Im Kampf um die Sprintprämie schob sich Henri Hansert (rechts) am Ende knapp vor Adrian Fahrer. Gesamtsieger wurde Jens Mergenthaler (Mitte). Foto: © Stefan Hauser/Stefan Hauser

Der 27. Dornstetter Adventslauf war ein Rennen der Superlative. Nie zuvor waren die Bedingungen so perfekt, das Wetter so gut, das Starterfeld so stark. Und ein Fußballprofi überrascht.

Zehn Grad, strahlender Sonnenschein, Windstille, und die Besetzung – sowohl national als auch international – hätte jedenfalls kaum besser sein können. Und es ging turbulent los. Ein mit fast 160 Läuferinnen und Läufern recht großes Feld machte sich Punkt 15.15 Uhr auf die sechs Runden durchs Dornstetter Städtle.

 

Riesige Spitzengruppe

Eine riesige Spitzengruppe mit allen Favoriten setzte sich direkt ab. Schnell allerdings bildeten sich zwei Gruppen. Ganz vorne Titelverteidiger Jens Mergenthaler, dazu mit Lukas Ehrle der aktuelle deutsche Crossmeister der U20 und Vierter der Berglauf-EM, der schnelle Kenianer Philemon Kemboi sowie Mergenthalers Teamkollege von der LG farbtex Nordschwarzwald und deutsche Crossmeister mit der Mannschaft, Henri Hansert, sowie der Hallwanger Fußballprofi Adrian Fahrner.

Hansert und Fahrner spekulierten auf die Sprintprämie, die vom gastgebenden TV Dornstetten für die schnellste erste Runde ausgelobt war.

Fußball-Profi holt (fast) den Sprintpreis

Auf der letzten ansteigenden Gerade Richtung Start und Ziel sah es lange so aus, als könnte der Fußballer Fahrner dem Läufer Hansert die Sprintprämie abluchsen, aber auf den letzten Metern schob sich Hansert noch vorbei und holte mit einer halben Sekunde Vorsprung den Sprintpreis.

Mergenthaler zieht das Tempo an – und durch

Danach übernahmen die Sieganwärter das Zepter, im Speziellen Jens Mergenthaler. Der Winnender spulte die knapp 1,1 Kilometer langen Runden in einem nie gesehenen Tempo knapp drei Minuten pro Runde ab und schüttelte mit seinem Tempodiktat auch schnell die Verfolger ab.

Der Rekord fällt – und wie!

Bereits eine Runde vor Schluss war klar: Der bisherige Rekord, der bei 18:32 Minuten stand, würde fallen. Die Frage war nur: Wie weit wird der 26-Jährige darunterbleiben? Mergenthaler konnte sogar noch zulegen und sprintete nach 18:12 Minuten über die Ziellinie, satte 20 Sekunden unter der bisherigen Bestzeit. Dahinter folgte Lukas Ehrle, der als Gesamtzweiter mit 18:37 Minuten die schnellste jemals in Dornstetten gelaufene Zeit eines Jugendläufers ablieferte.

Der schnellste Adventslauf aller Zeiten

Als Dritter folgte der Kenianer Philemon Kemboi, der mit 19:04 Minuten die bisher beste Zeit überhaupt für Platz drei erzielte. Dahinter folgte ein schnelles Quartett aus Tomerdingen mit Matteo Geninazza (4./19.31), Aimen Haboubi (5./ 19.37), Fabian Konrad (6./ 19.42) und Robert Fülle (7./ 19.46). Mit Frederick Schäfer (8./19.47) und Hannes Schnitzer (9./19.54) folgten zwei Läufer des LAC Freiburg und machten damit die 2023-Edition zum bisher schnellsten Adventslauf mit gleich neun Läufern unter 20 Minuten. Nils Holocher von der gastgebenden LG farbtex Nordschwarzwald rundete die Top10 ab, verpasste aber trotz neuen Hausrekords in 20:06 Minuten als Erster die 20-Minuten-Marke knapp.

Bei den Frauen war das Rennen noch spannender. Topfavoritin Elena Burkard hatte sich unter der Woche Corona eingefangen, und lange war unklar, ob sie überhaupt um ihren möglichen elften Sieg in Dornstetten mitlaufen könnte. Sie konnte. Aber die bärenstarke Konkurrenz schenkte ihr nichts.

Julia Ehrle lässt sich nicht abschütteln

Vor allem Teamkollegin Julia Ehrle, die noch in der U18 startet, ließ sich nicht abschütteln. Auch die Äthiopierin Abdessalem Alemu Sleshi und die überaus erfolgreiche Kenianerin früherer Tage, Magdaline Chemjor, hielten lange mit den beiden Nordschwarzwälderinnen mit.

Elena Burkard zieht noch einmal an

Die aber liefen ihr eigenes Rennen an der Spitze. Olympiateilnehmerin Elena Burkard konnte am Ende in 20:39 Minuten ihre 15 Jahre jüngere Widersacherin Julia Ehrle (20:49) gerade noch in die Schranken weisen und fuhr tatsächlich Sieg Nummer elf ein.

Kenianerin bricht ein

Ehrle sicherte sich wie ihr Bruder Lukas Platz zwei und sorgte auch mit der schnellsten Zeit einer Jugendlichen in Dornstetten für einen gelungenen Doppelschlag der Ehrles. Platz drei erlief sich Abdessalem Alemu Sleshi aus Äthiopien, die mit 20:57 Minuten ebenfalls die beste jemals gelaufene Zeit einer Drittplatzierten in Dornstetten erreichte. Die frühere Cross-WM-Fünfte und Berliner Halbmarathon-Siegerin Magdaline Chemjor aus Kenia brach förmlich ein und wurde bis auf Platz 14 durchgereicht, was die Klasse des Frauenfeldes noch deutlicher unterstreicht.

Eine Flut an Rekorden

Es war der Adventslauf der Superlative mit einer Flut an Rekorden und Bestzeiten. Vor allem die vielen Topathleten aus nah und fern zeigen mit ihrer Anwesenheit den Stellenwert, den der Traditionslauf durch Dornstetter Städtle mittlerweile in der deutschen Laufszene hat.