Die Aktivisten in Ringsheim taten am Samstag lautstark ihre Meinung über den geplanten Bahnausbau kund. Foto: Decoux

Das „Aktionsbündnis Bahnbürgerinitiativen Deutschlands“ hat am Samstag bundesweit zur Demonstration aufgerufen – auch am Halt Ringsheim/Europa-Park. Ihr plakatives Motto: „Bürgerbahn statt Größenwahn!“ Dem schlossen sich auch lokale BIs an.

Rund 40 Aktivisten trafen sich in Ringsheim zum mittäglich entzündeten Mahnfeuer unmittelbar neben der strittigen Bahnstrecke. Mit dabei war die BI Bohr (Bürgerinitiative Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein) mit neun Mitgliedsinitiativen an zwei zentralen Orten der Rheintalstrecke an.

 

Die Kernforderung der Proteste: Statt auf immer schnellere ICEs solle die Bahn lieber auf den Nahverkehr setzen.

Gerold Bey, IG Bohr-Repräsentant und Chef der BI Bürgerprotest Bahn Herbolzheim-Kenzingen, erläuterte die aktuellen Kritikpunkte zum bundesdeutschen und auch speziellem Rheintal-Bahnausbau: Das Ausbauprogramm der Bahn mit konzipierten 250 Stundenkilometer schnellen ICEs sei schlicht zu teuer und zu stromfressend. Zudem machten die wenigen Minuten Zeitersparnis im dicht besiedelten Deutschland mit seinen vielen anzusteuernden Städten keinen Sinn.

Die Befürchtung: Verspätete ICEs bremsen den Nahverkehr aus

Das Konzept der Bahn werde nicht funktionieren, stattdessen führe es durch das permanente Abbremsen der Züge zu energiefressenden Verzögerungen. Diese würden nicht nur die ICEs betreffen, sondern auch den als nachrangig eingestuften Öffentlichen Personennahverkehr völlig ausbremsen – und somit für viele verpasste Anschlusszüge sorgen. Da hülfen auch künftige Schnell-Überholgleise nichts, wie sie zwischen Orschweier und Kenzingen geplant werden.

Die Forderung aller deutschen BIs sei daher: „Schluss mit Hochgeschwindigkeitsstrecken der Deutschen Bahn!“. Stattdessen solle die bisherigen ICE-Geschwindigkeit mit – aus Sicht der BIs ausreichenden  – 160 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit beibehalten werden. Das reiche für schnelle Städteverbindungen und würde den vielen Nutzern des ÖPNVs Platz für einen vernünftigen Takt lassen.

Die konkrete Kritik der mittelbadischen BI-Szene am Ausbau in der Region: Die Bahn plant, die kompletten Bestandsgleise der alten Rheintalstrecke zwischen Offenburg und Riegel herauszureißen, um diese für die ICEs mit den geplanten 250 Stundenkilometer zu ertüchtigen. Das habe bautechnisch für sechs Jahre einen kompletten Streckenstillstand mit Schienenersatzverkehr zur Folge.

Johannes Fechner und Bürgermeistersagen Unterstützung zu

Überdies plane die Bahn im Streckenabschnitt von Orschweier bis Kenzingen neben der bisherigen Bestandsstrecke noch „eine neue Rennstrecke für 250 Stundenkilometer schnelle Fernverkehrszüge“, so die BI Bohr. Die dadurch entstehenden Millionenkosten stünden in keinem Verhältnis zu den wenigen Minuten Zeitgewinn. „Priorität des Verkehrssektors zum Klimaschutz haben der öffentliche Nahverkehr und der Güterverkehr! Renommierstrecken sind dafür nicht erforderlich und eher störend!“, so die Ansage der BI Bohr.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner, für den Wahlkreis Lahr und Emmendingen, bekräftigte abermals seine Unterstützung der Bahn-BIs. Zwar seien die Planfeststellungsverfahren schon sehr weit gediehen und grundlegende Änderungen des einstigen Bundestags-Beschlusses von 2016 realistischerweise kaum mehr zu erwarten. Jedoch gehöre insbesondere die lokale Schnellbahntrassen-Ertüchtigung zu den anstehenden Hauptthemen. Es sei ein völliges Unding, dass dafür nun eine komplette Vollsperrung der alten Rheintal-Bahnstrecke zwischen Offenburg und Riegel über ganze sechs Jahre vorgesehen sei – zum großen Schaden des Schienen-ÖPNV.

Ebenfalls bei den Protesten am Samstag vor Ort waren (von links) Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer, SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner und Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber. Foto: Decoux

Das sah auch Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer nicht anders: Der dortige Gemeinderat habe sich glasklar für eine Mobilitätswende ausgesprochen – mit zuverlässigem Personennahverkehr auf den bisherigen Gleisen, sogar im Viertelstundentakt.

Auch Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber plädierte für den Vorrang des ÖPNV. Allerdings will er am Bahnhalt Ringsheim/Europa-Park im Sinne der vielen anreisenden Europa-Park-Besucher auch einen neuen ICE-Halt eingerichtet sehen. Dieser Extra-Stopp dürfte die künftigen Minutengewinne durch das höhere Maximaltempo mit Sicherheit recht schnell wieder auffressen.

Älteste Protestierende ist eine Offenburger Ordensschwester

Als eine der ältesten Bahn-Protestierenden – seit 2005 – hatte sich die putzmuntere Offenburger Nonne Schwester Martina in vollem Ordenshabit in Ringsheim eingefunden. Ihre Motivation: „Der Staat braucht leider viel zu lange, um im Interesse der Betroffenen zur Vernunft zu kommen!“

Grüße aus Schallstadt

Von Schallstadt, wo sich am gleichen Vormittag sogar nahezu hundert Protestler der dortigen BI MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland) zum Mahnfeuer getroffen hatten, brachte deren Vorsitzende Maria Luisa Werne Soilidaritätsgrüße mit. Dort wird mit voller Gemeindeunterstützung am 15.März eine Schallstadter Bürgerversammlung zum Thema statt finden.