Ob Steine werfen oder Kabel auf die Schienen legen – immer wieder richtet sich die Zerstörungswut meist Unbekannter in der Ortenau gegen Gleise und Züge. Dabei könnten solche Aktionen für die Verursacher selbst zum Verhängnis werden.
Bislang unbekannte Täter hatten sich erst in der Nacht auf Sonntag an der Rheintalbahnstrecke zwischen Offenburg und Appenweier zu schaffen gemacht. Sie legten Betonplatten einer Schachtabdeckung sowie das Kabel der sogenannten Linienzugbeeinflussung auf die Gleise.
Ein aus Basel kommender ICE überfuhr die Hindernisse auf Höhe Offenburg und musste eine Schnellbremsung einleiten. Eine mehrstündige Streckensperrung, Zugverspätungen und ein 2000 Euro teurer Lackschaden waren die Folge.
Es hätte aber auch deutlich dramatischer ausgehen können, weiß Dieter Hutt, Sprecher der Offenburger Bundespolizei. Denn der aus der Schweiz kommende Schnellzug war mit 200 Stundenkilometern auf die Hindernisse gestoßen.
Täter gefährden nicht nur Passagiere, sondern auch sich selbst
Die Täter hätten nicht nur Schäden am Zug, verletzte Passagiere durch die Schnellbremsung sondern schlussendlich auch die eigene Unversehrtheit riskiert. „Umherfliegende Trümmerteile sind brandgefährlich“, konstatierte der Polizeibeamte im Gespräch mit unserer Redaktion.
Auch kleinere Steine würden zu regelrechten Geschossen. Sollten sich die Täter zu dem Zeitpunkt noch in der Nähe aufgehalten haben, hätte Lebensgefahr bestanden. Die bestehe sowieso jedes Mal, wenn man sich ins Gleisbett begebe. „Bis man Schnellzüge wahrnimmt, kann man oft nicht mehr reagieren“, mahnt Hutt.
Der Schaden sei zwar beim aktuellen Fall in Offenburg relativ gering ausgefallen. „Falls jedoch Hydraulik-Kabel kaputt gehen, sind wir sofort im Bereich Zehntausender Euro“, erläuterte Hutt. Auch das komme immer wieder vor.
Immer wieder kommt es zu ähnlichen Vorfällen
Tatsächlich vermeldet die Bundespolizei alle paar Wochen bis Monate ähnliche Fälle. So hatten Anfang des Jahres Unbekannte beim Ringsheimer Bahnhof einen Einkaufswagen auf die Gleise geworfen. Ein Güterzug hatte den erfasst und wurde leicht beschädigt. Beim Blick in die Mitteilungen der Bundespolizei der vergangenen Monate wird klar: Besonders Betonplatten und Kabel auf die Schienen zu legen, kommt immer wieder vor. So etwa auch nördlich der Kreisgrenzen im vergangenen Oktober in Sinzheim.
Dabei kommt die Polizei den Tätern meist nicht auf die Spur: „Es ist in der Regel sehr schwierig, die Täter ausfindig zu machen“, berichtet Hutt. Es bestehe nur die Chance durch Zufall jemanden anzutreffen – und die ginge gegen Null. Die Ermittlungen verliefen meist im Sande. An deren Ende stünde oft eine Anzeige gegen Unbekannt.
Täter sind mutmaßlich meist Jugendliche
Der tatsächliche Schaden an der Infrastruktur der Bahn sei dabei relativ gering. Werden etwa die Kabel der sogenannten Linienzugbeeinflussung durchtrennt, gebe es lediglich eine Signalstörung. Die Züge auf der Strecke hielten dann an. „Bahnbetrieblich kann eigentlich nichts passieren“, erklärt Hutt. „Wir gehen daher davon aus, dass solche Vorfälle keinen Sabotage-Hintergrund haben.“
Was aber mag die Täter antreiben? „Es tut einen Riesen-Schlag“ wenn ein Zug eine Betonplatte zertrümmere, konstatiert Hutt in diesem Zusammenhang. Er könne sich denken, dass die Täter sehen wollten, was sie bewirken. Er vermutet dabei, dass es sich dabei meist um Jugendliche handelt. Falls seine Kollegen doch einmal jemanden auf frischer Tat ertappen – meist Kinder die Kiesel auf die Schienen legen – griffen die Beamten sofort ein. „Wir verstehen hier absolut keinen Spaß: Dann gibt es ein Gespräch mit dem Kind und seinen Eltern sowie eine eindeutige Ansage“, so Hutt.
Suche nach Steinewerfern
Unbekannte hatten Anfang Februar innerhalb weniger Tage – konkret am 6. und 8. Februar – zwei Schnellzüge in der südlichen Ortenau mutmaßlich mit Steinen beworfen und so beschädigt. Einen Tatzusammenhang konnte die Polizei nicht ausschließen. Seither laufen die Ermittlungen – bislang jedoch ohne Erfolg. Einen weiteren Vorfall habe es seither nicht mehr gegeben, berichtet Polizeisprecher Dieter Hutt unserer Redaktion. Die Bundespolizei hatte den Streckenabschnitt zwischenzeitlich gar mit einem Hubschrauber überwacht. „Die Strecke wird nach wie vor bestreift und auch der Hubschrauber ist nach wie vor gelegentlich im Einsatz“, berichtet Hutt. „Wir müssen mal schauen. Wir können die Maßnahmen auch nicht ewig fortführen.“ Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 0781/9 19 00 oder über das Kontaktformular auf der Webseite bundespolizei.de entgegen.