Die Postfiliale in der Hauptstraße 58 ist nur noch bis Ende Februar geöffnet. Foto: Bohnert-Seidel

Die Postfiliale in der Hauptstraße 58 schließt zum 28. Februar. Die Pächterin erklärt, dass Einnahmen nicht mehr im Verhältnis zu den Ausgaben stehen. Eine Nachfolge steht noch nicht fest.

Gemeinderat Martin Buttenmüller hatte in der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Montagabend bei Bürgermeister Erik Weide nachgefragt, wie die Zukunft der Postfiliale aussehen werde. Weide werde sich mit den Verantwortlichen der Deutschen Post in Verbindung setzen, um eine Postfiliale für Friesenheim zu behalten, erklärte er. Genaues lasse sich aber noch nicht sagen. Es fänden Gespräche mit der Deutschen Post statt, versprach der Friesenheimer Rathauschef.

 

Am 28. Februar ist für Sabrina Grafried, Pächterin der Postfiliale in Friesenheim, endgültig Schluss. Zu hoch seien die Kosten und zu gering die Einnahmen. „Es ist ganz einfach nicht mehr rentabel“, brachte die Kuhbacherin für sich die Schließung der Filiale in Friesenheim auf einen Punkt. Im Gespräch mit unserer Redaktion zählte sie auf: „Nebenkosten, Miete und der rückläufige Verkauf von Geschenkartikeln.“ Einen Angestellten in der Postfiliale zu bezahlen, mache einen gesicherten Verdienst nahezu unmöglich. Hinzu komme die Entwicklung von Poststationen, die den Kundenstamm in den Postfilialen schmälerten. Außerdem habe sich die gesamte Geschäftslage seit Corona nicht mehr erholt: „Alles ist seit der Corona-Pandemie rückläufig“, sagte Grafried gegenüber unserer Redaktion. Parallel zur Postfiliale betreibt Grafried in den Räumen auch einen Abteilung mit Geschenk- und Dekoartikeln.

Filiale in Kippenheim ebenfalls geschlossen

Im Bezug auf die Geschenkartikel stelle sie vermehrt fest: „Kunden bestellen im Internet oder kaufen vorzugsweise beispielsweise ihre Schreibwaren mittlerweile bei den Discountern.“ Dort seien Preise am Markt, die sie über den Händlereinkauf nicht weitergeben könne.

Ein weiterer Grund zur Schließung seien die steifenden Krankenbeiträge und Versicherungen. Ihre Buchhaltung mache sie selbst in den Abendstunden. Es lohne sich einfach nicht mehr. Geschlossen habe sie bereits ihre Filiale in Kippenheim. Friesenheim wird nun folgen. Lediglich die beiden Geschäfte in Kuhbach sowie in Lahr in der Vogesenstraße werde sie weiter behalten.

Zur Entwicklung der Post in Friesenheim

Seit mehr als 300 Jahren ist Friesenheim noch nie ohne eigene Post oder Postfiliale. Im Jahr 1715 erhält Friesenheim an der Landstraße eine erste Poststation. Dort, wo sich das frühere Gasthaus Adler befand, wurde auch die Poststation eingerichtet, die damals noch mit Kutschen angehalten hat. Von historischer Bedeutung ist das Gebäude „Alte Post“, wo sich heute das Jugendbüro befindet. Von 1969 bis 2001 war dort die Post untergebracht. Von 2002 bis 2015 befand sich die Postfiliale gleich um die Ecke, im Geschäft, wo sich heute das Fahrradgeschäft „Biker 24“ befindet. Seit 2015 befindet sich die Postfiliale in der Friesenheimer Hauptstraße 58. Für die ältere Bürgerschaft ist jedoch nicht das Gebäude in der Weinbergstraße in Friesenheim die „Alte Post“, sondern das Gebäude der Gemeinde in der Bahnhofstraße 22, in dem bis im Jahr 1969 die Post eingerichtet war.