Die Täter haben offenbar keine Rücksicht auf Menschenleben genommen: Die Verwüstung durch die Sprengung des Geldautomaten in der Sparkassen-Filiale in Kappel ist groß. Dass niemand verletzt wurde, ist ein großes Glück. Polizei und Sparkasse sind derzeit vor Ort, um den Schaden zu ermitteln.
Die Wucht der Explosion muss gewaltig gewesen sein: Die Fenster in Richtung Straße sind bis auf eines alle zersplittert. Auch der Innenraum des Gebäudes ist zum Teil zerstört, der Fahrradständer außen am Gebäude komplett verbogen. In weitem Umkreis um das Gebäude liegen Glasscherben verstreut. Als unsere Redaktion um 10 Uhr vor Ort eintrifft, ist die Rathausstraße wieder freigegeben und erste Aufräumarbeiten werden bereits koordiniert. Ein rotes Absperrband der Feuerwehr erklärt den Platz der Sparkasse – gegenüber des Kappeler Rathauses – weiterhin zur Sperrzone.
Die Täter schlugen gegen 4 Uhr bei der Sparkasse in der Rathausstraße zu. Zeugen wurden durch einen lauten Knall auf den Vorfall aufmerksam und alarmierten die Polizei. Nach deren Eintreffen waren nach ersten Erkenntnissen zwei Unbekannte bereits mit einem dunklen Audi mit gelben Kennzeichen auf der Flucht in Richtung Autobahn, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Diese leitete umgehend eine Fahndung ein, bei der auch ein Hubschrauber im Einsatz war. Den Unbekannten gelang dennoch die Flucht.
„Die Bilder sehen sehr schlimm aus“, sagt Klaus Fey, Sprecher der Sparkasse Offenburg/Ortenau am Freitagmittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Über die Höhe der Beute und des Schadens ist derweil noch nichts bekannt. Mitarbeiter der Sparkasse und Polizeibeamte ermitteln derzeit vor Ort die Auswirkungen, sagt Fey. „Das Wichtigste ist, dass keine Personenschäden entstanden sind“, ergänzt er. „Dass bei den Sprengungen bisher niemand zu Schaden kam, grenzt an ein Wunder“. In Kappel wird dies besonders deutlich: Denn über der Sparkassenfiliale befindet sich eine Wohnung.
Scharfe Worte des Bürgermeisters
„Dramatisch, katastrophal, rücksichtslos“, beschreibt Kappel-Grafenhausens Bürgermeister Jochen Paleit die Tat in Kappel und ihren hohen Schaden. „Wer das Ausmaß der Zerstörung sieht, erkennt sofort: Es wurde keine Rücksicht auf Menschenleben genommen. Die Wohnung über der Sparkasse ist vermietet. Das Gebäude befindet sich mitten im Dorfzentrum. Es ist nicht auszudenken, wenn da was passiert wäre. Dass jemanden bei dieser Explosion zu Schaden kommt, wurde von den Tätern billigend in Kauf genommen.“
Auch ärgert es ihn, dass es „der Sparkasse – beziehungsweise der Volksbank – so schwer gemacht wird, sodass sich alle die Frage stellen, wie es mit der Bargeldversorgung im Ort weiter geht“. Es könne ja nicht sein, dass die Banken „einen Millionenschaden in Kauf nehmen müssen, um die Bargeldversorgung der Bürger sicherzustellen.“
Filiale war ohnehin geschlossen
Erst vor gut einem Jahr, am 27. Dezember 2022, war ein Automat der Volksbank in Grafenhausen gesprengt worden. Auch damals gingen die Täter rücksichtslos vor: Nicht nur der Geldautomat, sondern auch das Gebäude, in dem sich dieser befand, wurden schwer beschädigt.
In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Sprengungen von Geldautomaten in der Südlichen Ortenau. Erste Konsequenzen wurden auch von der Sparkasse schon gezogen: Anfang Dezember nahm sie ihren Automaten in Sulz außer Betrieb.
Wie es in Kappel weitergeht, wird noch geklärt, berichtet Fey. Die Filiale war ohnehin aufgrund eines Wasserschadens bis Ende März geschlossen. Nur der vorderer Bereich mit dem SB-Automaten war zugänglich. Die Sparkasse werde im Laufe des Tages weitere Information liefern, kündigt der Pressesprecher an.