Claus Vogt ist seit 2019 Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender beim VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Das Kontrollgremium des Stuttgarter Fußball-Bundesligisten trifft sich vor dem Spiel in Freiburg zur Klausur. Dabei steht eine wichtige Frage im Zentrum.

Im Aufsichtsrat der VfB Stuttgart AG stehen Veränderungen an. Personell wird das Kontrollgremium des Bundesligisten um zwei Sitze aufgestockt. Lutz Meschke und Albrecht Reimold sollen zeitnah durch die Hauptversammlung berufen werden. Beide gehören dem Vorstand des neuen Investors, der Porsche AG, an. Beide sind fußballaffin und werden an der Klausur des VfB-Aufsichtsrats teilnehmen, als Gäste. Im Zentrum der Diskussionen an diesem Freitag und Samstag wird nach Informationen unserer Redaktion vor allem eine Frage stehen: Werden der Vorsitz des Aufsichtsrats und das Präsidentenamt auch in Zukunft weiter in einer Hand bleiben?

 

Bisher galt, dass der Vereinspräsident gleichzeitig das Kontrollgremium der VfB AG leitet. Weil dies im Zuge der Ausgliederung der Profisparte aus dem Hauptverein 2017 den Mitgliedern und Fans zugesagt wurde. Schließlich hält der Club den Großteil der Anteile: ursprünglich 88,25 Prozent, nun 78,2 Prozent. Seit seiner Wahl 2019 füllt Claus Vogt beide Funktionen aus, und schon länger gibt es beim VfB Überlegungen, eine Trennung der zwei Ämter herbeizuführen.

Auf der Klausur vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr) beim SC Freiburg könnten nun die Weichen neu gestellt werden. Vor der Zusammenkunft herrscht jedoch Zurückhaltung auf allen Seiten. Auf eine entsprechende Anfrage heißt es beim VfB: „Wir äußern uns im Vorfeld nicht über etwaige interne Abläufe.“ Ähnlich verhält es sich beim Ankerinvestor und Mobilitätspartner: „Mercedes-Benz ist derzeit beim VfB mit zwei Aufsichtsräten vertreten. Der Aufsichtsratsvorsitzende wird gemäß der Geschäftsordnung vom Aufsichtsrat bestimmt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu persönlichen Absichten der Mercedes-Benz-Vertreter im Aufsichtsrat nicht äußern.“

Einer der beiden Vertreter der Marke mit dem Stern ist Peter Schymon. Er ist Vogts Stellvertreter im Aufsichtsrat. Der zweite Mercedes-Mann ist Franz Reiner. Die Konstellation im bisher neunköpfigen Gremium soll so bleiben. Zumal Porsche von Anfang an nicht nur Wert darauf gelegt hat, sich anteilsmäßig mit Mercedes (beide halten 10,4 Prozent der Anteile) auf Augenhöhe zu begegnen, sondern das eigene Engagement (zusätzlich als Sponsor) im Schulterschluss mit Mercedes versteht.

Beim Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen heißt es auf Anfrage zur Rolle der eigenen Vertreter im Aufsichtsrat: „Wir wollen unser Know-how aktiv einbringen, um den VfB gemeinsam mit allen Partnern weiter nach vorne zu bringen. Die Wahl des Aufsichtsratsvorsitzenden ist jedoch eine Angelegenheit des VfB Stuttgart, weshalb wir diese nicht kommentieren können.“

Entsprechend wird es hinter den Kulissen viel zu besprechen geben. Konzentriert sich Vogt künftig nur auf seine vielfältigen Aufgaben als Präsident? Rückt einer der beiden anderen Vereinsvertreter, Rainer Adrion und Christian Riethmüller, an die Spitze des Kontrollgremiums? Übernimmt einer der Topmanager von Mercedes oder Porsche den Vorsitz? Welche Haltung hat der Sportartikelhersteller Jako, der dritte Investor (1,0 Prozent der Anteile)? Und wie verhalten sich die restlichen Aufsichtsräte?

Antworten auf diese Fragen soll es schon bald geben. Zumal auch die Besetzung des Präsidialausschusses überdacht wird. Das ist eine Art schnelle Eingreiftruppe aus dem Kreis des Aufsichtsrats, wenn es beispielsweise um zustimmungspflichtige Transfers oder Trainerverpflichtungen geht. Bisher bilden Vogt, Adrion und Schymon den Präsidialausschuss. Auch hier könnten Veränderungen anstehen. Zunächst muss jedoch erst der Eintrag von Porsche als Investor der VfB AG in das Stuttgarter Handelsregister erfolgen. Ein formaljuristischer Vorgang, der noch aussteht.