Es ist eine Nummer mit vielen Unbekannten und doch so wichtig: Beim Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen hat die Stadt nun ein erstes Maßnahmen-Packet geschnürt. Ob sie dafür an Zuschüsse kommt ist ungewiss.
Ab 2026 hat jeder Rottweiler Erstklässler einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz – acht Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche und auch in den Ferien. Dafür braucht es an den acht Grundschulen im Stadtgebiet und in den Teilorten Betreuungsräume, Küchen und natürlich Personal.
Bis 2030 muss eine Ganztagsbetreuung für sämtliche Grundschüler bis zur vierten Klasse angeboten werden können. Die Stadt rechnet bis dahin mit 1125 Schülern und 16 Vollzeitstellen, die für deren Betreuung notwendig werden. Bund und Länder hatten 2022 den Rechtsanspruch beschlossen – er war eines der letzten großen Projekte der Großen Koalition.
Wie wichtig die Ganztagsbetreuung ist, betonte Oberbürgermeister Christian Ruf in der Sitzung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschusses. „Das ist so sehr richtig“, bewertete er den Rechtsanspruch. Wenngleich es die vielen unbekannten Parameter sind, die die Umsetzung der Ganztagsbetreuung so schwierig machen. Heißt: Wenn ab September 2026 der Startschuss für 282 Erstklässler fällt, muss das Gerüst für die Ganztagsbetreuung stehen.
Planungsdruck
Druck macht der Stadtverwaltung nicht nur die Planung von Betreuungsräumen und das Füllen der nötigen Personalstellen, sondern schon allein der Zeitrahmen für die Stellung der Zuschussanträge.
Was von der Stadt in die nötigen Räume investiert werden muss, dafür soll es Geld vom Land geben. Das Zeitfenster für die Zuschüsse öffnet sich am 14. März und schließt sich zwei Wochen später wieder. Die Beantragung läuft im Windhundverfahren, dass heißt: wer zuerst kommt, malt zuerst. Und: 2026 läuft die Förderung bereits wieder aus.
„Wir haben ein Paket zusammengezimmert, das uns über das Jahr bringt“, so Ruf in der Sitzung. Nicht im Paket werden die Grundschulen in Neufra und Neukirch sowie die Johanniterschule in Rottweil sein. Dort hake es an den vorhanden Räumen. „Zu kurzfristig“, erklärte Bürgermeisterin Ines Gaehn. Das heiße aber nicht, dass es dort keine Lösung geben wird, betonte Ruf.
Baumaßnahmen an drei Grundschulen
Dennoch wird es drei Förderanträge für drei Schulen geben. Madeleine Lehmann, Abteilungsleiterin Schulen und Kindergärten, erklärte das Vorgehen. Und das sieht so aus: An der Römerschule in der Altstadt werden der bestehende Gymnastik- und der Physikraum saniert und umgebaut. Ein Betreuungszimmer und eine Küche sollen dort Platz finden.
In der Grundschule am Dissenhorn in Göllsdorf wird die Lehrküche saniert. „Dort müssen 50 Kinder zum Mittagessen unterkommen können“, so Lehmann.
Und dann wäre da noch die Konrad-Witz-Schule, in der der bestehende Schüler-Treff offener gestaltet und saniert werden soll. Achert- und Eichendorffschule erfüllen bereits die Voraussetzungen. Die Stadt rechnet für die Umbaumaßnahmen an den drei Schulen mit Kosten von rund 200 000 Euro.
Von Mai 2025 bis Jahresende sollen die baulichen Vorbereitungen für die Ganztagsbetreuung umgesetzt werden. „Wir haben geschaut, was wir überhaupt umsetzen können“, meinte Lehmann. Dabei sei nicht einmal gewiss, ob die Stadt bei den Fördergeldern überhaupt zum Zug komme.