Der 26-jährige Janik Rottenecker arbeitet als Bestatter. Für ihn ist es ein Traumberuf. Foto: Blessing

Janik Rottenecker ist als Bestatter im Betrieb seiner Eltern, dem Bestattungsunternehmen Bolz in Lahr, tätig. Zudem ist er Geschäftsführer von Seitel Bestattungen in Friesenheim. Erfreulich findet er, dass Bestattungen immer individueller werden.

Der Bestatter taucht sicher nur selten auf, wenn es um die Nennung von Traumberufen geht. Der 26-jährige Janik Rottenecker sieht dies jedoch anders: „Für mich ist es ein echter Traumberuf“, sagt der Lahrer Bestatter im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Wo andere vielleicht Berührungsängste haben, hatte Rottenecker einen klaren Heimvorteil. Er ist schon früh mit dem Berufsbild des Bestatters in Berührung gekommen. Seine Eltern Marina und Ralph Rottenecker führen das Bestattungsunternehmen Bolz in der Lahrer Friedhofstraße bereits in vierter Generation. „Es war ganz normal, wenn mein Vater sagte, er muss noch zu einer Abholung“, sagt Rottenecker. Deshalb habe er selbst auch keine Berührungsängste mit dem Beruf gehabt. Die Freude, die er am Ausüben des Berufs hat, ist ihm im Lauf des Gesprächs deutlich anzumerken.

Angehörige werden bei der Bürokratie entlastet

„Unsere Aufgabe ist es, Menschen in der Trauer zu helfen, sie zu unterstützen und ihnen wichtige Aufgaben abzunehmen“, erklärt der Bestatter. So könnten sich die Angehörigen auf die Trauer konzentrieren und werden vor allem bei der Bürokratie entlastet.

Rottenecker selbst hat sich seit seiner dreijährigen, dualen Ausbildung zum Bestatter stets weiterentwickelt. Vor Kurzem hat er die Prüfung zum Bestattermeister erfolgreich abgelegt. Er ist damit einer der wenigen Bestattermeister in der Ortenau, vermutet er. Denn für Bestatter in Deutschland sei zur Ausübung des Berufs weder die Ausbildung noch der Meisterbrief eine Voraussetzung. Die Bestatterinnung setzt sich jedoch dafür ein, dass dies verpflichtend wird. Erforderlich sind derzeit lediglich ein Gewerbeschein und die Beachtung des Bestattungsgesetzes, des Grabnutzungrechts sowie der Friedhofsordnungen.

Janik Rottenecker hat sich dennoch dazu entschieden, nach seiner Ausbildung den zeitlichen und finanziellen Aufwand auf sich zu nehmen und auch noch den Meisterbrief zu erwerben. „Ich konnte mein Wissen noch weiter vertiefen und habe gerade im Bereich der Trauerpsychologie noch sehr viel dazu gelernt“, sagt der Lahrer. Für seine Aus- und Weiterbildung musste er zum Blockunterricht ins unterfränkische Münnerstadt, wo sich eine Ausbildungsstätte mit Lehrfriedhof befindet, reisen. Genauso wichtig ist für ihn aber auch der Austausch mit den Kollegen und das Feedback der Kunden. „Auch dabei kann man sehr viel dazulernen.“

Schema-F gibt es nicht mehr

„Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und freue mich immer auf die Gespräche mit den Angehörigen“, so der Bestatter. Das Bild, dass ein Bestatter distanziert sein müsse, sei eher veraltet. Wenn es die Situation ergebe oder eine lustige Anekdote zur verstorbenen Person erzählt werde, „darf auch mal gelacht werden“.

Eine Bestattung ist dabei so individuell wie die Menschen selbst. Ein Schema-F, wie es in der Vergangenheit oft der Fall gewesen sei, gebe es heute nicht mehr. „Die Angehörigen kommen mit unterschiedlichen Vorstellungen und Wünschen auf uns zu. Unsere Aufgabe ist es dann, diese so gut wie möglich umzusetzen“, erklärt Rottenecker. Er möchte allen einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg geben: „Jeder sollte sich schon zu Lebzeiten darüber Gedanken machen, wie er einmal beerdigt werden möchte“, sagt der Bestatter. Das erleichtere es den Angehörigen in einem Trauerfall ungemein. Sie müssten dann nicht noch die Entscheidung über die Art der Bestattung und der Beerdigung treffen. Heutzutage würden etwa 75 Prozent eine Feuerbestattung und nur noch etwa ein Viertel eine Erdbestattung wählen. Das müsse jeder für sich selbst entscheiden, so der Bestatter. Die Branche befinde sich derzeit im stetigen Wandel. Auch werde Nachhaltigkeit immer wichtiger. Bei den Urnen werde heute vermehrt auf Eisen verzichtet und mehr auf Materialien gesetzt, die unter der Erde verrotten und so der Umwelt nicht schaden.

Die meisten bevorzugen eine Feuerbestattung

Wenn es in seinem persönlichen Umfeld zu einem Trauerfall komme, helfe ihm sein Job als Bestatter eher, als dass er ihn zusätzlich belaste. „Ich weiß dann genau, was mit den Verstorbenen passiert und worauf es ankommt. Das hilft mir dann besser, mit der Trauer umzugehen.“ Ansonsten sei es für ihn wichtig, abzuschalten und die Arbeit auch einmal ruhen zu lassen. Zum Ausgleich spielt der 26-Jährige Fußball.

Er selbst möchte übrigens eine Erdbestattung, erklärt er. „Das ist einfach so ein Gefühl, ich möchte nicht verbrannt werden.“ Auch von seiner Beerdigung hat er schon eine klare Vorstellung. „Ich möchte, dass niemand in Schwarz kommt und keine traurigen Lieder gespielt werden. Ich sehe es eher als eine Abschiedsfeier als eine Trauerfeier.“

Info: Vorschläge für die Serie

Im Rahmen unserer Serie stellen wir Menschen vor, die besonderen Berufen nachgehen. Wenn Sie selbst Ideen für außergewöhnliche Jobs haben, jemanden kennen, der einer interessanten Arbeit nachgeht oder Sie in einer spannenden Branche unterwegs sind, schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@lahrer-zeitung.de.