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Aus Angst vor Bestrafung Elf Tage im New Yorker Untergrund

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New York - Irgendwann, nach endlosen Stunden in der U-Bahn, hatte Francisco jedes Zeitgefühl verloren. "Ab einem bestimmten Punkt habe ich aufgehört, etwas zu fühlen", erzählte der Junge. Niemand sprach ihn während seiner endlosen Odyssee durch den New Yorker Untergrund an. Und niemand kam der Junge seltsam vor, der mit seinem Schulranzen auf einem Sitz kauerte, vor sich hin starrte oder schlief. Elf Tage verbrachte der 13-Jährige in der New Yorker U-Bahn, ehe ein aufmerksamer Polizist Francisco in einem U-Bahn-Waggon an einer Endstation entdeckte und ansprach.

In der Schule hatte es einen Rüffel gegeben, weil sich Francisco so schlecht konzentrierte. Panik überfiel ihn, als seine Mutter ihm bei einem kurzen Telefonat auf dem Nachhauseweg androhte, ihn daheim kräftig ins Gebet nehmen zu wollen. Statt nach Hause zu gehen, tauchte der Junge ab. Die U-Bahn, erzählte er später, schien ihm ein guter Platz, sich zu verstecken. Aus seinem Telefon entfernte er die Batterie, damit niemand mit ihm schimpfen konnte.

Mit Konflikten kann Francisco, ein höflicher, stiller Junge, nicht umgehen. Ärzte hatten bei dem Jungen einen leichten Autismus diagnostiziert. Das erklärt wohl auch, warum er sich während seiner Odyssee niemandem anvertraute. Francisco, der für seine zehn Dollar, die er in der Tasche hatte, an U-Bahn-Kiosken Kartoffelchips, Croissants und anderen Süßkram kaufte, hatte sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen.

Während der Junge ziellos in New Yorks weit verzweigtem U-Bahn-Netz hin und her fuhr und einfach in die nächstbeste Linie wechselte, wenn er an einer Endstation ankam, geriet seine Mutter zunehmend in Panik. Die 38-Jährige, die 1994 aus Mexiko einwanderte und, genauso wie ihr Mann, noch immer schlecht Englisch spricht, wandte sich an die Polizei. Die jedoch nahm den Fall anfangs nicht besonders ernst. Vielleicht habe sich Francisco einfach mit einem Kumpel versteckt.

Die Polizei muss sich jetzt gegen Vorwürfe wehren, die Vermisstenmeldung auf die leichte Schulter genommen zu haben, denn erst nach sechs Tagen übernahmen Fahndungsspezialisten die Suche auf. Wie es überdies sein kann, dass der zunehmend verschmutzte Junge bei der Auswertung der Überwachungsvideos, die in den U-Bahnen und Gängen installiert sind, nicht auffiel, gehört auch zu den noch offenen Fragen.

Auf eigene Faust starteten Franciscos Eltern die Suche nach ihrem Jungen. 2000 Handzettel mit seinem Porträt ließen sie drucken. "Franky, komm nach Hause. Ich liebe dich, mein kleiner Junge", schrieb seine Mutter auf Spanisch. Francisco gab an, nie eines dieser Poster gesehen zu haben. Nur einem Polizisten fiel nach elf Tagen die Ähnlichkeit mit dem Foto und dem stillen Jungen an der Endstation von Coney Island auf. Er brachte Francisco nach Hause.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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