Bettwanzen, alter Dreck, marode Türen und aufgerissene Böden: Aus der Asylunterkunft in Killer sickert immer lauter durch, dass das Gebäude in extrem schlechtem Zustand sei. Die Gerüchte werden vom Arbeitskreis Asyl bestätigt. Die Burladinger Stadtverwaltung kontert: "Das stimmt so nicht."
Burladingen-Killer - Eine Pressemitteilung vom Arbeitskreis Asyl Hechingen bestätigt, was in der Stadt die Runde macht. Auf Anfrage der Redaktion berichtet Almut Petersen vom AK Asyl: "Eigentlich muss man sich fragen, was da überhaupt in Ordnung ist", sagt sie. "Das Gebäude ist ein altes Haus – da spricht erst mal nichts dagegen." Aber: "Es müsste von Grund auf saniert werden, und zwar bevor jemand einzieht."
Es "ekelt" einen
Mehr noch: An den Wänden hänge jahrzehntealter Dreck, dass es einen "ekelt". Das Lineoleum auf den Böden sei aufgrissen und überhaupt nicht mehr sauber zu bekommen. Alte Holztüren seien notdürftig repariert, damit sie überhaupt schließen. Und "in manchen Zimmern bollern die Heizungen, in anderen funktionieren sie gar nicht".
Lose Kabel von der Decke
Eines der Badezimmer werde seit Monaten renoviert, das sehe auch sehr ordentlich aus. Aber: "Es hängen noch lose Kabel von der Decke. Wann wird das fertiggestellt?" Die Sanierung durch die Stadt Burladingen stagniere.
Das Schlimmste aber seien die Bettwanzen: "Das geht überhaupt nicht!" Im Frühsommer habe die Stadt einen Kammerjäger geschickt. Fürs Erste sei die Plage damit erledigt gewesen. Leider bedürfe es aber immer einer zweiten beziehungsweisen dritten Behandlung durch den Kammerjäger, um den Tieren den endgültigen Garaus zu machen. Die habe es nicht gegeben. "Und jetzt sind sie wieder da", ärgert sich Petersen. "Wenn man die Bettwanzen wieder krabbeln sieht, ist es schon zu spät." Dann müsse man wieder von vorne anfangen, also mit der Erstbehandlung.
Kein Entkommen
"Bettwanzen sind nachtaktiv. Sie piesacken die Menschen im Schlaf", fügt sie hinzu. Für die Bewohner gebe es kein Entkommen: "Sie sind verpflichtet, hier zu wohnen", erklärt die Hechinger Gemeinderätin (Bunte Liste). "Das sind menschenunwürdige Lebensbedingungen." Sie befürchtet, "dass die Stadtverwaltung Burladingen kein großes Interesse daran hat, dort etwas zu ändern". Anfragen vom AK seien ihrer Meinung nach nicht ausreichend gehört wurden.
"Wir sind dran"
"Wir sind dran"
Auf Nachfrage sagt Bürgermeister Davide Licht zur Unterbringungsproblematik: "Es läuft derzeit eine umfassende Sanierung, wir sind also dran." Der Fachbereichsleiter für Ordnung und Bürgerservice bei der Stadt Burladingen, Martin Paulus, sei regelmäßig vor Ort. "Wenn etwas notwendig ist, wird das auch gemacht."
Für den Burladinger Gemeinderat sei zudem ein Vor-Ort-Termin zur Besichtigung in Killer geplant. Zur Bettwanzen-Plage sagt Licht: "Da hat es vor Kurzem eine Behandlung gegeben. Aber sollte es wieder Probleme geben, bemühen wir uns um eine schnellstmögliche Lösung." Dass die Asylunterkunft die Stadtverwaltung nicht interessiere, stimme wirklich nicht.
Martin Paulus hat, wie auch der Bürgermeister, andere Informationen zum Bettwanzen-Thema: "Wir hatten vor drei Wochen einen Kammerjäger im Gebäude, der erfolgreich war. Und gerade wird eine Badsanierung beendet." Sollten währen der Sanierungsarbeiten lose Kabel von der Decke hängen, sei das ein normaler Vorgang. Allein in das Bad habe die Stadt schon 15 000 bis 16 000 Euro gesteckt. Und Heizungen müssten bisweilen entlüftet werden – aber das müsse man auch melden.
Andere Informationen zu den Bettwanzen
Ob der Dreck an den Wänden Jahrzehnte alt sei, wisse er nicht, aber: "Wenn wir einen Raum an einen Bewohner übergeben, ist der sauber und leer. Wie der Raum nach drei oder vier Monaten aussieht, das liegt in der Hand des jeweiligen Bewohners." Man habe nicht nur Probleme dort, erklärt Martin Paulus: "Es gibt auch Zimmer, die sind ganz aufgeräumt und gepflegt." In einem nächsten Schritt sollen die maroden Türen Stück für Stück ersetzt werden.
Keine normale Abnutzung
Keine "normale" Mietabnutzung
"Vor einem Jahr haben wir in der Küche die Armaturen und die Arbeitsplatten erneuert – jetzt sind schon wieder Brandlöcher auf den Flächen zu sehen." Die Abnutzung in dem Gebäude sei mit einer "normalen" Mietabnutzung nicht zu vergleichen. Er kenne auch andere Asylunterkünfte und wisse daher: "Bei uns ist es nicht ›schlimmer‹ als anderswo."
In einem Gespräch zwischen Arbeitskreis und Landrat habe Günther-Martin Pauli gesagt, "dass das Landratsamt den Hechinger Asylkreis explizit in seiner Forderung, dass Kreis und Kommunen in den bereitgestellten Unterkünften eine menschenwürdige Unterbringung sicherstellen", unterstützte, heißt es in der besagten Pressemitteilung des AK Asyl weiter.