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Bad Herrenalb Gesamter Körper gefordert

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Foto: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Viele kennen den Falkenstein als attraktives Aussichtsplateau, um einen Blick auf die Stadt Bad Herrenalb zu genießen. Während bereits im 19. Jahrhundert Ausflügler die reizvolle Aussicht loben, ist heute für Outdoor-Spezialisten der Blick von unten nach oben maßgeblich, um eine ideale Kletterroute zu finden.

Bad Herrenalb. Denn bei den oberen Falkenfelsen gibt es erstaunlich anspruchsvolle Kletterrouten, die im Nordschwarzwald seinesgleichen suchen.

Es sind nahezu alle Facetten des Felskletterns geboten, wie zum Beispiel Risskletterei, Kamin- und Verschneidungskletterei, aber auch sehr steile und kleingriffige Wandklettereien und selbst die Freunde der Dachkletterei kommen nicht zu kurz.

Für das Klettern an den Falkenfelsen braucht es daher einige Erfahrung und Anfänger sollten zunächst mit erfahrenen Kletterern unterwegs sein. Wer sicher und solide in der oberen sechsten Schwierigkeitsskala (nach UIAA) im Vorstieg unterwegs ist, kann nun im zweiten Halbjahr problemlos den Aufstieg wagen.

Klettern an den 15 bis 55 Meter hohen Falkenstein Felsen in Bad Herrenalb ist im Sommer und Herbst an zwei Felsengruppen möglich, die von Ettlingen aus problemlos mit der Albtalbahn (AVG) zu erreichen sind.

Gerade mal fünf Minuten von der AVG-Haltestelle Kullenmühle entfernt ragt die untere Gruppe der Felsenformation empor. Klingende Namen wie Campanile, Grüner Turm sowie das Maikanten- und Be-Scho-Sa-Massiv bieten an der Nord- und Südseite des rauen Porphyrkonglomerat- Gesteins steile Wand- und Rissklettereien.

Die insgesamt 21 Routen zählen zu einem gemäßigteren Schwierigkeitsgrad. Weitaus markanter und auffälliger ist die Felsformation der Oberen Gruppe, die nur wenige Hundert Meter entfernt zwischen der Kullenmühle und Bad Herrenalb liegt. Das landschaftsprägende Naturdenkmal ist ein Felsbiotop, das mit seinen Türmen, Kanten und Schluchten mit einem deutlich höheren Niveau selbst bei geübten Kletterern großes Fingerspitzengefühl erfordert. Mit insgesamt 25 Routen ist sowohl die Rambowand, der Falkenturm und die Falkenwand mit einer Sperrfrist belegt und seit Juli wieder frei zugänglich, weil nun die dort brütenden Wanderfalken bereits flügge geworden sind.

Wenn der Vogel am Falkenstein brütet, ist es auch für den ambitionierten Hobbykletterer Martin Klumpp aus dem Murgtal Ehrensache, die Schonfrist einzuhalten und Rücksicht zu nehmen.

Besonderer Schutz

Bereits 1949 wurden die Felsen als Naturdenkmal unter besonderen Schutz gestellt und sind heute Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000.

Hohe Felsformationen, die als Felswände und Felsköpfe über das dichte Blätterdach des Schwarzwalds hinausragen, sind nicht nur selten im Nordschwarzwald anzutreffen, sondern bieten zudem Lebensraum für Flora und Fauna, die im Sommer extremer Hitze und Trockenheit ausgesetzt ist, aber Wildbienen reichlich Nahrung bietet.

Daher ist das Betreten der Felsköpfe in den Monaten Januar bis Juni verboten, um die dort brütenden Vogelarten wie Kolkraben und Wanderfalken zu schützen. Natur und Sport an einem Ort zu verknüpfen ist nicht selten ein Drahtseilakt, der oftmals die Gemüter spaltet. In diesem Fall jedoch funktioniert die Zusammenarbeit der beteiligten Gremien, die mit der Sperrung der Felswände eine besondere Vereinbarung zum Schutz der gefährdeten Vögel getroffen haben. Geprüft wird das durch verantwortliche Felsbetreuer, dem NABU sowie der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken.

32 Meter Höhe

Die Route mit dem klingenden Namen "Wurzelrinne" ist für den geübten Kletterer Klumpp besonders reizvoll, weil die gesicherte und geprüfte Felsenroute in der Kletterkategorie mit 32 Metern Höhe als "anspuchsvoll" gekennzeichnet ist. Der Hobbykletterer hat sich in diesem Jahr verstärkt darauf konzentriert, sich in seiner Freizeit am Felsen auszuleben. Seine schwerste Route war bislang eine Sieben plus, doch das Spektrum reicht bis zu einer zwölf. Es ist eine Sportart, die nicht nur die Arme, Beine und den Rücken, sondern den gesamten Körper und den Kopf fordert. "Man muss sich total auf das konzentrieren, was man macht und blendet dabei alles andere komplett aus", so Klumpp, der mit zugekniffenen Augen den hoch aufragenden Felsen vor sich taxiert, um die Route an Hand der im Felsmassiv eingelassenen Ösen auszumachen. Zum Glück ist Klumpp gut ausgerüstet, sodass er den Aufstieg in Angriff nehmen kann. Dann reckt er sich nach vorne und tastet mit dem Körper förmlich am Felsen klebend mit den Händen vorsichtig nach einem ersten Halt. Eine Unebenheit, in die er seine Finger krallt, bietet die Chance, sich nach oben zu ziehen. Dann setzt er den ersten Fuß nach, um so Tritt für Tritt die erste Öse an der Felsenwand zu erreichen. Denn nur hier besteht die Möglichkeit, sich erstmals mit einem Karabinerhaken (Expresse) abzusichern.

Einer wendigen Echse ähnlich arbeitet sich der geübte Kletterer Zentimeter für Zentimeter an der porösen Außenwand empor und sichert sich alle paar Meter erneut durch einen weiteren Karabinerhaken an den fest verankerten Ösen ab. Nach knapp 30 Minuten hat er den letzten Fixpunkt vor dem Felsenplateau erreicht, genießt die Aussicht auf die Bäderstadt und seilt sich dann mit kräftigen Sprüngen wieder nach unten ab.

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