Die Burg Hohengeroldseck ist eine von einst vier Seelbacher Burgen. Alle haben eine interessante Geschichte. Foto: /Vögele

Zahlreiche Besucher informierten sich beim Vortrag „Seelbach hat vier Burgen“ über die Herrschaftszeit der Geroldsecker. Historiker Christoph Bühler zeigte viele spannende Aspekte auf.

Sehr gut besucht war ein Vortragsabend der Regionalgruppe Geroldsecker Land des Historischen Vereins für Mittelbaden in Seelbach. Adalbert Kern vom Historischen Verein hieß den Referenten Christoph Bühler willkommen, der wie wohl kein zweiter die Geschichte der Geroldsecker und ihres Herrschaftsgebietes erforschte und an diesem Abend über die vier Burgen und deren Dynastien auf dem heutigen Gemeindegebiet von Seelbach berichtete.

 

Seelbach mit seinen vier Burgen sei etwas ganz Besonderes. Noch heute erinnern die mächtige Burgruine Geroldseck, die Reste der Burg Lützelhard sowie die Bauten bei Dautenstein an die vergangenen Jahrhunderte. Ganz verschwunden ist die Burg Altgeroldseck auf dem Raukasten, die Stammburg der Geroldsecker, die einen großen Aufstieg und dann einen jähen Niedergang erlebten. Bühler führte zunächst in die verschiedenen gesellschaftlichen Strukturen des Mittelalters ein, in denen die Ritter, Edelknechte und Freiherren dem niederen Adel angehörten. Viele standen im Dienst gräflicher oder herzoglicher Familien, wie die Lützelharder als Ministeriale der Zähringer. Sie kamen in kaiserlichen Diensten nach Italien und als Markgrafen von Ancona und Ravenna zurück. Danach verliert sich ihre Spur. Ähnlich erging es den Herren von Dautenstein, die sich an die Markgrafen von Baden hielten. Die „Lützelhard“ und die „Dautenstein“ kamen in den Besitz der Geroldsecker.

Historiker Christoph Bühler berichtete über die Geschichte der Seelbacher Burgen. Foto: Vögele

Die geschichtlichen Fakten verliefen anders als etwa die Sagen oder die Pappenheimer Chronik erzählen. Jedenfalls waren die Geroldsecker von anderem Schlag: Sie besaßen die Vogteirechte über vier Klöster (Wittichen, Schuttern, Ettenheimmünster und Schwarzach) und drei Grafschaftsbezirke (Mahlberg, Sulz am Neckar und Eberstein). Durch Heirat wurden sie „Grafen von Veldenz“. In ihrem Besitz befanden sich elf Burgen. Die Unterhaltung solcher Anwesen erforderten ein großes Jahreseinkommen. Man sah sich in ständigen Geldnöten und versuchte, sich durch Verpfändungen und eine geschmeidige Heiratspolitik über Wasser zu halten. So nutzen sie schon früh die Zeit des Interregnum nach 1245 zielstrebig zur Schaffung eines großen Machtbereichs. Aus dem staufischen Erbe fiel ihnen Mahlberg zu, sie kamen in den Besitz von Sulz am Neckar und stellten einige Male die Bischöfe von Straßburg. Ihre Heiratspolitik brachte sie in bedeutende Familien bis hinauf zu den Pfalzgrafen zu Rhein und Kurfürsten von der Pfalz. Durch ihre Heiratspolitik lassen sich ihre Spuren durch 29 Generationen bis an den englischen Königshof verfolgen.

Katharinenmarkt ist wohl älter als angenommen

Durch die Bewilligung eines Marktes in Seelbach suchten sie ebenfalls, ihre Einnahmen zu vermehren Der erste Markt ist bereits für das Jahr 1436 erwähnt, ist also älter, als bisher angenommen (1455).

Der Niedergang des mächtigen Geschlechts begann im 15. Jahrhundert. Ihr Jahreseinkommen betrug damals rund 1000 Pfund, ihre Ausgaben beliefen sich auf 6000 bis 7000 Pfund jährlich. Sie verpfändeten ihre Burg mit Seelbach an den Pfalzgrafen, der mit 7000 Soldaten vor der Burg erschien. Geroldseck suchte einen neuen Partner und fand ihn im Haus Österreich. Kaiser Maximilian nahm dem Pfalzgrafen die Burg ab und übergab sie dem Haus Baden zur Verwaltung. Unter Kaiser Karl V. erhielt Geroldseck die Herrschaft zurück, war aber seit 1519 nunmehr österreichisches Lehen. Mit dem Tod Jakobs auf Dautenstein endete die Herrschaft der Geroldsecker. Habsburg verlieh die Herrschaft Geroldseck an die Herren von Cronberg und später an die Grafen von der Leyen.

Mit großem Beifall dankten die Zuhörer dem Referenten für dessen profunden Vortrag, der die lange Geroldseckerzeit lebendig werden ließ.