Die Stadt möchte im Zentralbereich einen riesigen Solarpark bauen. Auf einer Fläche von rund 70 Fußballfeldern soll im Bereich der Bertholdshöfe Strom für tausende Haushalte entstehen. Der Widerstand ließ allerdings nicht lange auf sich warten.
Auch wenn Oberbürgermeister Jürgen Roth von einer „normalen“ Informationsvorlage sprach, ist klar: Die Pläne der Stadtverwaltung und der Stadtwerke VS sorgen für Aufruhr. Grund ist eine riesige Freiland-Photovoltaik-Anlage, die auf Feldern zwischen Villingen und Schwenningen entstehen soll.
Die Pläne der Verwaltung Bereits im Jahr 2020 hatte eine Potenzialanalyse ergeben: Die Grundstücke im Bereich der Bertholdshöfe gehören zu den so genannten Vorrangflächen, wenn es um den Bau von Solarparks geht. Wie Kirsten Hellstern, Amtsleiterin im Stadtplanungsamt, erklärte, hänge das mit mehreren Dingen zusammen: der Nähe zu potenziellen Abnehmern, einer guten Anbindung und der Tatsache, dass es sich – aus Sicht der Landwirtschaft – lediglich um „mittlere“ Böden handeln würde, so genannte landbauwürdige Flächen der Vorrangstufe II. Landwirtschaftliche Betriebe sollen demnach nicht in ihrer Existenz gefährdet werden.
Rund 80 Hektar werden derzeit seitens der Stadt und der Stadtwerke VS, die die Experten der Thüga Erneuerbare Energien (THEE) mit ins Boot geholt haben, für eine solche Solaranlage geprüft. Am Ende soll der Solarpark auf rund 50 Hektar entstehen, das entspricht 70 Fußballfelder. Eigenen Angaben zufolge könnten damit rund 15 000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Möglich sei aber auch, dass die erzeugte Solarenergie in Form von Wasserstoff gespeichert und genutzt wird.
SVS-Chef Gregor Gülpen machte deutlich: Für rund 30 Hektar liegen bereits Absichtserklärungen der Eigentümer vor. Wie die erzeugte Energie letztlich verwendet wird, müsse geklärt werden, „wenn der Bär erlegt ist“. Er zielt damit auch auf die Kritik ab, die bereits laut wurde. Gülpen machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass von den Verantwortlichen ein höheres Tempo bei der Umsetzung der Klimaneutralität gefordert wurde, „jetzt sind wir in den Puschen“, so der SVS-Geschäftsführer.
Kritik aus der Bürgerschaft Die Fragestunde der Bürgerschaft nutzte eine Bürgerin, um ihren Unmut hinsichtlich des Projekts kundzutun. Sie bat, Alternativen für den großen Solarpark zu suchen, beispielsweise auf Überdachung von Parkplätzen oder Fahrradwegen. Denn die dortigen Äcker würden genutzt, um Kartoffeln und Gemüse anzubauen, gleichzeitig gebe es dort Fledermäuse, Wildvögel, Rehe, Feldhasen und viele Tiere mehr, denen man den Lebensraum rauben würde. Oberbürgermeister Jürgen Roth entgegnete, dass das Bestücken von Dächern und ähnlichem lediglich als Zusatz gesehen werden könne, aber keinesfalls als Alternative.
Meinungen der Stadträte Insbesondere Dietmar Wildi (CDU), der einen Teil der betroffenen Flächen von der Stadt gepachtet hat, äußerte am Vorhaben Kritik. Grundsätzlich habe er eine positive Einstellung zu Photovoltaik, um das Klimaziel zu erreichen. Hinsichtlich des geplanten Solarpark habe er jedoch „vielseitige Bedenken“. So wäre das einzige Naherholungsgebiet im Zentralbereich betroffen, weil im nördlichen Gebiet der Lückenschluss der beiden großen Stadtteile angestrebt wird. Darüber hinaus bereite ihm die geplante Speicherung von Wasserstoff Kopfzerbrechen. Wildi: „Was passiert, wenn wir keinen Abnehmer finden oder es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann?“ Er befürchte, dass die Folgekosten „sozialisiert“ werden.
Gülpen konnte diesen Befürchtungen jedoch den Wind aus den Segeln nehmen: „Wir können uns gar nicht verkalkulieren. Wir bauen und bekommen Erlöse, wenn wir den Strom einspeisen.“ Aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes habe man über 20 Jahre „sichere Einnahmen“. Ob letztlich Wasserstoff eine Rolle spiele, könne die Kommune je nach Nachfrage entscheiden.
Doch wie sieht es grundsätzlich mit dem Netzanschluss einer solchen Anlage aus, wollte Frank Bonath (FDP) wissen. Gülpen: Aufgrund der möglichen Spitzenleistung von 50 Megawatt müssten diese in das überregionale Verteilnetz gespeist werden, möglicherweise werde ein Umspannwerk notwendig, welches der Betreiber bauen müsse. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, die Leistung teilweise in das eigene Netz zu speisen.
Für Oskar Hahn (Grüne) sei klar, dass man nun konkret an Vorhaben rangehen müsse. „Irgendwo muss ja die Fläche sein und man wird immer Argumente dagegen finden.“ Edgar Schurr sah es als positiv an, dass die Stadt eine Möglichkeit schafft, um möglicherweise in Zukunft Wasserstoff nutzen zu können.
Weiteres Vorgehen In den nächsten Wochen und Monaten werden, wie die Stadt erklärt, konkrete Verhandlungen mit den Eigentümern geführt. Anschließend werde das notwendige Planverfahren angestoßen. Neben der Aufstellung eines Bebauungsplan wird auch die Änderung eines Flächennutzungsplans mit einer Umweltprüfung notwendig. 2025 soll das Projekt nach Vorstellung der Verantwortlichen abgesegnet werden. „Bislang ist das Projekt noch nicht geschlossen“, macht Roth deutlich.