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Wolfach Warnstreik der Metall- und Elektroindustrie

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Nichts gefallen lassen wollen sich die 330 Arbeitnehmer aus der Metall- und Elektroindustrie: Sie streiken am Donnerstagnachmittag auf dem Betriebsgelände von "Supfina" am Schmelzegrün in Wolfach. Foto: Steitz

Der Wolfacher Wettergott meint es gut mit den 330 streikenden Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie (M+E) am Donnerstagnachmittag: Schäfchenwölkchen, hellblauer Himmel und kein Tropfen Regen.

Inmitten dieser Idylle nahe des Kinzigufers am Schmelzegrün stehen die streikenden Arbeitnehmer auf dem Hof des Maschinenbauunternehmens Supfina. Sie verschaffen ihren Bedingungen der M+E-Tarifrunde 2018 lautstark mit allerlei Utensilien Gehör.

Die IG Metall (IGM), die sie damit unterstützen, fordert eine sechsprozentige Entgelterhöhung für zwölf Monate, individuellere Arbeitszeit (bis zu 28 Stunden für maximal zwei Jahre) sowie den Anspruch auf die Rückkehr in eine 35-Stunden-Woche, für Angehörigenpflegende oder Kinderbetreuende einen monatlichen Lohnzuschuss von 200 Euro (insofern um mindestens 3,5 Stunden pro Woche reduziert wurde). Zudem wünscht sich die IGM für Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit für mindestens zehn freie Tage in Schichtsystemen und anderen gesundheitlich belastenden Modellen absenken, einen Zuschuss von jährlich 750 Euro.

Markus Schwendemann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von "Leipold", steht auf der Ladefläche eines grünen Traktors vor der Menge. Er poltert gerade über den vorgelegten Vorschlag in der Tarifrunde. Die Arbeitgeber hätten lediglich eine Einmalzahlung von 200 Euro sowie eine Entgelterhöhung um zwei Prozent mit einer Gesamtlaufzeit von 15 Monaten aufgeworfen. "Das ist kein Angebot, sondern eine Provokation", skandiert Schwendemann.

Als ihn die Streikenden dafür frenetisch mit roten Trillerpfeifen, wehenden Fahnen und lärmenden Trichtern unterstützen, fährt laut hupend ein Lastwagen, der Holzstämme auf der gegenüberliegenden Schiltacher Straße transportiert, vorbei. "Das nennt man Solidarität", frohlockt Schendemann daraufhin ins Mikro.

Am Streik beteiligen sich an diesem Nachmittag: 75 Mitarbeiter von Supfina (Wolfach), 100 Arbeitnehmer von Grieshaber (Schiltach), 45 Beschäftigte von Thielmann Ucon (Hausach), 50 Personen von Hansgrohe SE (Schiltach) sowie 60 Mitarbeiter von Carl Leipold (Wolfach). Die Redner und Organisatoren sind glücklich überwältigt vom Andrang. Neben Schwendemann stehen noch Horst Kaluza, Betriebsratsvorsitzender von Supfina, Karl Kopp, freigestellter Betriebsrat und Schwerbehinderten Vertreter, Thomas Bredow, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Offenburg, Lea Marquardt, die zweite Bevollmächtigte der IGM Offenburg, sowie Jan Wieczorek, Gewerkschaftssekretär des Deutschen Gewerkschaftbunds (DGB) Freiburg.

"Die Politik lässt uns im Stich", findet Wieczorek, der mit der Aktion auch den Druck auf die sich bald konstituierende Regierung erhöhen möchte. "Wir brauchen mehr Geld", appelliert er und betont: "Ich wünsche euch ein starkes Durchhalten."

Kaluza, der in drei Monaten in Rente bei Supfina geht, freut sich "granatenmäßig", das noch mitleben zu dürfen, dass auf dem Unternehmensgelände so viele Menschen stehen und streiken. Die Forderungen, zum Beispiel nach einer Erhöhung von sechs Prozent, stuft er als "fair und richtig" ein. "Die Wirtschaft hat das Geld – Supfina sowieso –­ das weiß ich", bekräftigt er und plädiert für gerechtere Arbeitszeiten, "die zum Leben passen". Zum Beispiel habe er miterlebt, dass ein Kollege die Hofnachfolge beim familiären Schwarzwaldhof antreten wollte, der Chef ihn aber nicht auf eine 28- oder 21-Stunden-Woche verkürzen wollte. Es habe dann nur geheißen: "Bei uns geht das nicht. Wer so schaffen will, muss sich einen anderen Arbeitgeber suchen."

Kämpferisch gibt sich auch Marquardt auf der Traktorenbühne: Das Angebot von den Arbeitgebern in der zweiten Verhandlungsrunde bezeichnet sie als "unter aller Sau". 70 000 Menschen seien bereits bundesweit auf die Straße gegangen, allein in Baden-Württemberg wären es bis Mittwoch mehr als 32 000 Beschäftigte gewesen.

Die zweite IGM-Bevollmächtigte ruft: "Ihr kennt ja das Sprichwort: ›Wer nicht hören will, muss fühlen‹." Daher müsse mit einem weiteren Streik am 24. Januar "richtig" geantwortet werden, erläutert sie. Dieser solle bei Hengstler (Hausach) stattfinden, wo die Mitarbeiter weiter darum kämpften, in den Tarifvertrag zu kommen. Der allerletzte Teil der richtigen Antwort sei jedoch der ohrenbetäubende Lärm für die "Supfina-Oberen", so Marquardt. Diese lassen sich die gesamte Stunde lang weder an den Fenstern im Gebäude noch auf dem Hof blicken. Einige Beschäftigten stehen aber munter nach dem Streik beisammen –­ bei Wecken mit Leberkäse.  

 
 

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Melanie Steitz

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