Eine tolle Stimmung – aber auch Pyrotechnik, Polizei und kaputte Sitze. Das Spiel von Allianz MTV Stuttgart gegen die Volleyballerinnen von Fenerbahce Istanbul war in vielerlei Hinsicht ein besonderes.
Die Scharrena im Innern der MHP-Arena hat schon viele stimmungsvolle Abende erlebt – aber noch keinen wie jenen am Dienstag. Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart spielten ihr Hinspiel im Viertelfinale der Champions League. Zu Gast waren die Stars von Fenerbahce Istanbul – sowie deren Fans. Die einerseits für eine außergewöhnliche Atmosphäre sorgten, andererseits aber auch für negative Begleitumstände.
Mehrere hundert Anhänger des türkischen Clubs, der vor allem für seine Fußballer bekannt ist, hatten sich Karten für das Spiel in der Scharrena gekauft. Fast 200 davon im Rahmen des üblichen Auswärtskontingents über den Gastverein. Darunter auch viele Mitglieder der Gruppe GFB Europe, einem europäischen Zusammenschluss von Fener-Fans. Zum Großteil in Schwarz gekleidet und angeheizt von zwei Einpeitschern sangen, hüpften, trommelten und gestikulierten sie emotional über die komplette Spielzeit von rund zwei Stunden. So weit, so gut, so begeisternd – und so außergewöhnlich für Volleyball in Deutschland.
Doch zu Spielbeginn wurde mitten im Fanblock auch ein Rauchtopf gezündet. Um einen Feueralarm – und damit eine Räumung der Halle – zu verhindern, entschieden sich die Verantwortlichen vor Ort in Abstimmung mit der Branddirektion einen Teil der Rauchmelder vorübergehend zu deaktivieren. Als den Fans klargemacht werden sollte, dass das weitere Abbrennen von Pyrotechnik unterlassen werden muss, kam es auch zu einem kurzen und am Ende eher harmlosen Handgemenge.
Bei der Polizei Stuttgart spricht man am Tag danach von einer „aggressiven Grundstimmung“, die die Beamten vor Ort wahrgenommen hätten. Daraufhin wurde die Zahl der Einsatzkräfte in der Scharrena spontan auf rund 60 erhöht, ohne dass die Beamten im Innenraum groß in Erscheinung getreten waren. Im weiteren Verlauf des Abends blieb alles friedlich, auch außerhalb der Halle bei der Abreise der Zuschauer. Was zurückblieb, waren allerdings 38 beschädigte Sitze.
Der Sieg im Hinspiel bringt eine Prämie von 12 000 Euro
Da die Fenerbahce-Fans die ganze Partie stehend und hüpfend verfolgt hatten, waren bei den Stühlen teils die Sitzflächen heruntergetreten worden, die Pyrotechnik hinterließ zudem Spuren. Das Stuttgarter Sportamt als Betreiber der Scharrena versuchte am Mittwoch, sich einen Überblick über den Schaden zu machen. Wer am Ende dafür aufkommen muss, ist noch unklar.
Sicher ist: Weil genügend Ersatzsitze zur Verfügung stehen, kann die Tribüne am Sonntag wieder ohne Einschränkung genutzt werden. Dann spielt Allianz MTV in der Bundesliga-Zwischenrunde gegen den Dresdner SC (17 Uhr).
Die Verantwortlichen des Stuttgarter Volleyballclubs waren sichtlich erleichtert, den stimmungsvollen wie herausfordernden Abend am Ende gut über die Bühne gebracht zu haben. Der 3:2-Erfolg gegen das türkische Topteam hob dabei nicht nur die Laune, sondern spülte auch etwas mehr Geld in die Vereinskasse als geplant. Allein die Hinspiel-Teilnahme hätte 6000 Euro als Prämie des europäischen Verbandes CEV eingebracht, der Sieg war 12 000 Euro wert.