Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart spielen gegen das Topteam von Fenerbahce Istanbul um den Einzug ins Halbfinale der Champions League. Wie Kim Renkema die Perspektiven sieht – kurz- wie langfristig.
Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart steht im Viertelfinale der Champions League eine riesige Herausforderung bevor. Aber die Sportdirektorin Kim Renkema sagt vor dem Duell mit Fenerbahce Istanbul: „Ich bin überzeugt, dass wir unsere Möglichkeiten bekommen werden.“
Frau Renkema, Ihr Team steht vor besonderen Tagen. Am 3. März steigt das Pokalfinale, zuvor finden die Viertelfinalspiele in der Champions League statt. Wie groß ist die Vorfreude?
Die ist extrem groß. Allein schon wegen des Hinspiels im Viertelfinale der Champions League am Dienstagabend schlägt mein Herz ein wenig schneller.
Anscheinend nicht nur bei Ihnen. Die Scharrena ist ausverkauft . . .
. . . und wir hätten sie für dieses Spiel gegen Fenerbahce Istanbul sicher zweimal ausverkaufen können. Das Interesse war riesig. Allein am Montag haben wir noch hunderten Interessierten absagen müssen. Es wird ein Fest – mit einer außergewöhnlichen Stimmung. Die türkischen Fans sind bekannt dafür, sehr laut zu sein.
Und das Team dafür, sehr stark zu sein. Fenerbahce führt die Tabelle der Top-Liga in der Türkei an.
Das Team hat absolutes Topniveau, ist bis zum letzten Kaderplatz bestens besetzt. Und in Melissa Vargas haben sie eine absolute Ausnahmespielerin in der Mannschaft.
Die zuletzt verletzt war.
Aber am vergangenen Wochenende wieder auf dem Feld stand und herangeführt wurde. Das zeigt, dass Fenerbahce sie gegen uns unbedingt dabei haben möchte – was wiederum auch für uns eine Auszeichnung ist.
Wie bewerten Sie den erneuten Vorstoß Ihres Teams unter die besten acht Teams in Europa?
Wir haben das ja nicht zum ersten Mal erreicht – und doch ist und bleibt es für mich etwas Magisches. Wenn man weiß, dass die Topteams aus der Türkei, aus Italien oder Polen teils einen fünfmal so hohen Etat haben wie wir, dann ist das eine besondere Leistung.
Die Champions League ist nicht lukrativ, aber wichtig
Die wie möglich ist?
Indem wir in den vergangenen Jahren gut gearbeitet haben und unseren Kader immer wieder klug zusammengestellt haben. Wichtig war zudem, dass wir wichtige Spielerinnen wie Krystal Rivers, Roosa Koskelo oder Maria Segura lange in Stuttgart halten konnten.
Welche Rolle spielt dabei die Aussicht auf eine erfolgreiche Teilnahme an der Champions League?
Für viele Spielerinnen ist das ein wichtiges Argument – vor allem, da wir ja nicht mit hohen Gehaltszahlungen locken können. Gerade für aufstrebende Spielerinnen sind wir auch deshalb zu einer guten Adresse geworden, hier können sie sich für den nächsten großen Schritt in eine der schon angesprochenen Topligen empfehlen. So bringt uns die Champions League zwar keinen direkten finanziellen Gewinn, hat jedoch trotzdem eine große Bedeutung für unseren Verein.
In Deutschland stehen hinter der Wirtschaftskraft vieler Volleyball-Bundesligisten immer wieder große Fragezeichen. Warum kann anderswo so viel mehr in diesen Sport investiert werden?
In manchen Fällen frage ich mich das, ehrlich gesagt, auch. Es gibt einige finanziell aufstrebende Ligen, da ist es schwer erklärbar. Griechenland gehört dazu, auch Ungarn oder die Ukraine. In Ländern wie Italien oder Polen dagegen hat der Volleyballsport einfach einen viel größeren Stellenwert als in Deutschland, da investieren Unternehmen viel und gerne in die Clubs. In der Türkei spielen auch staatliche Gelder eine große Rolle.
Kann die deutsche Bundesliga die Lücke in Zukunft ein wenig schließen?
Es wird leider eher noch herausfordernder.
Warum?
In den USA startet noch in diesem Jahr eine neu geschaffene Profiliga, in der viel Geld stecken wird. Die wird dafür sorgen, dass viele Talente von den Colleges erst gar nicht nach Europa kommen. Und dass viele, die bereits in Europa spielen, wieder in die USA zurückkehren – wahrscheinlich bis zu 70 Prozent von ihnen. Das ist auf dem Transfermarkt jetzt schon zu spüren und wird für zahlreiche Ligen in Europa Auswirkungen haben. Dadurch geraten unsere anderen guten Spielerinnen noch mehr in den Fokus der europäischen Topteams.
Fragezeichen vor dem Rückspiel
Gilt es umso mehr, die kommenden beiden Viertelfinalspiele zu genießen?
Auf jeden Fall, solch ein Duell ist für uns die Kirsche auf der Torte. Und es gibt tatsächlich keine Garantie, dass wir es weiterhin schaffen werden, ins Viertelfinale der Königsklasse einzuziehen.
Und trotzdem kann es sein, dass sie im Rückspiel in Istanbul gar nicht mit der besten Mannschaft antreten werden – weil wenige Tage danach das Pokalfinale in Mannheim ansteht.
Grundsätzlich sind es unsere Spielerinnen ja gewohnt, alle drei, vier Tage ein Spiel zu bestreiten. Weshalb ich mir grundsätzlich keine Sorgen mache. Aber klar ist auch: Das Pokalfinale ist das noch wichtigere Match. Und sollten wir bereits im Hinspiel eher chancenlos sein, müssen wir das Rückspiel mit Blick auf Mannheim personell klug planen, weil die Reisestrapazen ja auch noch hinzukommen.
Wird Ihr Team denn chancenlos sein?
Der Gegner scheint übermächtig, aber ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Möglichkeiten bekommen werden. Zumal auch bei einem Team wie Fenerbahce die Spielerinnen mal nicht ihren besten Tag haben.
Worauf wird es ankommen?
Wir müssen es schaffen, unser schnelles Spiel zu zeigen und die Halle hinter uns zu bringen. Über den Aufschlag müssen wir viel Druck entwickeln, damit eine Spielerin wie Melissa Vargas sich nicht voll entfalten kann. Kommt der Angriff von Fenerbahce erst einmal ins Rollen, wird es schwer für uns.