Die beiden Facharbeiter bereiten das Durchspülen des Abwasserkanals vor, um damit den Weg für die anschließende Kamerabefahrung zu ebnen. Foto: Geisel

In regelmäßigen Abständen müssen die Abwasserkanäle Wildbergs kontrolliert werden – das Land schreibt eine „Sichtprüfung“ vor. Reicht theoretisch der Blick mit dem Spiegel in den Abwasserkanal, erfolgt diese Prüfung heute per Kamerafahrt im Kanal.

Sie verlaufen unter den Straßen, unsichtbar, unhörbar, (meistens) unriechbar und doch von entscheidender Bedeutung: die Abwasserkanäle im Stadtgebiet. Die meisten davon sind Mischwasserkanäle, im Bereich der Neubaugebiete sind auch getrennte Regen- und Schmutzwasserkanäle zu finden.

 

An diesen Teil einer Gebietserschließung verschwenden sicher wenige Menschen auch nur einen Gedanken. Zumindest, solange alles funktioniert. Treten Schäden auf, ist der Schlamassel groß.

Entsprechend sorgsam werden die Abwasserkanäle in regelmäßigen Abständen geprüft – nach der Eigenkontrollverordnung des Landes Baden-Württemberg. Diese schreibt eine sogenannte „Sichtprüfung“ vor. Doch wie schaut man in einen Abwasserkanal unter der Straße hinein? Theoretisch erlaubt wäre es, sich mit einem Spiegel einen Überblick zu verschaffen. Doch heutzutage geht so etwas viel gründlicher und technisch moderner.

Vorbereitung für neues Zentrum

Zwei Facharbeiter, jeder mit seinem eigenen, gut ausgestatteten Spezialfahrzeug, sind dafür nötig. So mancher hat die in Orange gekleideten Männer mit ihrem auffälligen LKW und ihrem Transporter vielleicht schon auf den Straßen arbeiten sehen.

In zwei Bereichen sind sie im Rahmen dieser Untersuchung unterwegs: in der Gartenstraße, wo die Kanäle in Vorbereitung auf die Maßnahmen im „Zentrum Unterstadt“ unter die Lupe genommen werden, und im Schönbronner Stadtgebiet, wo eine Befahrung gemäß Eigenkontrollverordnung des Landes Baden-Württemberg fällig ist.

Wie läuft so eine Kanalbefahrung ab? Von der Straße aus ist außer den Fahrzeugen logischer Weise nicht viel zu sehen. Doch im Kanal dafür umso mehr. Dafür sorgt zunächst der Lastwagen mit Wassertank und Schläuchen. Mit diesem wird der Kanal gespült.

Für jeden Dreck gerüstet

Die von der Stadt beauftragte Firma verfügt sogar über ein Modell, welches das eingesetzte Wasser wieder einsaugt. Der Dreck bleibt im Tank liegen und das Wasser kann wiederverwendet werden, um den Kanal zu spülen.

Mit verschiedenen Düsen ist die Fachfirma hier für so ziemlich jeden Dreck und jedes Hindernis gerüstet. Eine wichtige Vorarbeit, denn ansonsten würde man mit einer Kamera, egal wie gut, vor lauter Dreck im Abwasserkanal kaum etwas sehen.

Das Gerät sieht aus wie ein kleines Offroad-Auto und trägt die schwenkbare Kamera durch die Abwasserkanäle. Foto: Geisel

Sobald die Spülung erfolgt ist, kommt die Kamera zum Einsatz. Diese sitzt auf einem kleinen Fahrzeug mit vier Rädern, das an eine Art Offroad-Modellauto erinnert – allerdings in technisch ausgeklügelter Bauweise und mit einer HD-fähigen Kamera top ausgestattet. Deren schwenkbarer Kopf erlaubt es dem Fahrer, wirklich um jedes Eck und in jeden Abzweig zu schauen. Dank der guten Bildqualität können Schäden frühzeitig erkannt und klassifiziert werden.

Nach Zustand eingeteilt

Das wird auch das Ergebnis der Befahrung sein, in Abstimmung mit dem beauftragten Ingenieurbüro Gauss: eine Karte, auf welcher sämtliche Abwasserkanäle entsprechend ihres Zustandes eingeteilt sind. Die Einstufung reicht von null bis fünf und gibt an, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Stufe null bedeutet schadenfrei, Stufe eins kein Handlungsbedarf. Bei Stufe zwei liegt ein leichter Schaden vor, bei Stufe drei ein mittlerer, bei vier ein schwerer und bei fünf ein sehr schwerer.

Dementsprechend besteht kurz-, mittel- oder langfristig Handlungsbedarf. Welche Maßnahmen tatsächlich anfallen, wird sich zeigen, sobald diese Ergebnisse vorliegen.