Bäder und Barock – damit ist die Region Oberschwaben reich gesegnet: Ihre natürlichen Schätze wie Moor, Heilwasser und Kur-Luft sind die Basis von zahlreichen Kurorten und lockten schon früh Handel und Klerus in die hügelige Landschaft.
Zwischen Schwäbischer Alb, Bodensee und Iller entstanden wohlhabende Dörfer und prächtige Städte mit Fachwerkhäusern und Marktplätzen, Kirchen und Klöstern. Die kann man bei Schlossführung, Brauereibesichtigung und Stadtbummel erkunden.
Barockstraße und Moorbahn
Diese verbindet die Oberschwäbische Barockstraße mit 50 Barockerlebnisstationen. Mit der Bahn ist Oberschwaben durch die Bahnstrecken Stuttgart – Ulm – Aulendorf – Friedrichshafen angebunden. Vor Ort geht es weiter mit regionalen Bahnen und Bussen, www.bwegt.de Von Mai bis Oktober verbindet außerdem die Moorbahn Aulendorf, Bad Waldsee und Bad Wurzach.
Vom Bett ins Bad
Viele Orte tragen es schon im Namen, fast alle haben es: das Bad für Wellness und Gesundheit, für Sport und Spaß. Perfekt für ein Herbst- oder Winterwochenende ohne Schönwettergarantie ist eine Unterkunft mit Bad-Anbindung.
In Bad Waldsee liegt das Parkhotel zentral in einem großen Park und fußläufig zur Waldsee-Therme. In Bad Wurzach wirbt das Feelmoor Resort mit seinem unterirdischen Bademantelgang zur Therme und in die Saunalandschaft. In Aulendorf kann man sozusagen direkt vom Bett ins Becken fallen, wenn man im Thermalhotel logiert.
Vogelparadies und Welterbe-Pfahlbauten
Nur über einen langen Holzsteg gelangt man zum Federsee bei Bad Buchau. Denn der zweitgrößte See Baden-Württembergs versteckt sich hinter einem bis zu vier Meter hohen Schilfgürtel. Das 33 Quadratkilometer große Moor rund um den See ist Naturschutzgebiet und Lebensraum von 700 Pflanzen-, 600 Schmetterlings-, und 272 Vogelarten, die Ornithologen aus ganz Deutschland locken. Etwa die seltene Bartmeise, die man am schwarzen Bart im Gefieder erkennt. Oder der Feldschwirl, dessen sirrendes Zwitschern wie ein vorbeifahrendes Fahrrad klingt. Mit etwas Glück entdeckt man sie bei einer Birdwatching-Tour des Naturschutzbundes Nabu, der am Federsee ein Naturschutzzentrum betreibt.
Gleich nebenan widmet sich das Federseemuseum den archäologischen Funden aus dem Federseemoor. Mehr als 20 Pfahlbaudörfer entdeckte man, sie zählen allesamt zum Unesco-Welterbe. Das Museum zeigt Fundstücke und originalgetreue Nachbauten der verschiedenen Epochen.
Barockbummel mit Seeblick
Ein See mitten in der geschichtsträchtigen Stadt, bewaldete Hügel ringsherum und ein heilendes Moor dazu – Bad Waldsee ist wie geschaffen zum Genesen und Genießen und lohnt unbedingt eine Stadtführung durch die mittelalterlich geprägte Altstadt mit ihren barocken und gotischen Bauten. Da ist das mehr als 500 Jahre alte Rathaus mit originalgetreuem Ratssaal und ehrwürdigem Trauzimmer mit geschnitzten Figuren und einer von Lanzen gerahmten Tür. Das Bürgermeisterbüro schmücken unter anderem ein uraltes Gemälde, eine Steinsäule von 1426 und ein Eisenring, an den einst Bösewichte gekettet wurden.
Prachtvoll wie Fassade und Innenleben des Rathauses präsentiert sich auch die ehemalige Klosterkirche mit üppiger Deckenbemalung, goldenem Stuck und farbigen Bleiglasfenstern. Zu ihren Schätzen zählt neben dem gigantischen Hochaltar der Eiserne Georg. Die vergoldete Bronzestatue weckte schon die Begierde eines Berliner Museums, doch die Waldseer gaben ihren Kirchenschatz für kein Geld der Welt her.
Frisches in alten Gemäuern
Als älteste Gaststätte in Bad Waldsee gilt der Grüne Baum, denn im frühen Mittelalter traf man sich unter einer Linder oder Eiche, um „Klagfälle“ zu besprechen und dabei auch „Mahl zu halten“. Im späten Mittelalter entstanden Gasthöfe, die Wirtsstube diente als Gerichtszimmer. Das heutige Gebäude des Grünen Baums wurde Ende 1673 auf den Grundmauern eines früheren erbaut – und drinnen verbindet das Küchenteam Tradition und Moderne, Schwäbisches und die weite Welt.
Kaffeeklatsch und Bio-Bier im Aulendorfer Schloss
Ein Besuch in Aulendorf beginnt gut mit Kaffeeklatsch bei Hofe, einer Themenführung im Schloss. Dazu lädt Gräfin Paula zu Königsegg-Aulendorf, oberste Hofdame von Kaiserin Sissi, in den Marmorsaal des Aulendorfer Schlosses. Ihre Zofe Rosalie plaudert schon bei der Führung durch die Säle und Gemächer des Schlosses munter aus dem Nähkästchen und beim Kaffeeklatsch an der festlich gedeckten Tafel berichtet auch die Gastgeberin selbst aus ihrer Wiener Zeit. Die Törtchen zum Mokka liefert Konditorin Luise Roth frisch an den Hof, wo sie zu den adeligen Anekdoten stilecht mit Silberbesteck vom feinen Porzellan gelöffelt werden dürfen.
Danach stärkt eine Einkehr in der Schlossbrauerei Aulendorf, auch diese geschichtsträchtig und seit 2014 neu belebt von Bio-Brauer Florian Angele, der regelmäßig Brauereiführungen anbietet und im Schalander, dem früheren Aufenthaltsraum der Brauerei-Mitarbeiter regionale Gerichte und frisch gebraute Bierspezialitäten serviert.
Ab ins Moor
Zum Reinsetzen, zum Durchwandern, zum Entdecken: Moor ist allgegenwärtig in Bad Wurzach. Entweder man genießt es in der Moorbadeabteilung der Therme oder bei einem Spaziergang durch das größten intakte Hochmoor in Mitteleuropa. Das Wurzacher Ried, einst Energielieferant, heute streng geschützt, bietet Erholung und Entspannung auf 20 Kilometer Wanderwegen. Teils auf Holzbohlen, teils auf schmalen Pfaden spaziert man durch lichten Wald aus Moorkiefern und Birken, vorbei an Besenheide und schwarzbraun glänzenden Pfützen, bis zum Riedsee.
Der düstere, schweigende See scheint direkt aus der Kulisse eines Fantasy-Films zu stammen, ist aber erstens echt und zweitens sehr lebendig – mit 2572 teils seltenen Arten von Tieren, Pflanzen, Moosen, Flechten und Pilzen. Alles Wichtige erzählt die Ausstellung Moor extrem im Naturschutzzentrum – kindgerecht mit der Moorhexe Calluna und Mitmachstationen und für die Großen mit „ernsten“ Daten und Fakten.