Gelbe Säcke sind zurzeit vielerorts schwer aufzutreiben. Foto: Robert Michael

Viele Rathäusern können keine Gelben Säcke mehr ausgeben – schon wieder. Anders als im Vorjahr gibt es aktuell aber keine Produktions- und Lieferprobleme, sagt das Landratsamt. Woran liegt es dann?

Wer derzeit in die Rathäuser der Region geht, um sich Gelbe Säcke zu besorgen, muss Glück haben. „Aktuell haben wir leider keine Gelben Säcke mehr“, hieß es zu Wochenbeginn auf einem Plakat am Lahrer Bürgerbüro. Inzwischen ist das Plakat weg und Nachschub offenbar eingetroffen. Eine Recherche unserer Redaktion ergab: Die Knappheit ist kein Lahrer Problem. In vielen anderen Kommunen zeigte sich ein ähnliches Bild.

 

„Es gibt gerade Lieferschwierigkeiten“, heißt es etwa aus dem Kappeler Rathaus. Dort gebe es generell keine Gelben Säcke mehr. Ende vergangener Woche hat deshalb die Feuerwehr in Kappel und in Grafenhausen ihre Vorräte an die Haushalte verteilt.

Gleiches Bild in Friesenheim: „Es gibt keine mehr“, sagt eine Mitarbeiterin der Gemeinde. Als Alternative empfiehlt sie, andere transparente Säcke zu verwenden und diese dann an die Straße zu stellen, wenn die Müllabfuhr kommt. Diesen Tipp gibt auch die Ettenheimer Verwaltung. Dort gibt es zwar ebenfalls keine Gelben Säcke mehr, jedoch erklärt eine Mitarbeiterin, dass man im März mit Nachschub rechne.

Mehr Glück haben die Bürger anderer Gemeinden. So gebe es in Kippenheim keine Probleme. „Ja, wir haben noch Gelbe Säcke. Sie können vorbeikommen“, sagt dort ein Rathausmitarbeiter. Im Neurieder Rathaus in Ichenheim gibt es „nicht mehr so viele Säcke. Aber eine Rolle können Sie sich holen“, berichtet eine Mitarbeiterin.

In Dörlinbach ist kürzlich wohl eine Nachlieferung eingetroffen. Dort lagen morgens am Tag unseres Anrufs Gelbe Säcke vor der Tür. „Wenn dort keine mehr liegen, können Sie sich welche im Bürgerbüro holen“, hieß es dort. Die Situation stellt sich also von Kommune zu Kommune unterschiedlich dar.

Bei vielen werden Erinnerungen an das vergangene Jahr wach. Die für die Abfuhr der Gelben Säcke zuständige Firma Merb in Achern hatte Anfang April erstmals mitgeteilt, dass die Produktion der Gelben Säcke aufgrund gestiegener Energiekosten und teilweise unterbrochener Lieferketten heruntergefahren werden musste. In der Folge kam es zu Lieferengpässen. Mitte Juli hatte sich die Lage wieder entspannt. Droht ein ähnliches Szenario?

Behörde empfiehlt nur eine Rolle pro Haushalt

„Es gibt keinen generellen Mangel“, erklärt Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage unserer Redaktion. „Wenn, dann nur an einzelnen Ausgabestellen“. Eine Situation wie vor einem Jahr liege nicht vor. „Es ist nicht so, dass die Gelben Säcke nicht mehr produziert werden können“, so Hockenjos weiter.

Dennoch empfehle das Landratsamt den Ortsverwaltungen weiterhin, nur eine Rolle pro Haushalt auszugeben. Einen Grund, warum es in manchem Kommunen Engpässe gibt, deutet Hockenjos an: „Die Gelben Säcke werden oft missbräuchlich verwendet“. Auch von Seiten des Landratsamts erhalten Bürger den Tipp, andere transparente Müllsäcke zu verwenden, wenn ihnen die Gelben Säcke ausgegangen sind. Die Müllabfuhr solle nämlich erkennen können, falls sich im Sack ungeeigneter Müll befindet. „Wenn alles passt, nimmt die Müllabfuhr den Sack dann mit“, so Hockenjos.

Wo gerade Gelbe Säcke Mangelware sind, könnte sich die Lage zudem schon bald entspannen. „Die Säcke werden produziert und nachgeliefert“, heißt es. Schon in 14 Tagen könne es Nachschub geben.

Jährlich 13000 Tonnen

Im Ortenaukreis sammelt die Firma Merb jährlich etwa 13 000 Tonnen Verpackungsabfälle über den Gelben Sack ein. Rund 10 000 Tonnen (75 Prozent) werden in verschiedenen Sortieranlagen aussortiert. Aus den Verpackungsabfällen werden neue Produkte hergestellt. Die rund 25 Prozent Sortierreste haben einen hohen Heizwert und werden deshalb als Ersatz für fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Gas in industriellen Anlagen energetisch verwertet.