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Altensteig (Württ.) Ein Instrument ist Schriefl nicht genug

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Ronja König (rechts) übernahm den Solo-Part in John Legends "All of me". Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder Bote

Das zweite Abendkonzert des Musiksommers gestaltete die Brassband A7 aus dem Allgäu mit dem Gastsolisten Matthias Schriefl.

Altensteig. Am späten Samstagnachmittag gaben die Musiker der Stadtkapelle Altensteig (Leitung Josef Stritt), der Black Forest Brassband (Tobias Steeb) und des Posaunenchors Altensteig (Johannes Fünfgeld) eine Willkommens-Bläserparty aus, dann legte die Brassband los und riss das erstaunte Publikum in den Sog ihres Sounds. Denn vom ersten Ton des "The Knight Templar" von George Allan an fielen ein strammes, wohlklingendes Klangbild und technische Präzision sowie das wie vom Metronom gesteuerte Dauertempo auf. Eine Begrüßung wie aus dem Bilderbuch.

Als der Altensteiger Bürgermeister Gerhard Feeß das Wort kurz ergriff und "einen musikalischen Genuss besonderer Art" versprach, ließ die Band im Konzertverlauf keinen Zweifel daran, dass die Zuhörer in der Tat ein hochkarätiges Ensemble vor sich haben. Kaum zu glauben, wie viel Musikalität, Virtuosität und Ausdruckskraft das 26-köpfige Blasorchester aus Kornetten, Flügelhörner, Althorn, Bariton, Posaunen, Eufonien, Tuben und Schlagwerk hervorbrachte. Wohl gemerkt, fast alle Instrumentalisten sind fantastische Semiprofis, die aus Leidenschaft zu Musik viele Strapazen auf sich nehmen, um von weit her zu Proben mit "A7" anzureisen.

Mit ihrem kompetenten wie sensiblem Dirigenten und Moderator Thomas Wolf an der Spitze führten sie das Publikum "quer durch die Brass-Welt", in der eine "große Klang-Homogenität" herrsche und die Instrumente imstande seien, ihre Dynamik und Ausdrucksmöglichkeit im Nu hochzufahren. Eine Brassband sei somit wie ein Ferrari – "in drei Sekunden auf 100 Stundenkilometern", wobei die Formation von Wolf obendrein bewies, dass sie auch wandelbar wie ein Chamäleon ist.

Ein Paradebeispiel dafür war "Ardross Castle" von Philip Sparke, wo monumentale Erhabenheit und schwebende Leichtigkeit, Lyrik und Klang-Explosionen dicht nebeneinander lagen.

Zu den Reihen der exzellenten Musiker gehört Ronja König. Sie studiert zurzeit das Instrumentalfach Eufonium in Zürich. Als Solistin in "All of me" von John Legend führte sie den kuscheligen Melodie-Faden mit Natürlichkeit und wärmenden Klang, wobei das gut ausbalancierte Orchester ihren interpretatorischen Anregungen genüsslich folgte.

Für noch mehr Furore sorgte das von Matthias Schriefl eigens für den diesjährigen Musiksommer komponierte "Peanut Vendor" und der Autor selbst. Der Jazzkomponist, Bandleader und Multiinstrumentalist brachte ein Alphorn mit und holte aus dem fast vier Meter langen Volksinstrument unzählige, mitunter doppelte Töne heraus. Der Reichtum des zauberhaft virtuosen Jazz-Mosaiks verblüffte das Publikum nicht weniger als sein Spiel auf zwei Blasinstrumenten gleichzeitig, wobei all die technischen Raffinessen offensichtlich nur einem Zweck dienten – dem Jazz einen eigenen und unverwechselbaren Stempel zu setzen. Ein endloser Beifall brach nach der finalen Orchester-Fermate aus, und die Zuhörer sprangen aus ihren Sitzen.

Es kommt selten vor, dass ein Orchester auch nach einer Zugabe zurück auf die Bühne geklatscht wird. Mit so einem frenetischen Empfang in Altensteig rechnete auch die Brassband A7 nicht, doch das Publikum ließ nicht locker und das fehlende Notenmaterial wurde eilig auf die Bühne gebracht. Erst als der letzte Spieler nach zwei weiteren Nummern den Platz verließ, verebbte der Schlussapplaus endgültig.

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