Die Kötach soll von der Verbandskläranlage bis zur Gemarkungsgrenze Geisingen renaturiert werden.Foto: Kaletta Foto: Schwarzwälder Bote

Renaturierung: Projekt im Gemeinderat vorgestellt

Die Kötach soll auf gut einem Kilometer, in dem Abschnitt zwischen Unterbaldingen und Gemarkungsgrenze Geisingen, renaturiert werden. Die Kosten belaufen sich auf 405 000 Euro, diese werden zu 85 Prozent gefördert, 15 Prozent muss die Gemeinde selbst zahlen.

Bad Dürrheim. Was die Vorväter begradigt haben, wird heute für viel Geld wieder gebogen. Ziel ist es, die Kötach für Fische und sonstige Lebewesen attraktiv und Lebenswert zu machen. Eine erfolgreiche Maßnahme der gleichen Art gibt es im Donau­eschinger Ortsteil Wolter­dingen. Dort wurde der Wolfsbach, der ebenfalls kanalartig begradigt war, vor wenigen Jahren renaturiert.

In der Arbeitsvorlage für den Gemeinderatsbeschluss ist vom Planungsbüro Kapfer, Tuttlingen, die Lage folgendermaßen beschrieben: Der Aufwertungsbedarf besteht, da der Bach kanalartig ausgebaut und begradigt ist, dadurch einen verkürzten Lauf hat, strukturarm ist und teilweise eine Tiefenerosion besteht.

Als Ziel formulierten die Fachleute des Planungsbüros die Verlängerung des Gewässerlaufs, die Schaffung vielfältiger Ufer- und Sohlstrukturen und Habitate, die Förderung der eigendynamischen Entwicklung sowie die Sohlstabilisierung und die Eindämmung der Tiefenerosion.

Für die Renaturierung bestehen folgende Rahmenbedingungen: Es wurde bei einer Schadstoffuntersuchung festgestellt, dass es schwach erhöhte Werte einzelner Stoffe gibt, der Aushub kann jedoch vor Ort wieder eingebaut werden. Dieser Verwertung hat das Landratsamt bereits zugestimmt. Darüber hinaus wurden im Vorfeld die Dränagen auf den Feldern erkundet und diese in der Planung berücksichtigt. Ein anderer Aspekt kam im Vorfeld noch zum Tragen. Die Planfläche wurde im nördlichen Bereich verkleinert, da der Grunderwerb der Fläche scheiterte. Durch die daraus resultierende Anpassung der Planung reduzieren sich die Baukosten nun um rund 40 000 Euro, was zwölf Prozent entspricht.

200 Meter mehr Bachbett

Die Planung sieht vor, dass der Gewässerlauf künftig vor allem entlang des Niederwiesensees mäandert und der Bestandskanal teilweise mit Boden aufgefüllt wird, dies verlängert die Länge des Gewässers um rund 200 Meter. Zudem ist eine Sohlanhebung zwischen 30 und 50 Zentimeter geplant. Als Strukturelemente sollen Wurzelstöcke, Totholz und Kies dienen und für die Verschattung des Gewässers sorgen zu pflanzende Gehölze. Ein weiterer Teil des Projekts ist die Neugestaltung der Ufer, hier geht es um die Aufweitung und den Abtrag des Steilufers, aber auch um die Ufersicherung im Bereich von Infrastruktureinrichtungen wie der Kläranlage. Ebenso ist geplant, Steinschwellung zum Gefälleabbau einzubauen. Wenn die komplette Maßnahme erledigt ist, wird der Uferbereich mit heimischem Saatgut eingesät.

Baubeginn ist September 2021

Unterbaldingens Ortsvorsteher Jürgen Schwarz zeigte sich in der Gemeinderatssitzung erfreut über die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen. Zudem begrüßte er, dass die Anregung aufgenommen wurde, die Dränagen in den Feldern zu berücksichtigen. Der Ortschaftsrat habe seinen Angaben zufolge somit keine Einwände mehr gegen das Projekt. Derya Türk-Nachbaur trieb die Biberfrage und der Baumschutz um. Von den Verantwortlichen kam die Aussage, dass die Bäume einen Biberschutz bekommen würden, auch will man vor Beginn der Maßnahme eine Elektroschock-Befischung durchführen. Dabei werden die Fische nur betäubt, eingesammelt und im Ober- oder Unterlauf der Baumaßnahme wieder in die Kötach eingesetzt. Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich dies bewährte. In diesem Jahr soll noch der Förderantrag abgeschickt werden, wobei es schon eine Zusage gibt.

Der Zeitplan sieht folgendes vor: Nach den wasserrechtlichen Genehmigungen und der Bewilligung des Förderbescheids soll die Ausschreibung der Arbeit im April/Mai 2021 erfolgen, die Vergabe im Juni/Juli 2021 und Baustart könnte dann nächstes Jahr im September sein. Als Bauende sieht man zwei Monate später vor und im Frühjahr 2022 erfolgen dann noch die Saatgutarbeiten. Für den Betrag, den die Gemeinde Bad Dürrheim selbst zahlen muss, bekommt sie auch Ökopunkte, in diesem Fall wären es laut Berechnungen 240 000 Punkte.