VfB-Stürmer Omar Marmoush (li.) an der Seite von Superstar Mo Salah. Foto: imago/Mohamed Asad

Angreifer Omar Marmoush träumt vom Titelgewinn beim Afrika-Cup. Dem VfB wird der Ägypter während des Turniers im Januar fehlen – an diesem Samstag trifft er auf seinen Stammverein VfL Wolfsburg.

Stuttgart - Jürgen Klopp und der Afrika-Cup, daraus wird keine Liebe mehr. Schon vor einem Jahr hatte der Erfolgscoach des FC Liverpool die Ansetzung im Januar und Februar kritisiert und die Abstellung seiner Stars als „Katastrophe“ bezeichnet. Vor der 33. Auflage des Turniers, die vom 9. Januar bis 6. Februar in Kamerun steigt, legte Klopp nun nach. Er bemerkte mit Blick auf die Fülle an Länderspielabstellungen im gesamten Jahr in einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus, dass da jetzt ja noch mal so ein „kleines Turnier“ komme.

 

Das führte kürzlich sogar zu Verwerfungen auf einer Pressekonferenz, bei der ein Journalist Klopp mangelnden Respekt für Afrika vorwarf, ihn für dessen Aussage maßregeln wollte – und der fassungslose Trainer sich plötzlich in einer Art Verteidigungshaltung wiederfand. „Das habe ich nicht so gemeint, ich weiß nicht, warum Sie das so verstehen, um ehrlich zu sein – ich meinte nicht, dass es ein kleines Turnier ist“, sagte Klopp in Richtung des erbosten Medienvertreters. Und weiter: „Ich habe nur gesagt, dass da noch ein Turnier ist. Das war ironisch gemeint, es ist immer noch ein großes Turnier, und wir verlieren einige unserer besten Spieler dadurch.“

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Damit hat Klopp wohl recht, denn die Reds müssen während des Afrika-Cups bald auf den Ägypter Mohamed Salah, auf den Senegalesen Sadio Mané und Naby Keita (Guinea) verzichten – was den Coach eben zu größeren oder kleinen Spitzen veranlasst.

Von Sven Mislintat, Klopps altem Kumpel aus gemeinsamen Zeiten bei Borussia Dortmund, sind dagegen in den Wochen vor dem Turnier keine Klagelieder zu hören. Dabei hätte ja auch der Sportdirektor des VfB Stuttgart in einem der klassischen Interessenkonflikte des Profifußballs (Verein wehrt sich gegen Abstellungen zu Nationalteams) einen Grund dazu.

Der Fall Endo war ähnlich gelagert

Er hört auf den Namen Omar Marmoush, ist der aktuell gefährlichste Offensivmann des VfB und wird wie sein Landsmann Salah aller Voraussicht nach für Ägypten beim Afrika-Cup am Ball sein – und nicht für seinen Verein im Ligaalltag. Das muss man so akzeptieren, es geht ja nicht anders, was sollen wir machen, das ist in etwa die Haltung der VfB-Verantwortlichen um Mislintat in diesem Fall. So oder so ähnlich also, wie das beispielsweise schon bei der kräftezehrenden Olympiateilnahme des japanischen Kapitäns Wataru Endo im Sommer bis kurz vor dem Saisonstart war.

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Aber klar: Auch Mislintat wäre es bei allem Verständnis lieber, wenn Marmoush Anfang des Jahres für den VfB auflaufen würde. Der Mann aber, der an diesem Samstag im Spiel beim VfL Wolfsburg auf seinen Stammverein trifft, von dem er noch bis Saisonende ausgeliehen ist, denkt längst an den Afrika-Cup – dessen Stellenwert in etwa so hoch ist wie jener einer EM in Europa. „Das Turnier ist ein Traum von mir“, sagte der 22-jährige Marmoush kürzlich gegenüber unserer Zeitung. Und weiter: „Mit Mo Salah in einer Mannschaft zu spielen ist richtig geil.“

Ende des Leihgeschäfts

Insgesamt vier Bundesliga-Partien des VfB finden im Januar und Anfang Februar während des Afrika-Cups statt – wo für Marmoush an der Seite des Weltstars Salah mit dem möglichen Titelgewinn in Kamerun ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen soll. Immerhin: Bis zum Jahresende geht der Angreifer noch für den VfB auf Torejagd.

Unter anderem tut er das in dem speziellen Spiel an diesem Samstag beim VfL Wolfsburg, zu dem der Angreifer nach dem Leihende im kommenden Sommer – Stand jetzt – zurückehren wird. „Ich werde bis zum Ende alles für den VfB raushauen“, sagt Marmoush. Nur nicht im Januar, wenn er für Ägypten auf einem anderen Kontinent unterwegs sein wird.