Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Im Fokus stehen die Sitzungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB).
Nach vier Riesen-Zinsschritten in Folge tritt die US-Notenbank am Mittwoch zu ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Ihr Präsident Jerome Powell hat kürzlich kleinere Zinsschritte in Aussicht gestellt. Erwartet wird deshalb, dass die Notenbank am Mittwoch ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte anhebt. Das ist nicht wenig, aber zuletzt waren es eben 0,75 Prozentpunkte pro Sitzung.
Am Donnerstag ist dann die Europäische Zentralbank (EZB) an der Reihe. Ausweislich einer EZB-eigenen Umfrage sind die Inflationserwartungen der Verbraucher für 2023 weiter gestiegen. Gleichzeitig belastet aber auch der Zinsanstieg die Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund muss die EZB entscheiden, ob sie noch einen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte wagt oder ebenfalls kürzertritt.
Die EZB sitzt noch auf einem Berg an Staatsanleihen
Bundesbankchef Joachim Nagel erklärte kürzlich vor Journalisten, wichtiger als das Ausmaß der nächsten Zinsanhebung sei für ihn ein anderer Punkt: Nämlich dass die EZB den Abbau der billionenschweren Bestände an Staatsanleihen in ihren Büchern einleitet. Sie wurden ab 2015 erworben, um die Konjunktur zu stützen. Im Kampf gegen die Inflation muss die EZB diese Billionen-Ausgaben irgendwann wieder neutralisieren.
Dazu muss man wissen: Anleihen sind Schuldtitel mit festgelegter Laufzeit. Nach deren Ende müssen die Staaten ihre Schuld tilgen – das Geld fließt dann an die EZB. Bislang investiert die Notenbank diese Rückflüsse aber wieder in Staatsanleihen. Erst wenn sie damit aufhört, wird sie dem Markt in größerem Umfang Geld entziehen. Wie das vonstatten gehen soll, darüber wird am Donnerstag diskutiert werden.