Die vormontierten Schwellen warten am Bahnhof Hausach auf den Transport zur Baustelle zwischen Hornberg und Triberg. Foto: Dorn

Die Bergstrecke der Schwarzwaldbahn zwischen St. Georgen und Hornberg ist seit dem 19. März gesperrt. Der Schwarzwälder Bote berichtet an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über die Arbeiten an der Strecke.

Hornberg/Triberg - 100. 000 Tonnen Schotter, 63. 000 Schwellen und 60 Kilometer Gleise verbaut die Deutsche Bahn dort im Rahmen der Instandsetzung "Schotter-Schwelle-Schiene". Vom Bahnhof Triberg aus schaffen sich die Bautrupps derzeit talwärts in Richtung Hornberg. Per Videokonferenz informierte Projektleiter Niels Schauenburg über den Baufortschritt.

Neue Wohnquartiere für Eidechsen

"Wir arbeiten nicht bergab, weil es bequemer wäre", so Schauenburg, vielmehr seien die Vorgaben des Artenschutzes einzuhalten. Untersuchungen entlang der Strecke hatten ergeben, dass es in Triberg auf 600 Metern Meereshöhe den schützenswerten Reptilien anders als auf den Sonnenterrassen bei Hornberg-Niederwasser schlichtweg zu kalt ist.

"Wir arbeiten uns also langsam in Richtung Reptilienhabitate vor", bis die Bautrupps auf der Eidechsen-Beletage bei Niederwasser ankommen, seien die Tiere aus der Winterstarre erwacht und hätten auch ausreichend Zeit zur Flucht. Als neue Wohnquartiere hat die DB-Netz abseits der Gleise attraktive neue Habitate gebaut und anders als bei Bahnstrecken in der Stadt bieten sich entlang des Schwarzwald-Gleiskörpers ausreichend natürliche Alternativen im umliegenden Fels. Im Gleiskörper selbst wird nach dem Entfernen der Schienen und Schwellen das Schotterbett bis zu einer Tiefe von 20 Zentimetern entfernt. Große Maschinen beziehungsweise die mehrere hundert Meter langen Gleisbauzüge können auf der Strecke, anders als noch auf dem Streckenabschnitt von Offenburg nach Hausach, nicht eingesetzt werden. Dabei sind weniger die Steigung (bis zu 20 Promille) oder die engen Kurvenradien das Problem, beides könnten die Gleisbauzüge und die Güterzüge mit den Schwellen, Schienen und dem Schotter nötigenfalls auch im Bergab-Betrieb leisten.

Für das Nebeneinander zwischen Materialzug und Gleisbauzug ist der Gleisabstand auf der Schwarzwaldbahn mit nur 3,50 Metern schlicht zu eng bemessen, da würden die Bautrupps den zum Norm-Abstand fehlenden halben Meter sprichwörtlich auf Schritt und Tritt merken, so Schauenburg. Außerdem fehlt es an ausreichender Arbeitsbreite für die Maschinen.

Schotter wird aufwendig weggeschafft und aufbereitet

Und so muss der Schotter, den sonst die Schotterbettungsreinigungsmaschine vor Ort reinigen und wieder scharfkantig formen würde, aufwendig weggeschafft und aufbereitet werden. "Vermutlich werden wir im zweiten Bauabschnitt den Schotter, den wir im ersten Bauabschnitt ausgebaut und aufbereitet haben, wieder einbauen können", hofft der Projektleiter auf einen geschlossenen Recycling-Kreislauf.

Die alten teergetränkten Holzschwellen müssen als Sondermüll entsorgt werden, die im wahren Wortsinne abgefahrenen Schienen werden mit einer hydraulischen Schere am Bagger in transportable Stücke von circa zwölf Metern Länge zerbrochen, am Bahnhof Hausach gelagert und als Stahlschrott ebenfalls recycelt. Über die Gleise der Schwarzwaldbahn und die technische Meisterleistung die hinter der Konstruktion der Bahnstrecke steht, berichten am Dienstag, 1. Juni.

Ab 28. Juli können die Bahnkunden nach mehr als einem Vierteljahr Schienenersatzverkehr für sechs Wochen den neuen Komfort auf der Strecke genießen. Ab 12. September wird dann der Streckenabschnitt von Triberg nach St. Georgen instandgesetzt und die Strecke ein zweites Mal bis 26. November gesperrt. Die Sommer-Öffnung ist nötig, da infolge von Bauarbeiten auf der Gäubahn Güterzüge aus der Schweiz über die Schwarzwaldbahn umgeleitet werden müssen. Wer Fotomotive mit langen bunten Güterzügen auf der "schönsten Gebirgsbahn Deutschlands" sucht, wird im August und September fündig. Im Herbst wird dann wieder gebaut, auf dem letzten Streckenabschnitt zwischen Sommerau und St. Georgen wird dann als weiteres interessantes Fotomotiv auch ein hunderte Meter langen Gleisbauzug zum Einsatz kommen.

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