Mit einer besonderen Brille sollen Besucher im Narrenschopf in eine virtuelle Realität eintauchen und so zum Beispiel einen närrischen Umzug realitätsnah miterleben können. Die technischen Voraussetzungen sollen im Zuge des Projekts "Museum 4.0" umgesetzt werden. Foto: Reutter/© guruXOX/Fotolia.com Foto: Schwarzwälder-Bote

"Museum 4.0": Mit besonderer Brille im Narrenschopf in Umzugsgeschehen eintauchen / Bundesmittel

Mit Hilfe von Finanzmitteln des Bundes möchte der Narrenschopf die Fastnacht im Museum noch erlebbarer machen. Auch die Online-Präsenz soll deutlich verstärkt werden, erklärt Geschäftsstellenleiterin Kathleen Mönicke.

Bad Dürrheim. Insgesamt 15 Millionen Euro investiert das Kultusministerium bundesweit in mehrere Museen. Unter dem Stichwort "Museum 4.0" sollen die Bildungseinrichtungen den modernen Ansprüchen noch gerechter und attraktiver werden. Den Zuschlag für eine Förderung haben auch der Narrenschopf und seine Kooperationspartner, das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein und weitere Museen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, erhalten, freut sich Mönicke. Sie führt die Geschäftsstelle der Vereinigung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht (VSAN) im Narrenschopf. Unklar sei lediglich, wie die 15 Millionen Euro auf die beteiligten Museen verteilt werden. Das kläre sich voraussichtlich in den nächsten beiden Wochen. Erst dann könne genau gesagt werden, was im Narrenschopf tatsächlich realisiert werden könne.

Ideen gibt es natürlich schon

Doch Ideen gibt es natürlich schon. Zum einen soll die Internetpräsenz des Narrenschopfs und vor allem die Darstellung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ausgebaut werden. Dadurch sollen Internetnutzer einen noch besseren Einblick in das närrische Brauchtum im Südwesten erhalten. Für den Narrenschopf eine Gelegenheit, sein umfangreiches Archivmaterial digital aufzuarbeiten und im Netz kostenfrei zugänglich zu machen. Mönicke sieht das auch als eine Erfüllung des Informationsauftrags. Schließlich sei die schwäbisch-alemannischen Fastnacht als Kulturerbe ausgezeichnet worden.

Ein weiterer Schwerpunkt von "Museum 4.0" soll die Darstellung im Narrenschopf selbst betreffen und somit den Museumsbesuchern direkt zugute kommen. In der dritten Kuppel des Schopfs kann der Besucher dann die Fastnacht besonders realitätsnah erleben. Mit Hilfe von entsprechenden Brillen, so genannten Virtual Reality-Brillen, kann sich der Besucher dann zum Beispiel in einen närrischen Umzug einreihen. Die visuellen Effekte verbunden mit närrischen Klängen sollen Emotionen wecken und damit einen möglichst lebendigen Eindruck des Fasnetsgeschehen ermöglichen. Während die virtuelle Brille etwas für Einzelpersonen ist, soll es auch für Gruppen neue Angebote geben: Mit Hilfe von Projektionen, ähnlich einem Planetarium, soll das Fasnetstreiben an die Kuppel geworfen werden. Hierzu werde die Kuppel bestuhlt, und die Zuschauer könnten so bequem das närrische Treiben am Kuppeldach genießen.

Beide Elemente, die stärkere Online-Präsenz und die lebendige Darstellung im Museum selber, sollen sich gegenseitig befruchten. So kann laut Mönicke die Digitalisierung gerade der Filmdaten im Archiv auch für die virtuelle Realität in der dritten Kuppel genutzt werden. Außerdem erhofft sich Mönicke durch die bessere Internet-Präsenz, dass das Interesse an einem Besuch im Narrenschopf verstärkt wird und so die Besucherzahlen gesteigert werden können.

Die Bundesförderung ist laut Mönicke auf drei Jahre hin angelegt. Um das umfangreiche Archivmaterial zu digitalisieren und darzustellen sei eine Personalstelle vorgesehen, die mit Hilfe der Fördermittel finanziert werde. Nun hoffen die Verantwortlichen auf die entsprechenden Bundesmittel, um die Pläne in diesem Umfang auch umsetzen zu können. Der bekannte Volkskundler Werner Mezger werde sich in die inhaltliche Umsetzung einbringen, so Mönicke.

Weitere Informationen: www.narrenschopf.de, www.fasnachtsmuseum.de

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