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American Football Die schweren Jungs von nebenan

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Startaufstellung: Die schweren Jungs der Bondorf Bulls (Offense helle Trikots, Defense dunkle) stehen sich gegenüber. Foto: Schuon

Trendsportart American Football: Seit Anfang des Jahres wird trainiert, am Samstag soll die Abteilung offiziell gegründet werden. Ab der kommenden Saison wollen die Bondorf Bulls am Spielbetrieb teilnehmen.

22 Männer stehen sich gegenüber, in der Mitte liegt der Ball, der eigentlich ein Ei ist. Dann ertönt der Pfiff. Die Jungs stürmen aufeinander zu. Es kracht. Im Gedränge verliert man schnell die Übersicht. Das Ei wird an den Quarterback, der durch ein rotes Trikot gekennzeichnet ist, übergeben. Davor hat sich ein Gemenge gebildet. Es sieht aus wie ein Hühnerhaufen. Ist es aber nicht: Die Jungs auf dem Feld wissen genau, wo sie hinlaufen müssen. Jeder Laufweg, jede Bewegung ist genau einstudiert. Football wird auch gerne als Rasenschach bezeichnet. Der Quarterback wirft den Ball über zehn Meter zu seinem Mitspieler. Der greift zu, wird aber genau in diesem Moment von hinten umgerannt und zu Boden gerissen. Er kann den Ball nicht festhalten. Obwohl es nur ein Trainingsspiel ist, geht es ordentlich zur Sache. American Football ist kein Kontakt- sondern Kollisionssport. Einmal kurz abklatschen und weiter geht’s.

Der Weg ist frei

Es ist Montagabend beim Training der Bondorf Bulls. Etwa 30 Leute haben sich eingefunden. "Insgesamt haben wir im Moment 44 Spieler", sagt Moritz Fritsch. Er ist der Abteilungsleiter der neuen Abteilung American Football beim SV Bondorf, die es eigentlich noch nicht gibt. Dass wird sich am Samstag ändern. Da hat der Sportverein extra eine Mitgliederversammlung einberufen, um die Football-Abteilung offiziell zu gründen. "Uns steht jetzt nichts mehr im Wege", freut sich Fritsch.

Der Hype ist real

Jetzt kann es richtig losgehen mit American Football in Bondorf. Die Gründung der Abteilung war die letzte Hürde. "Jetzt können wir uns für die nächste Saison anmelden", sagt Fritsch. Diese startet im April. Bis Dezember müssen sich die Bondorf Bulls anmelden. Die Gegner in der Kreisliga werden zum Beispiel die Black Forest Foxes sein. Vor einem Jahr ist in Freudenstadt (genau genommen Dietersweiler) genau das passiert, was gerade in Bondorf entsteht. Aus einer Laune heraus haben tatkräftige Männer und Frauen ein Footballteam gegründet – innerhalb von wenigen Wochen. Davon können viele Vereine und Sportarten in Zeiten, in denen immer mehr Teams und sogar ganze Klubs von der Landkarte verschwinden, nur träumen. Doch die Footballer profitieren von einem Hype, genauso wie der Verein. Denn die rund 50 neuen Spieler generieren neue Einnahmen – etwa durch die Mitgliedsbeiträge.

90 Prozent Neulinge

"Football ist im Moment die Trendsportart schlechthin", weiß Moritz Fritsch. Der Bondorfer selbst spielt auf der Position des Runningbacks. Der ist in der Offensive für das Laufspiel verantwortlich. Er nimmt den Ball in die Hand und versucht, an der gegnerischen Defensive vorbeizukommen. In der Jugend hatte er kurz bei den Holzgerlingen Twisters, dem bekanntesten Team aus der Umgebung, gespielt. "Nur ein halbes Jahr. Nicht der Rede wert." Später bei den Böblingen Bears, die sich vor der zurückliegenden Saison vom Spielbetrieb abgemeldet hatten. Von dort hat er ein oder zwei Spieler mitgebracht. Der Rest sind alles Neulinge. "90 Prozent von uns sind Rookies, die noch nie Football gespielt haben." Einer davon ist Philipp Maier aus Jettingen. Seit rund vier Wochen ist der 29-Jährige dabei. Für Football interessiert er sich schon lange.

Footballvirus

Seit es die Sportsendung ranNFL im Fernsehen gibt, bei der sonntags die Spiele der amerikanischen Profiliga NFL übertragen werden, ist in Deutschland ein Footballvirus ausgebrochen. In den Playoffs, der Endphase einer Saison, haben in der zurückliegenden Spielzeit regelmäßig mehr als eine Millionen Zuschauer mitgefiebert, wenn die Superstars wie Tom Brady oder Aaron Rodgers das Leder-Ei über das Feld bewegt haben. Beim Super Bowl, dem Endspiel der NFL und das größte Einzelsport-Ereignis der Welt, waren es sogar mehr als zwei Millionen Zuschauer in Deutschland – und das nachts um halb 3. Die neue Saison läuft übrigens seit dem vergangenem Wochenende.

Vom Fußball zum Football

Als Philipp Maier vor rund vier Wochen davon erfahren hat, dass es nun auch in der Umgebung ein Team gibt, wollte er das unbedingt ausprobieren. Bisher hatte er Fußball beim VfL Oberjettingen gespielt, war in der vergangenen Saison Kapitän der zweiten Mannschaft in der Kreisliga B. Dann warf ihn eine Schulterverletzung aus dem Rennen. Jetzt ist er beim Football eingestiegen. Er spielt auf der Position des Wide Receivers und versucht die Bälle zu fangen, die der Quarterback in seine Richtung wirft. Er war es, der in eingangs beschriebener Szene zu Boden gerissen wurde. Wegen seiner Körpergröße (etwa 1,90 Meter) soll er aber zum Tight End, eine Mischung aus Receiver und Offensive Lineman, umgeschult werden. Da muss er auch den Weg für seine Mitspieler freiblocken.

Schwere Jungs gesucht

Geschichten wie seine gibt es bei den Bulls viele. Die meisten Spieler kommen aus Bondorf, Herrenberg und Umgebung – aber auch aus Gültlingen, Jettingen, Mötzingen oder Gündringen. Und mit 44 Mann ist der Kader längst nicht voll. "Bei uns kann jeder mitmachen. Wir suchen noch alles, dick, dünn, schnell, langsam." Das ist das tolle am Football. Es kann wirklich jeder mitmachen. "Auch die Jungs, die meinen, sie können keinen Sport machen", sagt Fritsch. Denn vor allem die großen und schweren Spieler, jenseits von 100 Kilogramm, die sich den Gegnern in den Weg stellen, werden in Bondorf noch gesucht.

Auch Trainerin ist "Rookie"

Was für die meisten Spieler gilt, gilt auch im Trainerstab. Auch der Headcoach ist ein sogenannter "Rookie", in diesem Fall eine Trainerin. "Das ist immer die erste Frage", sagt Maren Beuttler und lacht. "Ja, Trainerinnen gibt es nicht so häufig", lautet ihre Antwort. Sie ist dafür zuständig, dass die Lauf- und Passwege stimmen, jeder Spielzug sitzt. "Es geht immer darum, die Defense alt aussehen zu lassen", sagt sie. Vor etwa acht Jahren hat sie mit Football angefangen, doch eine schwere Knieverletzung zwang sie zum Aufhören. Nun startet sie in Bondorf als Headcoach durch. Den Neulingen genau einzutrichtern, wie sie sich über das Feld zu bewegen haben, sei nicht einfach. "Das dauert – und geht nur über viel Training." Dazu gehört auch die Theorie. "Inzwischen sind die meisten aber über die Basics weit hinaus."

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