Über die rechtlichen Vor- und Nachteile des einst ewigen Bundes klärt Familienanwältin Susanne Alex auf. In ihrer Funktion als Mediatorin berät sie Paare aus dem gesamten Zollernalbkreis außerdem in schwierigen Situationen.
„Jede zweite Ehe wird geschieden“, weiß Familienrechtsanwältin und Mediatorin Susanne Alex. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Paaren aus Balingen und dem gesamten Zollernalbkreis – insgesamt hat sie bereits mehr als 30 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet.
Welche Vor- und Nachteile die Ehe für Paare heutzutage aus rechtlicher Sicht hat, erklärt sie daher im Gespräch mit unserer Redaktion.
Familienmodell spiel eine wichtige Rolle
„Es kommt drauf an“, beginnt die Anwältin. Und zwar auf das gewählte Familienmodell: „Bei Paaren ohne Kinder, spricht grundsätzlich erstmal nichts gegen eine nichteheliche Lebensgemeinschaft“, sagt Alex. Denn man könne die Beziehung zu jedem Zeitpunkt schnell und unkompliziert beenden. Auch bestehen in diesem Fall keine Ausgleichspflichten. „So lange jeder während der Beziehung gleich viel Geld in das gemeinsame Leben investiert und etwa gleich viel Geld spart, kann das gut funktionieren.“
Ehe als einfachste Lösung
Allerdings sieht die Rechtsanwältin beim Thema Erbschaft und Immobilien ein Problem: „Der steuerliche Freibetrag liegt für nichteheliche Partner bei nur 20 000 Euro“, sagt sie. „Verheiratete Paare können ihren Partnern nach ihrem Tod ein Erbe von einem Wert bis zu 500 000 Euro steuerfrei vermachen. „Hier gibt es auch keine gute Lösung“, sagt Alex. „Am einfachsten ist es da dann doch zu heiraten.“
Paaren, die davor Angst haben, weil sie beispielsweise bereits eine unschöne Scheidung mit einem vorigen Partner hinter sich haben, rät sie zu einem Ehevertrag. „Darin kann alles geregelt und auch das ausgeschlossen werden, vor dem man Angst hat.“
Schwieriger ist die Situation bei Paaren, bei denen ein Kinderwunsch besteht, sagt die Rechtsanwältin. „Vor allem, wenn die Aufgabe der Kinderbetreuung ungleichmäßig verteilt ist.“ Denn: Der Elternteil, der zuhause bleibt, um sich um Kinder und Haushalt zu kümmern, hat in dieser Zeit – welche sich häufig über viele Jahre streckt – einen Einkommensausfall und zahlt auch nicht in die Rentenkasse ein.
Kinder können zum Problem werden
„In nichtehelichen Partnerschaften wird das im Falle einer Trennung zum Problem, denn diese Ausfälle werden , anders wie bei verheirateten Paaren, nicht ausgeglichen“, so Alex.
Zudem haben verheiratete Paare weitere Vorteile, wie beispielsweise einen besonderen Schutz durch das Grundgesetz und das Familienrecht, die Witwen- beziehungsweise Witwerrente, die Möglichkeit zur kostenlosen Mitversicherung der gesamten Familie, die gesicherte Vaterschaft der Kinder und die damit verbundene elterliche Sorge sowie das Erbrecht. Problematisch an der Ehe ist vor allem ihr Ende.
„Insbesondere, wenn Kinder involviert sind, ist das für viele eine belastende Situation.“ Häufig leiden darunter vor allem die Kinder: „Dabei sehe ich vor allem das Wechselmodell als problematisch an“, sagt die Familienrechtsanwältin. Denn der ständige Wechsel zwischen den beiden Eltern bedeutet meist enormen Stress für die Kinder. „Das bedarf einer ständigen und guten Kommunikation“, sagt Alex. Diese sei in vielen Fällen aber nicht gegeben.
Kinder leiden unter Scheidung
„Oft geraten die Kinder dann zwischen die Fronten“, weiß die Anwältin aus Erfahrung. „Sie entwickeln einen Loyalitätskonflikt und sind zunehmend gestresst.“ Das wirkt sich auch körperlich aus: Diese Kinder haben häufig Konzentrationsprobleme und Entwicklungsstörungen. „Sie bekommen Probleme in der Schule und brauchen allgemein mehr Unterstützung.“
Gewalt in der Beziehung
Ein weiterer Aspekt ist auch das Thema Gewalt in der Beziehung. „Davon sind überwiegend vor allem Frauen betroffen“, sagt Alex. „Häufig nutzen die Täter im Anschluss dann das Umgangsrecht, um den Partner auch nach der Trennung weiter zu drangsalieren.“
Diese sind gezwungen mit dem Täter in Kontakt zu bleiben, um das Umgangsrecht zu gewährleisten. „Das ist für die Betroffenen eine Zumutung.“