Zum Thema „Bäuerliches Selbstverständnis, faire Preise und Direktzahlungen“ referierte beim Aschermittwochsgespräch des Forums Pro Schwarzwaldbauern Onno-Hans Poppinga aus Hessen. Dabei sprach er über eine ungerechte Verteilung von Mitteln.
Die 25. Auflage der Veranstaltung nahm Vorsitzender Siegfried Jäckle zum Anlass, an die Anfänge zu erinnern. Er berichtete von Rednern aus Nah und Fern, darunter zum Beispiel der ehemalige Moderator Franz Alt oder der damalige Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer.
Themen waren zum Beispiel der Strukturwandel als hässliche Form der Kollektivierung im Kommunismus oder der Weg von globalen Versorgungsketten zu regionaler Versorgung und deren Basis bäuerlichen Lebens.
Zum Nachdenken angeregt hatte ein Vortrag zu Arbeitsbedingungen in spanischen Gewächshäusern. Wie man dort Menschen halte, dürfe man bei uns keine Schweine halten, so Jäckle. Andere Abende waren überschrieben mit „Die Kuh ist kein Klimakiller“ oder „Wer den Kulturwandel begrüßt, schaufelt sich sein eigenes Grab“.
Ungerechte Verteilung von Mitteln Viele Leistungen der Landwirte seien in heutigen Bewertungen gar nicht erfasst. Es gebe viele Leute, die zeigten, wie es anders ginge, weit über den Mainstream hinausblickten. Zwar entstehe dabei immer wieder Groll, manchmal tue sich aber doch etwas, und das sei Ermunterung, weiterzumachen.
Die Krisen würden größer, und das liege nicht zuletzt am kapitalistischen System, so Jäckles Kollege Reimund Kuner. Bei derzeitigen Protesten sei Agrardiesel nur der Aufhänger. Es gehe um größere Unzufriedenheit wegen ungerechter Verteilung von Mitteln.
Poppinga erinnerte an 500 Jahre zurückliegende Bauernproteste, die ihm zufolge vieles vorwegnahmen, was heute als Menschenrechte bekannt sei. Über faire Preise zu reden sei schwierig, da diese lange Zeit bei Bauern nicht so eine Rolle gespielt hätten.
Letztlich gehe es um Preise, mit denen Bauern zurechtkämen. Seit der Agrarreform 1992 bestehe deren Einkommen aus zwei Teilen, den auf Weltmarktniveau abgesenkten Erlösen des Marktes und Direktzahlungen. Letztere seien eine wichtige Stütze, es gebe aber kaum etwas, das Landwirte so sehr ablehnten. Das habe damit zu tun, dass die sich als Selbstständige sähen. Etwas davon abzugeben sei für viele ein großes psychisches Problem. Dabei sei diese Art der Landwirtschaft noch nicht alt, erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Feudalherrschaft entstanden.
Strategie des Wachsens und Weichens funktioniert immer weniger Überhaupt nicht natürlich sei die These vom Wachsen und Weichen. Bis in die 1950er Jahre habe es praktisch kein Wachstum gegeben, Erträge seien ohne neue Technologie, allein durch eigene Ressourcen und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit erhöht worden. Wachstumslandwirtschaft habe seitdem zu Überproduktion und damit fallenden Preisen gesorgt. Dank neuer Technologie erziele man kurzzeitig Gewinne, wenn andere nachzögen, fielen die Preise aber wieder, Gewinne seien dann nicht mehr möglich. Andere Landwirte würden so zu Gegnern, man gerate in eine Tretmühle.
Die Vorstellung, dass hohe Erträge nötig seien, sei für faire Preise ein Problem, weil man über Mengen sprechen und sich vom Denkgebäude wissenschaftlicher Agrarökonomie freimachen müsse. So stimme der Lehrsatz nicht, dass ein Kilo Kraftfutter zwei Kilo Milch ergebe. Infrage gestellt werden dürfe das aber auch nicht.
Genossenschaften brächten Landwirten eine unbefriedigende ökonomische Wirkung. Da es deren Genossenschaft sei, gebe es im Vorhinein keine Verträge mit Vereinbarungen zu Preisen, Mengen oder Qualität. Landwirte lieferten so Milch ab, ohne zu wissen was sie bekämen. Als weiteres Problem sah er die Meritokratie, wonach Wohlhabende das aus eigenem Verdienst und Arme an ihrem Zustand selbst schuld seien.
Anhand konkreter Zahlen zeigte er, dass die Strategie des Wachsens und Weichens immer weniger funktioniert. Trotz sinkender Festkosten und höherer Milchproduktion steige die Kreditbelastung immer weiter, sei über das verfügbare Land gar nicht mehr abgedeckt.
Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft Den lange Zeit bestehenden Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft schob Poppinga ebenfalls auf wirtschaftliche Zwänge. Ökologische Landwirtschaft bedeute ein Aussteigen aus dem System. Allerdings wehrten sich Bauern gegen „das ganze Brimborium drumrum“.
Verschiedene Lösungsansätze angesprochen Lösungen sah Poppinga in sparsamer Landwirtschaft, zum Beispiel durch den Einsatz von wenig Kraftfutter, und weitaus höhere Direktzahlungen wie in der Schweiz. Möglich sei auch ein eigenständiger europäischer Binnenmarkt mit Mindestpreisen und Mengensteuerung. Zudem geißelte er Maßregelungen vor allem von Milchviehhaltern als „unnötigen Unsinn“. Hier könne man Manches ändern.