Lorenzo Diplomatico bereitet zusammen mit Melissa Litscheleinen Käsekuchen für die Bewohner des Wolfacher Johannes-Brenz-Heims zu. Foto: Störr

Lorenzo Diplomatico absolviert trotz seines Down-Syndroms ein Freiwilliges Soziales Jahr im Wolfacher Johannes-Brenz-Heim. Jetzt wurde sein Freiwilligendienst um ein halbes Jahr verlängert. Unsere Redaktion hat Lorenzo bei der Arbeit besucht.

Er wohnt mit seiner Familie in Hausach und arbeitet seit einem Jahr im Johannes-Brenz-Heim: Nun wird der 18-jährige Lorenzo Diplomatico bis Ende Februar weiterhin jeden Morgen selbstständig mit dem Zug nach Wolfach fahren und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen. Dabei hört er Fasnachtslieder, singt gerne mit und ist im gesamten ein sehr fröhlicher Mensch.

 

Und Lorenzo liebt die Arbeit im Pflegeheim: Beim Besuch unserer Redaktion ist er gerade dabei, mit Melissa Litschel einen Käsekuchen für die Bewohner zu backen. Aber ohne Mandarinen – die schmecken ihm nicht sonderlich.

Zu den Aufgaben von Lorenzo gehören Arbeiten in der Küche wie beispielsweise Gemüse schälen oder Salat waschen. Er deckt die Tische im Speisesaal vor den Mahlzeiten ein, legt Wäsche zusammen und verteilt diese an die richtigen Stellen im Haus, schreddert liebend gerne alte Akten aus dem Büro und fegt auch mal ums Haus.

Der Höhepunkt ist das Mittagessen mit Kollegen

„Lorenzo hat im vergangenen Jahr einen großen Entwicklungssprung gemacht. Er ist sehr selbstständig geworden und sucht sich seine Arbeit mittlerweile auch selbst“, bescheinigt Hauswirtschaftsleiterin Petra Krista. Nach dem Abschluss an der Graf-Heinrich-Schule in Hausach hatte Lorenzo zunächst mit einem halben Tag im Pflegeheim begonnen. „Die inklusive Schulzeit war mit allen Höhen und Tiefen eine sehr schöne Erfahrung für Lorenzo“, erzählt Mutter Katja Wangler.

Mittlerweile arbeitet er von montags bis freitags zwischen 8 und 13 Uhr. Das abschließende, gemeinsame Mittagessen mit dem Küchenpersonal ist sein besonderes Highlight des Tages. Auf die Frage, mit was er sich in seiner Freizeit am liebsten beschäftigt, muss Lorenzo nicht lange nachdenken: „Chillen“, sagt er und lacht. Das habe er schon immer gerne getan.

In der Freizeit geht Lorenzo in die Disco und zum Reiten

Allerdings ruht er sich zuhause nicht nur aus, sondern schafft auch Ordnung oder geht mit dem Haslacher Club 82 zum Reiten und zum Tennis oder Basketball. Im Club ist er auch bei der Jugendgruppe dabei und hat sich, seit er 18 Jahre alt ist, den Disco-Gängern und Nachtschwärmern angeschlossen. Außerdem bereiste er über den Club – mit Schwester Chiara als Begleiterin – schon Ibiza.

Dass Lorenzo die im Rahmen eines FSJ üblichen Seminare am Bodensee und in Heilbronn selbstständig besuchte, ließ ihn persönlich wachsen. Und so wird es für ihn auch nach dem FSJ perspektivisch zuerst einmal mit verschiedenen Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weiter gehen. Denn im Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal wird ihm dazu die Möglichkeit geboten.

Drei Monate wird er zunächst in der Lebenshilfe-Werkstatt arbeiten, bevor er zwei Jahre lang Zeit bekommt, die Praktika außerhalb zu absolvieren. Gespräche dazu würden in Richtung Einzelhandel, Großküche und Reiterhof bereits laufen, wie Katja Wangler erklärt. Wohin Lorenzo die berufliche Reise am Ende hinführen wird, bleibt für alle abzuwarten.

Der Weg zum Dienst

In der Überlegung, wie es für Lorenzo nach der Schule weitergehen soll, hatte die Arbeitsagentur seiner Mutter einen Platz in der Lebenshilfe-Werkstatt oder in der Berufsvorbereitenden Einrichtung in Offenburg empfohlen. Da ein ÖPNV-Training zur Einrichtung nach Offenburg aber viel zu zeitaufwendig wäre – und die Lebenshilfe als sicherer Arbeitsplatz immer im Hintergrund steht – entschied sich Familie für das FSJ in der Diakonie.