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Aufreger in Burladingen Üble Gerüche sind Thema im Gemeinderat

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Sind höhere Schornsteine die Lösung? Je nach Wind- und Wetterlage haben Nachbarn der Firma Dolinschek in Burladingen Grund zur Klage. Foto: Rapthel-Kieser

Burladingen - "Irgendwas müssen die in ihrer Produktion geändert haben, früher war das nicht so", kommentiert ein Anlieger der Textil-Ausrüstungsfirma Dolinschek die Emissionen, die in jüngster Zeit von dem Gelände ausgehen. Sie wurden sogar zum Thema im Gemeinderat.

Von Kratzen im Hals bis hin zu ätzenden Gerüchen reichen die Klagen, die Anlieger und Nachbarn über das Vorbringen, was da bei der Firma in Burladingens Ambrosius-Heim-Straße aus den Schornsteinen kommt. Je nach Wetter- und Windlage zieht das dann auch schon mal in Richtung Burladingens beliebtestes Stadtkern-Wohngebiet, dem Mettenberg und weht über die vorgelagerte Gegend rund um die evangelische Kirche hinweg.

Hotel hinter Firmengelände geplant

Dort hat die Stadt erst für viel Geld innerorts ein neues Wohngebiet erschlossen von dem die meisten Bauplätze allerdings erst noch an den Mann gebracht werden müssen. Besonders pikant: hinter dem Firmengelände, am Eingang der Albstraße, plant Firmeninhaber Theo Dolinschek gar ein Hotel. Die Pläne dazu hat er bereits 2016 dem alten Gemeinderat bei einer Betriebsbesichtigung mit Bürgermeister Harry Ebert auch voller Begeisterung vorgestellt.

Unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes war es jetzt der Grüne Gemeinderat Manfred Knobloch, der das Thema Emissionen im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung anschnitt und sich mit dem Ersten Beigeordneten Berthold Wiesner gar ein kleines Wortgefecht lieferte. Ob denn die Stadt von diesen Vorgängen wisse, wollte der Öko-Rat wissen und bekam vom Sitzungsleiter zur Antwort, dass, wenn es um Emissionen ginge, nur das Landratsamt zuständig sei.

Weggang von Harry Ebert bedauert

Das wollte Knobloch so nicht hinnehmen, verwies auf die Windparkpläne die kurz zuvor ausführlich im Rat behandelt worden waren wo die Stadt durchaus ebenfalls zuständig sei und setzte gar noch eins drauf:. Ob denn derlei mit der Firma bei der Stadt auch einvernehmlich am Kaffetisch beplaudert würde, fragte er ätzend. Die Anspielung war klar: Als Harry Ebert kurz vor seinem Ausscheiden eine selbst verfasste Laudatio über die Leistungen seiner Amtszeit im Amstblatt veröffentlichte, war es Theo Dolinschek gewesen, der gar in einem Leserbrief in der Lokalpresse den Weggang des Stadtoberhauptes bedauerte. Er betonte wie einfach, nämlich beim gemeinsamen Kaffee, Firmenchef und Stadtchef da so manches besprochen und einige Probleme gelöst hätten.

Einige der Nachbarn haben, das stellte sich bei den Recherchen heraus, schon vor geraumer Zeit ans Landratsamt gewandt um auf die Belästigungen aufmerksam zu machen, und Hilfe zu erbitten. Der Schwarzwälder Bote hakte nach und bekam folgendes Statement aus der Kreisbehörde:

"Die Firma Dolinschek GmbH hat im Jahr 2001 die Textilausrüstung, bestehend aus Färberei und Trockenausrüstung übernommen. Davor war seit dem Jahr 1896 die Firma Ambrosius Heim GmbH & Co.OHG am Standort ansässig. Geruchsbeschwerden können zeitweise von Thermofixier- und Trocknungsprozessen bei der Textilveredlung aus gehen. Seit Übernahme hat die Firma Dolinschek den Maschinenpark kontinuierlich erneuert und in neue umweltschonende Techniken investiert, unter anderem wurden Abluftreinigungsanlagen eingebaut. Dies führte  in den Jahren 2009, 2012, 2015 und 2019 zu teilweise umfangreichen immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren. An den  Anlagen werden in regelmäßigen Abständen Abluftmessungen vorgenommen. Weiterhin prüft die Firma Dolinschek in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma und in Abstimmung mit unserer Gewerbeaufsicht die Möglichkeit, wie die Abluftkamine erhöht werden können, da es auf Grund der topographischen Lage bei bestimmten Wetterlagen zu Geruchsbelästigungen kommen kann."

Eine eine schriftliche Anfrage an die Firma blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Das Phänomen der Firma Dolinschek

Tatsächlich darf die Textilveredelungsfirma Firma Dolinschek samt ihrer Strickerei als Phänomen betrachtet werden. Während in den einstigen Textilhochburgen Albstadt an der Schmiecha und Burladingen an der Fehla die meisten Firmen nach und nach erst ins Ausland verlagerten und dann zu Grunde gingen, trotzten die Brüder Theo und Erwin Dolinschek dem Trend. Sie entdeckten immer wieder Nischenmärkte, setzten auf Qualität, zogen von Albstadt und Neufra nach Burladingen um und mussten, des Erfolges wegen, ständig erweitern und Gebäudeteile ankaufen.

Hergestellt wurden unter anderem Wandbespannungen, das Inlet von Dunstabzugshauben oder Windkraftanlagen, wo Wollfilze für Geräuschdämmung sorgen, Schnittschutz-Stoffe für Forstarbeiter, Geo-Textilien oder Stoffe für farbige Kompressionsstrümpfe. Im Laufe der Jahre in Burladingen wurde die Firma stetig erweitert und in großem Maße in Maschinen, Anlagen und neue Technologien investiert. Seit 2012 rüstet Dolinschek Textilstoffe nicht nur aus, sondern strickt auch die Rohware und setzt dabei, so wie Trigema, auf die Produktion in Deutschland.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 80 Mitarbeiter, die arbeiten auf 35.000 Quadratmetern Produktionsfläche in mehreren Gebäudeteilen und beliefern Firmen im Bereich Technik, Automobil, Medizin, Arbeitsschutz, Arbeitskleidung, Mode, Wäsche und vieles mehr.

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