Oliver Schade genießt die Messen und das regelmäßige Gebet. Foto: Kötting

Wie kommt ein Bienenfreund und IT’ler aus Hamburg darauf, ausgerechnet Freiwilligendienst im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz zu leisten?

Sulz-Renfrizhausen - "Meine Bienen machen im Herbst und Winter Pause, da kann ich sie alleine lassen und habe Zeit für den Kirchberg", sagt Oliver Schade. Er lebt eigentlich in Hamburg, absolviert aber seit Oktober einen sechsmonatigen Bundesfreiwilligendienst im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz.

Der 43-Jährige ist Nebenerwerbsimker – im Erstberuf arbeitete er in der IT – und kennt das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg seit fast einem Vierteljahrhundert.

2017 hat Oliver Schade die Imkerei für sich entdeckt. "Mich haben schon immer die Naturkreisläufe interessiert – da hat man einen Link zum Kirchenjahr. Es gibt bei beiden zwei markante Kipppunkte: die Sonnwende an Weihnachten, da ruht sich die Natur aus und der andere an Johannistag, am 21. Juni, wenn sich die Natur ins Zeug legt."

20 eigene Bienenvölker

20 Wirtschaftsvölker hat Oliver Schade, also Bienenvölker, die bereits Erträge bringen, dazu 15 sogenannte Ableger. "Die dürfen ein Jahr lang wachsen und sind dann im Folgejahr zu einem Wirtschaftsvolk geworden – hoffentlich", erzählt Schade.

Seine Völker hat er hauptsächlich auf Streuobstwiesen am Stadtrand von Hamburg, eines direkt hinterm Deich. Da muss er schauen, dass die Tiere keine nassen Füße bekommen beim Elbe-Hochwasser. Irgendwann mal möchte er die Imkerei ganz zu seinem Beruf machen – Berufung ist sie schon. "Mir ist wichtig, dass ich den Charakter jedes Bienenvolks kenne. Ich erzähle auch gerne über Bienen, die Leute sind interessiert, die wissen die Arbeit der Imker zu schätzen."

Hamburg oder Kirchberg

Geboren in Vorpommern zwischen Wolgast und Greifswald, studierte der junge Mann zunächst Evangelische Theologie in Greifswald, und danach in Göttingen Slawistik mit Russisch und Serbokroatisch. Irgendwann konnte er sein Studium aber nicht mehr finanzieren, und so entschloss er sich, sein Hobby, die Beschäftigung mit IT, zum Beruf zu machen und zog nach Hamburg.

Die Stadt begeistert ihn noch immer "Ich verlasse Hamburg wirklich nur, um auf den Kirchberg zu kommen. Woanders will ich nicht leben."

Auf das Kloster Kirchberg und die Berneuchener Gemeinschaften ist Oliver Schade 1998 gestoßen. "Ich habe mich in der Bibliothek auf die Suche nach geistlichen Gemeinschaften gemacht und dabei habe ich die Evangelische Michaelsbruderschaft gefunden." Er wurde neugierig und kam kurze Zeit später das erste Mal auf den Kirchberg.

Gefunden, was er gesucht hat

"Nach dem Besuch der ersten Komplet, des Nachgebets, habe ich Tränen geweint. So schön war das! Ich habe gleich gescheckt, hier hast du gefunden, was du gesucht hast." 20 Jahre lang gehörte Oliver Schade zur Jungbruderschaft, quasi die Jugendorganisation der Michaelsbrüder, bei der Männer und Frauen gemeinsam auf dem Glaubensweg sind.

2023 nun wird es endlich so weit sein, dass er als vollwertiger Michaelsbruder der Gemeinschaft beitritt. "Ich schätze die große Offenheit der Michaelsbruderschaft und gleichzeitig die verbindliche Gemeinschaft."

Als Oliver Schade im Sommer mitbekam, dass auf dem Kirchberg für den geistlichen und weltlichen Bereich helfende Hände gesucht werden, kam er auf die Idee, einen Freiwilligendienst dort zu leisten – wie gesagt, seine geflügelten Mitarbeitenden brauchen ihn im Herbst und Winter ja nicht. Und so schleppt Schade nun Getränkekisten, entsorgt Müll, werkelt im Garten, unterstützt die Hausmeister.

Von der Arbeit zum Gebet

Und er weiß den geistlichen Rahmen sehr zu schätzen: "Ich genieße es, die Messen und das regelmäßige Gebet direkt vor meiner Zimmertür zu haben. Die Stundengebete tun mir gut, aus ihnen kann ich Kraft schöpfen und sie strukturieren meinen Tag. Wenn die Glocke klingelt, lege ich die Arbeit weg und gehe zum Beten. Danach mache ich mit dem Arbeiten weiter. Das ist Kloster für mich."

Im Frühjahr, nach den sechs Monaten Bundesfreiwilligendienst, wird sich Oliver Schade wieder um seine Bienenvölker kümmern. Und wer weiß, vielleicht zieht es ihn auch mal ganz ins Berneuchener Haus. Platz für seine Bienenvölker bietet die Umgebung allemal.