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Wolfach Aus und vorbei: KSD zieht 2019 weg

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Der Kommunale Soziale Dienst (KSD) des Jugendamts zieht aus dem Wolfacher Schlössle. Voraussichtlich erfolgt der Wechsel nach Haslach im Frühjahr kommenden Jahres. Foto: Bea

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Wolfach/Haslach - Zunächst war es nur ein Gerücht, doch nun hat es sich bestätigt: Der Kommunale Soziale Dienst (KSD) des Jugendamts zieht aus dem Wolfacher Schlössle. Der Umzug findet voraussichtlich im Frühjahr 2019 statt.

Nicht das komplette Sozialamt, wie anfänglich in Wolfach vermutet, sondern nur der KSD wird nach Haslach verlegt. Das teilt Georg Benz, Sozialdezernent des Ortenaukreises, auf eine Schwabo-Anfrage mit.

"Die Gründe, weshalb der KSD des Jugendamts nach Haslach verlegt wird, sind einzig auf die unzureichende Gewinnung von sozialpädagogischen Fachkräfte zurückzuführen", betont er. Im Sozialbereich bleibt die Außenstelle des Amts für Soziales und Versorgung sowie die Kommunale Arbeitsförderung weiterhin in Wolfach.

"In den zurückliegenden Jahren sind im KSD Wolfach durch das Ausscheiden von Sozialarbeitern mehrfach Situationen entstanden, die die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs erheblich beeinträchtigt haben", begründet Benz den Wechsel. Besonders ausschlaggebend dafür sei gewesen, dass es nicht gelungen war, vakante Stellen wieder zu besetzen. "Bekanntermaßen ist der Fachkräftemangel gerade auch bei der Gruppe der Sozialarbeiter stark spürbar", hebt Benz hervor.

Der Ortenaukreis sei daher in zunehmendem Maße auf Einpendler, vor allem aus dem Raum Freiburg, angewiesen. "Aus dieser Gruppe haben Bewerber in der Vergangenheit mehrfach Stellenangebote in Wolfach kategorisch abgelehnt", weiß Benz.

Mit Lahrern und Offenburgern überbrückt

Dadurch kam es regelmäßig über längere Zeiträume zu sehr problematischen Unterbesetzungen, die von Mitarbeitern aus Offenburg und Lahr kompensiert werden mussten, was allein schon aufgrund der Entfernung nur zeitlich begrenzt machbar sei, so Benz. Erstens muss der KSD aber die Garantenstellung für das Kindeswohl wahrnehmen. Zweitens wird dafür eine örtliche Präsenz und arbeitsfähige Organisationseinheit vorausgesetzt. Infolge mangelnder Besetzung könne es gerade in der Jugendhilfe sehr schnell zu erheblichen Risikosituationen kommen, führt Benz aus, was sowohl für die Mitarbeiter als auch für den Landkreis strafrechtlich relevant sein könnte. Dieses Wagnis möchten die Verantwortlichen nicht eingehen.

"Aktuell ist es nach zwei Ausschreibungen erneut nicht gelungen, eine Stelle zu besetzen", erläutert Benz. "Die einzig geeignete Bewerberin hat mit der Begründung abgesagt, dass sie nicht am Dienstort Wolfach arbeiten möchte", so der Sozialdezernent.

Die angeführten schwierigen Situationen haben Benz zufolge nach längerer Beobachtungszeit und gründlicher Abwägung dazu geführt, dass sich die Verwaltung dazu entschieden hat, den Sitz des KSD nach Haslach zu verlagern. "Damit verbunden ist die begründete Hoffnung, dass sich die Mitarbeitergewinnung und -erhaltung für den neuen Dienstsitz besser realisieren lässt", sagt Benz.

Die Kreisverwaltung habe sich die Entscheidung über die Verlagerung nicht einfach gemacht. Frühzeitig wären die politischen Gremien – sowohl der Ältestenrat als auch Verwaltungsausschuss – wegen des sensiblen, politischen Themas eingebunden worden. "Der Bürgermeister der Stadt Wolfach wurde über die beabsichtigte Verlagerung bereits im Juli 2017 informiert", hebt Benz hervor.

Bürgermeister hat keine Entscheidungsbefugnis

Schultes Thomas Geppert teilt betont gegenüber dem Schwabo: "Über die beabsichtigte Verlagerung wurde die Stadt Wolfach im genannten Zeitraum erstmals auf telefonischem Weg kontaktiert." Allerdings sei damals zunächst von einer "mittelfristigen Verlegung in den kommenden Jahren" die Rede gewesen.

Nach dieser Ankündigung informierte sich Geppert in einem persönlichen Gespräch über die weitere kreisseitige Organisation. "Dabei wurde deutlich, dass es bei der Frage einer Verlegung der genannten Einrichtung des Kreises von Wolfach nach Haslach nicht mehr um das ›Ob‹ sondern lediglich um das ›Wann‹ geht", stellt Geppert klar.

"Insgesamt ist diese Entscheidung zu akzeptieren, wenngleich das Dienstleistungsspektrum damit vor Ort ein weiteres Mal geschmälert wird", urteilt Geppert. "Durch die jetzt aktuell werdende Verlegung des KSD wird dem Beobachter einmal mehr der Eindruck vermittelt, dass diese Attraktivität mit zunehmender Kilometerzahl hin ins obere Kinzigtal geschmälert wird und bei fortdauernden derartigen Prozessen auch nachhaltig abhanden kommt", gibt er zu bedenken.

Die Entscheidung über die Standortverlegung obliegt formal Landrat Frank Scherer im Rahmen seiner Organisationshoheit. Auf die Frage, ob es für die Stadt Wolfach eine Möglichkeit gäbe, den Fortzug aufzuhalten, resümiert Benz: "Aus den dargestellten Gründen kann die Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden." Das könnte bei einigen Wolfachern für Frust sorgen: Diese Woche hatte sich so mancher bitterlich beklagt.

"Leeres Schlössle wäre fatale Entwicklung"

SPD-Stadtratsmitglied Bruno Heil hatte am Montag zum Schluss der Sitzung im Rathaussaal das Thema angesprochen. "In der Jugendarbeit ist nun auch im Gespräch, talabwärts zu wandern", offenbarte er. "Ein Arbeitsplatz nach dem anderen geht schleichend weg", kritisierte er. "Es wäre eine fatale Entwicklung für Wolfach, wenn das Schlössle leer steht", so Heil.

Geppert stellte in Aussicht, dass infolge der kommenden Forstreform argumentativ einiges möglich sei, um das Amt in Wolfach zu halten. Vor dem Hintergrund der Entwicklung habe er bei Gesprächen in Richtung Offenburg aufmerksam gemacht, welche Chancen die Stadt biete. Konzeptionell auf den Ländlichen Raum aufmerksam zu machen und diesen attraktiv zu halten, so der Bürgermeister, das sei eine Daueraufgabe.

Winfried Wöhrle von der SPD ergänzte: "Es ist wohl abzusehen, dass das Finanzamt beim dritten Abschnitt komplett in Offenburg landet." Auch darauf sollte aufmerksam gemacht werden, fand er. "Da haben Sie recht", stimmte Geppert zu und beruhigte: "Das ist jetzt nichts, was uns in den kommenden drei Jahren abhanden kommt." Einer Kommune sei ein Stück weit auch die Hand gebunden, bedauerte Geppert.

Die Mitglieder des Gewerbevereins wussten ebenso Bescheid. Gustl Geiger sagte bei der Versammlung am Dienstag: "Ich kann nicht glauben, dass der Landrat und Kreistag einen solchen Beschluss fasst. ­Ich bin wirklich sehr enttäuscht." Geiger habe das Gefühl, dass Wolfach sich kreisweit "im hintersten Eck" befinde: "Wir werden gar nicht mehr gehört." Dass durch die neuen Räume in Haslach Kosten verursacht werden, stufte er als unnötig ein. Er empfahl mit Trillerpfeifen vor der Behörde "Dampf zu machen". Vereinschef Reinhold Waidele unterstrich: "Wir werden in der Vorstandssitzung besprechen, wie wir vorgehen. Fallen lassen und einfach hinnehmen, sollten wir es nicht."

In Haslach werden aber geeignete Räumlichkeiten angemietet, "die den Anforderungen entsprechend umgebaut werden". Wie Benz mitteilt, findet der Umzug voraussichtlich im ersten Quartal 2019 statt. Die Nachnutzung der durch den KSD frei werdenden Zimmer im Schloss habe die Kreisverwaltung im Blick und führe Gespräche. Die Wolfacher müssen in den sauren Apfel beißen – ob sie wollen oder nicht.

 Der Ortenaukreis legt laut Georg Benz, Sozialdezernent des Ortenaukreises, großen Wert auf Bürgernähe und setzt daher, auch angesichts seiner Größe, auf dezentrale Dienstleistungsstrukturen.   Dies gilt im Sozialbereich genauso wie in einigen anderen Aufgabenbereichen, wie für die KFZ-Zulassung. Daran wird mit den Außenstellen in Achern, Kehl, Lahr und Wolfach weiterhin festgehalten.

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