Der iranische Präsident Hassan Ruhani. Foto: EPA

Das Genfer Atomabkommen soll Realität werden: Nach den USA stellt auch Europa eine baldige Lockerung der Sanktionen gegen Teheran in Aussicht. Die deutsche Wirtschaft steht bereit.

Brüssel/Frankfurt - Das Abkommen zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran hat in der deutschen Wirtschaft Hoffnungen genährt. Hoffnungen auf eine neue Blütezeit der traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Entscheidungen über die Lockerung von Sanktionen könnten in Europa im Dezember oder Januar fallen, kündigte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton an.

Zu den seit 2007 verhängten EU-Sanktionen gehören Ein- und Ausfuhrverbote für Waffen, Technologie zum Bau von Atomwaffen oder Telekommunikationssysteme. Verboten sind auch Investitionen in die Öl- und Gasindustrie sowie Finanzhilfen.

Noch sei es zu früh, konkrete wirtschaftliche Effekte abzuschätzen, sagte Treier unserer Zeitung. „Doch im Iran schlummern auch für deutsche Unternehmen große Potenziale.“ Das Land mit seinen 80 Millionen Menschen sei hierbei zu vergleichen mit der Türkei. Es gehe um einen Staat mit vielen jungen, gut ausgebildeten Menschen. Der Iran verfüge allein schon wegen seiner außerordentlich starken Öl- und Gasvorkommen über große wirtschaftliche Möglichkeiten. Und da sei insbesondere deutsches Know-how besonders gefragt. „Das ‚made in Germany‘ hat im Iran immer noch einen sehr guten Klang.“

Chancen vor allem für Maschinenbau und Autoindustrie

Sollte der am Wochenende in Genf gefundene Einigungsweg in eine umfassende Lösung des Konflikts münden, halte er schon in wenigen Jahren ein Handelsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe zwischen beiden Ländern für möglich. 2012 lag die Summe aus Aus- und Einfuhren wegen der einschneidenden Sanktionen gegen den Iran bei gerade noch 2,8 Milliarden Euro.

Chancen böten sich vor allem für die Petrochemie, den Maschinenbau und im Automobilsektor. „In diesen Bereichen könnte die deutsche Wirtschaft mit ihrem Know-how und hochwertigen Produkten als Partner zur Seite stehen – und damit an die traditionell grundsätzlich guten Wirtschaftsbeziehungen zum Iran anknüpfen“, so Treier.

Auch Stefan Mair, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), ist zuversichtlich, wenn die Voraussetzungen stimmen. Unserer Zeitung sagte er: „Der BDI appelliert an die Bundesregierung, in allen Verhandlungsphasen einen verlässlichen Rahmen für legales Engagement der deutschen Industrie im Land sicherzustellen.“ Bislang wird der Handel mit dem Iran streng kontrolliert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wacht über die Exporte, die Bundesbank über den Zahlungsverkehr.

Finanz- und Ölwirtschaft vorerst von Lockerungen ausgenommen

Baden-Württemberg exportierte im Jahr 2010 noch Waren im Wert von 525 Millionen Euro in den Iran. 2012 sank der Wert auf 251 Millionen Euro. Aus Baden-Württemberg in den Iran werden hauptsächlich Maschinen, Kraftwagen und Kraftwagenteile verkauft.

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