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Alpirsbach Werkzeug kann viel mehr als Holz zerteilen

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Das gab es in Alpirsbach noch nie: In der Klosterkirche trafen am Sonntag Carmen Jauch an der Winterhalter-Orgel auf Ralph Stövesandt mit seiner Singenden Säge. Foto: Günther Foto: Schwarzwälder Bote

Mit einer fulminanten Matinee startete am Sonntag die neue Herbst-Veranstaltungsreihe "Musik dient Gott" in der Alpirsbacher Klosterkirche. Dabei trafen zwei grundverschiedene Instrumente aufeinander: Die Orgel und die "Singende Säge".

Alpirsbach. Kantorin Carmen Jauch ist es gelungen, ein anspruchsvolles, vielseitiges Programm von klassischer Musik bis zur Moderne zu präsentieren. Eingeladen zur Matinee hatte die Alpirsbacher Kantorin Ralph Stövesandt mit seiner Singenden Säge. So trafen mit Orgel und Singender Säge in Alpirsbach zwei höchst ungleiche Musikinstrumente zusammen – einerseits die Königin der Instrumente, die Alpirsbacher Winterhalter-Orgel. Demgegenüber stand ein doch sehr profaner Klangkörper, den man sich zur Not – wenn auch mit eingeschränktem Tonumfang – im nächsten Baumarkt besorgen kann.

Bald wurde allerdings klar, dass sich die beiden Instrumente trotz aller Gegensätzlichkeiten ergänzen, was auch für die beiden Musiker galt.

Überraschend großer Tonumfang

Eröffnet wurde die Matinee mit einem Orgelsolo von Carmen Jauch: Mit der temperamentvoll und einfühlsam zugleich vorgetragenen "Toccata" in F-Dur von Johann Sebastian Bach entlockte Jauch ihrer Orgel starke klangliche Kontraste und choralartige Motive im Pedal.

Ganz im Gegensatz dazu stand das nächste Stück: Beide Künstler interpretierten gemeinsam Arvo Pärts zeitgenössisches Werk "Spiegel im Spiegel". Geradezu mystisch und geheimnisvoll erklangen da sphärische Klänge in der ehrwürdigen Klosterkirche. Für viele sicherlich überraschend war die Bandbreite der Klangfarben, das Klangvolumen und der Tonumfang der Singenden Säge.

Die Funktionsweise seines seltenen Instrumentes ist einfach, wie der "Sägekünstler" zwischendurch erläuterte: Bei dem Musikinstrument wird die Tonhöhe durch das unterschiedliche Biegen des Sägeblatts erzielt, mit einem Violinbogen wird über die meist zahnlose gebogene Kante gestrichen. Melodien entstehen, wenn die Töne durch ein im Idealfall kaum wahrnehmbares Glissando – also die gleitende Veränderung der Tonhöhe – verbunden werden; der Tonumfang wird durch die Länge der Säge begrenzt.

Instrumente ergänzen sich perfekt

Wer dieses ungewöhnliche Musikinstrument noch nie hörte, dürfte am Sonntag ob der weichen, sanften Töne überrascht gewesen sein. Teils hörte das Publikum bei Pärts Komposition geradezu den Wind in den Weiden rascheln. Überraschend war auch, mit welcher Perfektion sich diese beiden Instrumente ergänzten. Da begleitet die Orgel einfühlsam oder gibt die Melodieführung vor, da spiegeln sich beide perfekt gegenseitig, was, wenn man den Titel des Stückes wörtlich nimmt, ja wohl auch intendiert war.

Gewagter und schwerer verdaulich war das Spiel der Singenden Säge bei Franz Schuberts "Ave Maria", war hier der Unterscheid zwischen dem gewohnten und dem durch die Säge erzeugten Klang doch groß. Demgegenüber gelang es Stövesandt, bei Camille Saint-Saëns Suite für Kammermusik "Der Schwan" aus "Karneval der Tiere" mit seiner Säge sehr gut, die Stimmung wiederzugeben und die Flugrufe eines Singschwans zu imitieren.

Ein weiterer unerwarteter Höhepunkt des anspruchsvollen Musikprogramms bildete die Uraufführung des von Julia Rosenberg, Komponistin und Harfenistin, komponierten Musikstückes "Anrufung", das Rosenberg als Gebet und Wechselgesang konzipierte. Orgel und Singende Säge setzten diese Intention mal wehklagend, mal jubilierend um.

Dass eine Singende Säge auch als elektronisches Instrument verwendet werden kann und sich damit vielfältige, wenn auch nicht unbedingt harmonische, Klangmöglichkeiten bieten, bewies Stövesandt mit dem Stück "E-Säge percussive". Unter anderem erzeugte er dabei mit einer auf dem Sägeblatt tanzender Münze interessante Klänge. Zwar sind dies nicht unbedingt die Töne, deretwegen die Mehrheit der Zuhörer ein Konzert in der Klosterkirche besucht, als Ergänzung empfanden es die Zuhörer aber durchaus hörenswert.

Sehr gegensätzlich dazu ließ Carmen Jauch an der Winterhalter-Orgel "Toccata, opus 9" von Jean Guillou erklingen. Begeisterung erzeugten beide Künstler anschließend auch mit Astor Piazzollas "Oblivion". Der Beweis, dass sich die Kompositionen des weltbekannten argentinischen Bandoneon-Spielers und Komponisten auch für dieses Instrumentenduo eignen, wurde in Alpirsbach erbracht. Lauschen konnte man dabei Sequenzen, mal temperamentvoll, mal wehmütig vorgetragen. Auch mit Giacomo Puccinis "O, My Beloved Father" bewiesen Jauch und Stövesandt ihre Klasse.

"Das hatten wir noch nie", so der sichtlich zufriedene Laienvorsitzende des Kirchengemeinderats, Axel Kohler, für den die Matinee das "Zuckerle und der Lichtblick im Alltag" war. Wie der lang anhaltende Applaus verriet, stimmte das Publikum zu.

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