Musik machen geht auch noch im hohen Alter – davon sind die Jugendmusikschule St. Georgen/Furtwangen (JMS) und die Bürgerstiftung der Bergstadt überzeugt. Mit einem neuen Projekt wollen sie noch mehr Senioren das Musizieren nahebringen.
Für viele ist es ein Kindheitswunsch: Einmal ein Instrument erlernen – doch nicht für jeden geht er in Erfüllung. Im stressigen Alltag fehlt dafür nicht selten die Zeit. Erst später, im fortgeschrittenen Alter, rückt der Traum wieder in greifbare Nähe. Doch dann noch einmal das Spiel auf einem Instrument und das Notenlesen von Grund auf lernen? Davor scheuen sich viele Senioren – oder es fällt ihnen schwer.
„Da ist die Tischharfe eine super Option“, sagt Anne-Kathrin Faulhaber. Die 41-Jährige ist seit zehn Jahren Lehrerin für Harfe an der JMS St. Georgen/Furtwangen. Seit Ende 2023 leitet Faulhaber zudem einen Kurs, bei dem Senioren das Spiel auf der Tischharfe lernen.
Das Angebot gründet auf einem langjährigen Wunsch der Musiklehrerin: Bereits nach ihrem Studium der Heilpädagogik vor rund zwei Jahrzehnten habe sie zusammen mit Senioren musizieren wollen. „Aber damals war das alles noch ein bisschen unausgegoren.“ Das hat sich geändert: Kürzlich hat Faulhaber eine zweijährige Weiterbildung zur Musikgeragogin absolviert. Das achtköpfige Tischharfen-Orchester, das seit Dezember einmal die Woche gemeinsam musiziert, ist ihr erstes Projekt in diesem Bereich. Die Teilnehmer sind Mitte 60 bis Mitte 70.
Fortschritte sind schnell erkennbar
Was die Musiker nach wenigen Monaten darbieten, hört sich schon gut an. Das ist Faulhaber zufolge einer der Vorteile der Tischharfe: Fortschritte sind schnell zu sehen – und die Teilnehmer müssen dafür nicht einmal Noten lesen. Stattdessen werden Schablonen verwendet, die zeigen, wann welche Saite gezupft werden muss. „Zu Weihnachten haben die Teilnehmer ihren Enkeln schon Weihnachtslieder vorgespielt“ – und nach nur wenigen Kurswochen, verdeutlicht Faulhaber den schnellen Fortschritt.
Instrumentenspiel bringt viele Vorteile
Mit viel Motivation und Enthusiasmus sind die Tischharfenspieler bei der Sache, berichtet Faulhaber. Das Instrumentenspiel mache aber nicht nur Spaß – es trainiere auch motorische und kognitive Fähigkeiten, fördere die Konzentrationsfähigkeit und liefere Erfolgserlebnisse. Und: Ein Instrument könne man im hohen Alter noch erlernen. „Die Lernfähigkeit bleibt lange erhalten – sogar bei Demenz“, sagt Faulhaber. Musik sei besonders geeignet, „denn sie spricht mehr als die reinen kognitiven Fahigkeiten an“.
Angebot passt ins Konzept
Die musikalische Arbeit mit Senioren rücke derzeit immer mehr in den Fokus, weiß JMS-Leiter Elias Zuckschwerdt – auch beim Landesverband der Musikschulen. Und obwohl der Name Jugendmusikschule auf eine Konzentration auf Kinder und Jugendliche schließen lässt, rückt die Bildungseinrichtung schon seit geraumer Zeit die Ausbildung Erwachsener mehr und mehr in den Mittelpunkt – da passt das neue Angebot für Senioren bestens, findet auch Sabine Porsch. stellvertretende JMS-Leiterin.
Möglich wurde der Tischharfen-Kurs durch die Unterstützung der Bürgerstiftung, welche die Mietkosten für die Instrumente übernahm – von einer Finanzierung des Kaufs habe man zunächst abgesehen, weil man abschätzen wollte, wie das Angebot angenommen wird, sagt Erwin Müller, Vorsitzender der Bürgerstiftung. Nach etwa einem Jahr soll die Nachfrage evaluiert werden.
Weitere Angebote denkbar
Was mögliche musikalische Angebote für Senioren angeht, ist der Tischharfen-Kurs jedenfalls nur der Anfang, sagt Faulhaber. Denkbar wäre der Start eines weiteren, kleinen Orchesters in dieser Form. Aber auch musikalische Angebote in Seniorenheimen können sich die Beteiligten gut vorstellen. Die Möglichkeiten, betont Faulhaber, sind vielfältig.