deren Qualität. Daher zählen die Bereiche Qualitäts- und Projektmanagement, Arbeitssicherheit und Software zu den vier Säulen seines Unternehmens, mit denen er aktuell nicht nur den Aufbau einer Produktionslinie für Getriebemontage von Nutzfahrzeugen in Brasilien begleitet, sondern darüber hinaus auch Umweltschutz- und Energiemaßnahmen wie die CO2-Reduktion bei Industriebetrieben unterstützt. "Durch unsere Analysen und Recherchen erstellen wir Konzepte, die zu Einsparungen führen, oder die dazu dienen, das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter zu verbessern", erklärt Graubner, der mit seinen Dienstleistungen stets das komplexe Ganze im Auge behält und darauf bedacht ist, das Risiko und die Kosten seiner Auftraggeber zu minimieren. Getreu der Vipassana-Praxis liegt sein Bestreben darin, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern einen Weg für seine Auftraggeber zu finden, um "das durch Unwissenheit verursachte Leiden zu überwinden". Mit dem sprichwörtlichen "Dienst am Kunden" ist Graubner auch in Corona-Zeiten gut ausgelastet, allerdings nicht alleine auf Industrieunternehmen fixiert. In einer selbstbewussten Architektursprache hat er mit dem Holzprojekt und Feriendomizil "Schwarzwaldstrand" in Bad Herrenalb bereits attraktive Preise eingeheimst, weil Graubner hier als Selfmademan nicht nur sein Wissen als Bootsbauer, sondern darüber hinaus auch seine analytische Expertise in Sachen Energiebilanz nutzbringend einsetzen konnte.

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