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Wolfach Klimawandel: "Das ist kein abruptes Aussterben"

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Die Knospen sind noch geschlossen. Die Wärmeperiode hält glücklicherweise noch nicht lang genug an, als dass Nadelbäume bereits jetzt austreiben. Foto: Reinhard

Mittleres Kinzigtal/Wolfach - Bis zu 14 Grad zeigte das Thermometer gestern im Kinzigtal an, und das im Januar. Die Obstbauern befürchten eine Missernte wie im letzten Jahr. Aber auch auf die Tier- und Pflanzenwelt im Wald haben die für diese Jahreszeit viel zu warmen Temperaturen Auswirkungen.

Der eine oder andere Vogel singt schon, das Gras ist grün und einige Bäume wie die Hasel und Erle blühen bereits. Eine Tatsache, die Förster Benjamin Menn, Leiter des Reviers Mühlenbach-Hofstetten und tätig im Forstamt Wolfach, mit einem ungläubigen Kopfschütteln quittiert. "Eigentlich sollten sie damit jetzt erst anfangen, aber sie zeigen schon seit Ende Dezember Blüten", sagt Förster Menn. Sorgen muss der 38-Jährige sich angesichts dieser Entwicklung um diese beiden Baumarten nicht machen, im Gegenteil: Auch wenn bis jetzt nur wenige Insekten fliegen, profitieren Hasel und Erle vom derzeitigen Wetter. "Sie sind Windbestäuber und verlängern durch das frühe Austreiben sogar ihre Blütezeit", erklärt Menn.

Buche

Anders sieht das beispielsweise bei der Buche aus: "Ihre Samen brauchen eine längere Kälteperiode, um keimfähig zu werden", so Menn. Erfahren die Keimlinge eine solche nicht, bleiben sie einfach liegen oder werden irgendwann von Tieren gefressen. Wenn das einmal passiert, bedeutet das für die Populaton zwar nicht unmittelbar das Aus, es schwächt sie aber. "Es wird problematisch, wenn sich ein solcher Vorgang wiederholt."

Hummel

Menn zeigt dies auch am Beispiel der Hummel auf: "Normalerweise wacht sie aus der Winterstarre auf und findet sich in einer Zeit der Futterfülle wieder. Wenn sie jetzt aufgrund der Wärme zu sich kommt, findet sie kaum Futter und muss die Reserven, die sie normalerweise für den Nestbau benötigt, zum Überleben aufbrauchen. Dann baut sie in dem Jahr entweder kein Nest oder nur ein kleines." Das Resultat: Weniger Hummeln und geschwächte Populationen. Das kann, wenn es immer wieder milde Winter gibt, irgendwann zum Ende der Hummeln führen. "Ein schleichender Prozess, kein abruptes Aussterben", wie Menn beschreibt.

Baumtriebe

Generell sei die Natur aber robuster als man denkt und weniger die Wärme an sich als vielmehr der Wechsel von warm zu kalt bereitet Pflanzen und Tieren Probleme. So treiben viele Bäume angesichts des frühlingshaften Wetters früh aus. Folgt dann aber ein plötzlicher Frost, sterben die jungen Triebe ab. Das tötet den Baum nicht, aber er wächst nicht. "Im Grunde wirft das den Baum so ein Jahr in der Entwicklung zurück", fasst der Förster zusammen. Auch Blüten sterben bei einem plötzlichen Temperaturabfall, was erstens für Insekten weniger Nahrung und zweitens weniger Nachwuchs für die Bäume bedeutet.

Entwicklung des Waldbilds

Eine anhaltende, langsame Entwicklung hin zu immer milderen Wintern würde aber nicht unbedingt zum Massensterben von Arten führen. Aber es würde das Waldbild auf lange Sicht insofern verändern, dass es mehr Eichen und Haselbäume gibt. Diese kommen mit der Wärme recht gut klar. "Die Wälder sähen dann ein bissschen anders aus, etwa so wie die vor der Eiszeit", erläutert Menn. "Da wir keine Erfahrungswerte haben, ist das aber schwer zu prognostizieren." Nichtsdestotrotz machen er und seine Kollegen sich Gedanken, wie sie mit der Entwicklung forstwirtschaftlich umgehen können. "Wir überlegen uns beispielsweise genau, welche Bäume wir anpflanzen und erstellen verschiedene Modelle, um auf einen Klimawandel zu reagieren."

Momentan macht er sich trotz der herrschenden Wärme noch wenig Sorgen um den Wald. "Dass es in letzter Zeit viel geregnet hat, ist schon einmal gut. Trocken und warm ist gerade für die Nadelbäume viel problematischer als nass und warm." Um die Verdunstung an der warmen Luft auszugleichen, müssten diese nämlich Wasser aus dem Boden ziehen und das geht natürlich nur, wenn dort welches vorhanden ist. Außerdem ist nasses und warmes Wetter ein idealer Nährboden für Pilze, die den Borkenkäfer, einen gefährlichen Forstschädling, abtöten.

Insekten

Auch die Tiere leiden eher unter den scharfen Wechseln zwischen frühlingshaftem und Winterwetter als unter der Wärme an sich. Insekten, die bei Wärme aus der Winterstarre erwachen, kehren bei Kälte wieder in diese zurück – ein Prozess, der viel Energie aufbraucht. Vögel fangen früh an zu brüten, doch ein Kälteeinbruch bedeutet oft den Tod für die Jungen und für die Elterntiere eine sinnlose Investition in eine Brut. Auch Amphibien fangen angesichts eines milden Winters früh im Jahr mit der Fortpflanzung an. Doch die längere Entwicklungsphase des Laichs und der Eier führt oft dazu, dass diese verpilzen und sterben.

Siebenschläfer

Gerade für Tiere, die einen richtigen Winterschlaf halten – wie beispielsweise Siebenschläfer oder die Haselmaus – bedeuten länger anhaltende warme Temperaturen Stress. Sie wachen zu früh auf und finden kein Futter. Tiere wie Eichhörnchen, die in Winterruhe sind und sowieso immer wieder aufwachen, bereitet das weniger Probleme. Im Gegensatz zu den Winterschläfern legen sie Vorräte an.

Rehe und Wildschweine

Zu den Gewinnern der Temperaturentwicklung gehören Rehwild und Wildschweine – zumindest auf den ersten Blick. Zwar ist die Sterblichkeitsrate über den Winter bei ihnen dann geringer, aber auf lange Sicht ist das für die Population nicht von Vorteil. Auch die schwächeren Tiere, die normalerweise verhungern oder erfrieren würden, überleben. "Das bedeutet, dass der Gesamtgesundheitszustand der Population sich verschlechtert", erklärt Menn.

Ein optimaler Jahreszeitenverlauf mit einem richtigen Winter beinhalte mindestens zwei Monate mit Temperaturen unter zehn Grad plus sowie etwa zwei Wochen strengen Frost, sagt Menn. "Alle Arten hier sind im Grunde daran angepasst, dass es einen Winter gibt."

 
 

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