Der VfB Stuttgart steht sportlich super da, hat nun aber mal wieder Unruhe in seinen Gremien. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Vereinspräsident Claus Vogt ist nicht mehr Aufsichtsratschef der VfB Stuttgart AG. Diese Pille ist für viele Mitglieder nur schwer zu schlucken, kommentiert unser Autor Dirk Preiß und meint: Umso wichtiger sind nun eindeutige Erklärungen – von allen Beteiligten.

Der VfB Stuttgart hat derzeit eigentlich alles, was ein erfolgreicher Fußballverein braucht: eine aufregende Mannschaft, einen cleveren Trainer, ab dem nächsten Heimspiel ein renoviertes Stadion, namhafte Sponsoren – und die Aussicht auf Fußballfeste und weitere Einnahmen in der Champions League. Der VfB hat aber auch, was kein erfolgreicher Fußballverein braucht: mal wieder Unruhe.

 

Vom Himmel ist die nicht gefallen, der VfB schafft sie sich mal wieder selbst – mit der kontroversen und am Ende auch hitzigen Debatte um die Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzes in der VfB AG. Und mit einer Entscheidung, die Proteste nach sich ziehen wird. Denn: Nun ist tatsächlich der Vereinspräsident nicht mehr Chef des Kontrollgremiums – entgegen der Zusage rund um die Ausgliederung 2017.

Das so genannte Versprechen ist also gebrochen, und verständlicherweise kann nun die Angst umgehen, der Verein und seine Mitglieder verlören an Einfluss – auch wenn die Machtverhältnisse im Grunde noch eindeutig zugunsten des Clubs sind im Aufsichtsrat und in Tanja Gönner eine vom e. V. entsandte Vertreterin den Posten von Claus Vogt übernimmt. Dass ausgerechnet der neue Investor Porsche den Wechsel forciert hat, verstärkt jedoch den Verdacht einer Umkehr der bisher geltenden Gegebenheiten.

Es braucht eine klare Erklärung des Präsidiums

Andererseits benötigt das Kontrollorgan der VfB AG eine allseits respektierte und fachlich anerkannte Persönlichkeit. Claus Vogt stand zuletzt intern nicht zum ersten Mal inhaltlich in der Kritik, hat in seine Rolle rund um die Verhandlungen mit Porsche im vergangenen Jahr zudem keinerlei Klarheit gebracht. Zudem stehen wichtige Entscheidungen (Besetzung Sportvorstand) seit Monaten aus.

Der Clubchef des VfB e. V. hätte den nun vollzogenen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze viel aktiver und klarer mitgestalten und den Mitgliedern so viele Sorgen nehmen können. Zeit dafür war in den vergangenen Monaten genug. Nun steht er als Verlierer eines Machtkampfes da, und sogar das Präsidentenamt droht Schaden zu nehmen.

Das Vereinspräsidium des VfB mit Vogt an der Spitze sollte sich nun schnell und ausführlich erklären, die Porsche-Vertreter sollten den Fuß wieder vom Gas nehmen. Sonst hat der VfB zwar Vieles, was einen erfolgreichen Fußballverein ausmacht. Zwei Dinge aber dauerhaft nicht mehr: Ruhe – und das Vertrauen womöglich zahlreicher Mitglieder.