Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr fällt mit dem Start der schriftlichen Prüfungen zusammen – für die Schüler im Kinzigtal verkehrstechnisch nicht die einzigen Herausforderungen. Auch die Tunnelsperrung ist ein Problem.
Ungünstiger kann ein Streik im öffentlichen Nahverkehr nicht kommen – zumindest nicht für tausende Schüler, die derzeit ihre Abiturprüfungen schreiben. Den Anfang machten am Donnerstag die allgemeinbildenden Schulen mit der Prüfung in Biologie, an den beruflichen Schulen starteten die schriftlichen Prüfungen am Freitag mit Mathematik.
Gleichzeitig fand der von der Gewerkschaft Verdi angekündigte Streik im öffentlichen Nahverkehr statt. Auch, wenn der Streik das Kinzigtal nur indirekt betrifft, haben sich die Schulen darüber Gedanken gemacht, wie sie mit der Streik-Situation umgehen sollen. Unsere Redaktion hat bei den Schulleitungen nachgefragt.
An den Beruflichen Schulen (BS) Wolfach starteten die Prüfungen laut Barbara Baumann, stellvertretende Schulleitung und zuständige Abteilungsleiterin für die Beruflichen Gymnasien, mit Mathematik. Ihr zufolge nehmen in diesem Jahr 27 Schüler an der Prüfung auf erhöhtem Anforderungsniveau und sieben auf grundlegendem Niveau teil.
„Ich habe mit den Schülern über das Thema Streik gesprochen und ihnen dringend empfohlen, sich rechtzeitig um Alternativen zum öffentlichen Nahverkehr zu bemühen und sich frühzeitig auf den Weg zu machen“, erklärt Baumann.
Empfehlung, sich um Alternativen zu bemühen
Ausweichtermine könnten von keiner Schule eigenmächtig angeboten werden, da es sich um eine zentrale Prüfung handelt. Vorgesehen seien aber von Seiten des Kultusministeriums immer Nachschreibtermine für alle Fächer, so Baumann weiter. Diese seien für die Schüler gedacht, die aus „wichtigem Grund“ nicht teilnehmen können.
Gedacht sei dabei in erster Linie an Krankheit. Bis Donnerstagmittag sei bei der Schule allerdings noch keine offizielle Information des Kultusministeriums eingegangen, wie im Fall einer unvermeidlichen Verspätung oder dem Nichterscheinen wegen des Strikes zu verfahren ist.
„Grundsätzlich halte ich es natürlich für ungut einen Streik auf Prüfungstage – bei uns ist das Abitur nur der Anfang einer Prüfungsserie – zu legen, aber langsam sind wir es gewohnt mit solchen Unwegsamkeiten umzugehen“, so Baumann mit Blick auf die Verkehrssituation durch die Tunnelsperrung in Hausach,die Baumaßnahmen auf der Bahnstrecke und ähnliche Herausforderungen.
Der Streik und die Tunnelsperrung werden eine Herausforderung
Für die Prüflinge sei die Situation natürlich denkbar ungünstig und trage sicher nicht zu einem optimalen Prüfungsauftakt beziehungsweise -verlauf bei.
Die durchweg erwachsenen Schüler hätten sich nicht weiter zu der Situation geäußert, so die stellvertretende Schulleiterin weiter. „ Sie wirkten jedoch auch nicht besonders geschockt“, so Baumann.
Ähnliches sagt Frauke Ebert, Schulleiterin der Kaufmännischen Schulen in Hausach auf die Anfrage unserer Redaktion. Die Schule habe zwar auf den Streik hingewiesen, aber wegen der Tunnelsperrung ohnehin eine frühzeitige Anreise empfohlen. „Die Schülerinnen und Schüler fahren ohnehin mehrheitlich mit dem Auto“, so Ebert weiter.
Im Falle eines Zuspätkommens zu den Prüfungsterminen verweist sie auf die Anweisungen des Kultusministeriums, wie in solchen Fällen zu verfahren ist: Demnach könnten Schüler bis zu einer halben Stunde Verspätung noch an der Prüfung teilnehmen, geht die Verspätung darüber hinaus, könne an einem Nachschreibtermin teilgenommen werden.
Kultusministerium verweist auf Nachschreibtermine
„Ein ungünstiger Zeitpunkt, aber so ist es“, antwortet Ebert auf die Frage, wie sie persönlich die Lage bewertet. „Da wir es nicht ändern können, gehen wir damit pragmatisch um“, so Ebert.
Von den Schülern habe sie bisher keine Rückmeldungen bekommen, wie diese die Situation einschätzen – diese seien nun schließlich mit ihren Abiturprüfungen beschäftigt.
Gelassen sieht das Ganze Mathias Meier-Gerwig als Leiter des Ribert-Gerwig-Gymnasiums, denn: „Uns betreffen die Streiks schließlich nicht.“ Die SWEG habe nicht gestreikt und die Streiks seien ja vor allem für die Ballungszentren wie Baden-Baden oder Karlsruhe angesetzt gewesen, nicht für die Ortenau. Zu den Prüfungen seien dann auch alle Schüler pünktlich erschienen. Denn meint er: „Der Streiktermin war etwas unsensibel.“
Hintergrund
Der Tarifstreit läuft bereits seit Ende Januar, der ÖPNV wurde in Teilen des Landes bereits mehrmals weitgehend lahmgelegt. In Baden-Württemberg fordert die Gewerkschaft eine grundsätzliche Verkürzung der Wochenarbeitszeit sowie eine Schichtzulage für den Fahrdienst. Außerdem will sie unter anderem erreichen, dass sich die Beschäftigten Verspätungen und bislang unbezahlte Wegzeiten vollständig als Arbeitszeit anrechnen lassen können. Von den Gesprächen sind rund 6500 Beschäftigte betroffen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für kommende Woche angesetzt.