Ein großer Kampf wird nicht belohnt – weshalb die Entscheidung um den Meistertitel zwischen Allianz MTV Stuttgart und dem Dresdner SC am Samstag in Spiel fünf fällt. Den MTV plagen derweil Sorgen zum ihren Star.
Stuttgart - Sie haben gekämpft, alles aus sich herausgeholt, nie aufgegeben. Und trotzdem flossen am Ende Tränen der Enttäuschung. Die Stuttgarter Volleyballerinnen verloren das vierte Spiel der Finalserie um die Meisterschaft am Mittwochabend gegen den Dresdner SC mit 2:3 (22:25, 17:25, 25:22, 25:17, 13:15), einen Vorwurf müssen sie sich deshalb allerdings nicht machen. Ganz im Gegenteil. Denn ihre Beste hat gefehlt.
Zwei Spielerinnen dürfen bei Allianz MTV Stuttgart nicht ausfallen. Roosa Koskelo, weil sie die einzige Libera im Kader ist. Und die unersetzbare Starangreiferin Krystal Rivers. Genau das aber ist passiert. Die US-Amerikanerin fing sich zu Beginn der Woche einen Infekt ein, liegt mit hohem Fieber in einem Stuttgarter Krankenhaus. „Es ist kein Corona, das ist sicher“, sagte Sportdirektorin Kim Renkema, „mehr wissen auch wir nicht.“
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So viel aber war klar: Ein Sieg der Stuttgarterinnen, mit dem sie die Finalserie 3:1 für sich entschieden und ihren Meistertitel verteidigt hätten, wäre ein kleines Wunder gewesen. Zu wichtig ist Kapitänin Krystal Rivers für diese Mannschaft – als Punktesammlerin, als Antreiberin, als Führungsfigur. Und trotzdem hätte es auch ohne sie fast gereicht. „Die Mädels haben alles gezeigt, was in ihnen steckt, mehr ging einfach nicht“, meinte Kim Renkema, „ich bin unglaublich stolz, doch zugleich tut es mir extrem leid für das Team, das so überragend gekämpft hat.“ Und ein fast schon verlorenes Spiel beinahe noch gedreht hätte.
Dresden verliert plötzlich den Faden
22:21 lagen die Stuttgarterinnen im ersten Satz vorne, dann machte der Dresdner SC vier Punkte in Serie. Im zweiten Satz ging nach der 9:7-Führung nichts mehr, wie sehr Trainer Tore Aleksandersen sein Team auch durcheinanderwürfelte. Danach allerdings hatte er seine Formation gefunden – mit Außenangreiferin Michaela Mlejnkova auf der Diagonalposition, die sich in ungewohnter Rolle bestens zurechtfand. Dank ihrer Einstellung und Emotionen holten sich die Gastgeberinnen nach einem 8:13-Rückstand noch völlig überraschend den dritten und schließlich auch den vierten Satz, an der Seitenlinie verstand Alexander Waibl die Volleyball-Welt nicht mehr. „Wir haben mittendrin völlig den Faden verloren, darüber habe ich mich sehr geärgert und dies der Mannschaft auch gesagt. Das war alles andere als gut“, erklärte der DSC-Trainer, „ohne überheblich sein zu wollen: dass wir in den Tie-Break mussten, war nicht nötig.“
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Im entscheidenden fünften Satz leisteten sich die Stuttgarterinnen früh drei Aufschlagfehler, lagen mit 10:14 zurück, wehrten drei Matchbälle ab, verpassten bei einer Angriffsaktion von Michaela Mlejnkova den möglichen Ausgleich und unterlagen 13:15. „Das war total unglücklich und natürlich extrem enttäuschend“, meinte Kim Renkema, „auch wenn wir in dieser Coronasaison gelernt haben, dass man manche Dinge einfach akzeptieren muss, weil man sie nicht ändern kann.“
Wird Rivers bis Samstag fit?
Die Entscheidung über den Titel fällt nun definitiv an diesem Samstag (14 Uhr/Sport 1) in Dresden, vermutlich wieder ohne Krystal Rivers. Und trotzdem geht Alexander Waibl davon aus, dass es erneut ein enges Spiel geben wird. „Kompliment an die Stuttgarterinnen. Sie haben grandios gekämpft, sind all-in gegangen, das haben sie super gemacht“, sagte er, während in der Scharrena zum letzten Mal in dieser Saison die Aufräumarbeiten begannen, „ich wünsche mir, dass Krystal Rivers am Samstag wieder dabei ist. Wir wollen gegen den stärksten Gegner antreten.“
Ob das möglich ist? Selbst wenn die Kapitänin wieder an Bord sein sollte, wäre sie enorm geschwächt. Zudem muss der Titelverteidiger auch noch wegstecken, zwei Spiele in Folge knapp im Tie-Break verloren zu haben – was nicht nur körperlich an die Substanz ging. „Die Mädels“, sagte Kim Renkema, „haben ihr Herz und ihre Seele gegeben.“ Und das Volleyball-Wunder trotzdem knapp verpasst. Viel bitterer geht es nicht.