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Rust Europa-Park feiert 40-jähriges Bestehen

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Die vier Europa-Park-Inhaber Roland (vorne links), Jürgen (Zweiter von rechts), Michael (hinten links) und Thomas Mack mit Moderator Ingo Dubinski (rechts) und Traumschiff-Kapitän Siegfried Rauch (Zweiter von links) haben gestern im neu eröffneten "Whale Adventures – Northern Lights" sichtlich Spaß. Foto: Europa-Park

Rust - Die Idee für den Freizeitpark entstand in 10 000 Meter Höhe auf einem Bierdeckel. Jetzt, 40 Jahre später, ist der Europa-Park eine Top-Adresse. Der Erfolg hat einen Namen: Familie Mack.

Eigentlich ist Roland Mack ein harter Hund. Freundlich im Umgang, aber zielstrebig in der Sache. Was er anpackt, will der Chef des Europa-Parks durchziehen und zum Erfolg führen. "Er ist der Motor. Man muss schauen, dass man da mitkommt", sagt einer seiner Söhne. Gestern Morgen aber kommt der weiche Kern des Unternehmers dann doch zum Vorschein. Offiziell hat der Spaßpark zur Jahrespressekonferenz ins südbadische Rust eingeladen. Aber es wird nicht die übliche Vorschau auf die neue Saison, dieser Tag hat besonderen Charakter, immerhin feiert der Park am Wochenende seinen 40. Geburtstag.

"Ja, so könnte es was werden"

Und plötzlich ringt Mack um Fassung. Vorne auf der riesigen Leinwand im sogenannten "Zeitkarussell", wo sonst Filme für Parkbesucher gezeigt werden, ist gerade ein Rückblick auf die Erfolgsgeschichte des Parks gelaufen. Im Mittelpunkt des Streifens: Roland Mack und sein Vater Franz. Viele historische Bilder, viele nette Begebenheiten, viele Glückwünsche wie jene von Franz Beckenbauer, Günther Oettinger (CDU) und Frank Elstner. Dann aber kommt die entscheidende, taschentuchreife Szene: Vater und Sohn sitzen Anfang der 70er-Jahre an Bord einer PanAm-Maschine aus den USA zurück nach Deutschland, gönnen sich ein Bier, und Roland malt auf einem Bierdeckel die Vision des Parks auf. Als die Skizze fertig ist, zeigt er sie seinem Vater, und der meint ganz unprätentiös: "Ja, so könnte es ‘was werden." Dabei leuchten seine Augen, als sei er gerade endlich mal Achterbahn gefahren.

Und wie etwas daraus geworden ist. Der Europa-Park ist trotz Disney & Co. längst zu einem weltweiten Aushängeschild in Sachen Bespaßung für Jung und Alt geworden. Nahezu jede Saison weist neue Besucherrekorde auf. 2014 waren es fünf Millionen. Und jetzt, da der Park im Ortenaukreis erst seit den Osterferien geöffnet hat, haben die Drehkreuze am Eingang auch schon wieder zwei Millionen Menschen reingelassen. Selbst Roland Mack fragt sich manchmal, wo das noch hinführen wird.

"Aber wir bleiben unserer Philosophie treu", beteuert der 65-Jährige. Soll heißen: Höher, schneller, weiter, immer mehr die Grenzen austesten, das will Mack nicht. In Deutschlands größtem Freizeitpark verfolgt man trotz spektakulärer Fahrgeschäfte lieber einen Kurs, der auf stetiges Wachstum mit Weitblick und ein Angebot für die ganze Familie setzt – "vom Kleinkind bis zum Opa, alle müssen sich wohl fühlen". Offenbar gelingt das. Der Europa-Park wird für immer mehr Menschen aus dem In- und Ausland zum Kurzreiseziel für mehrere Tage. Die Folge: In den fünf parkeigenen Hotels mit zusammen rund 5000 Betten beträgt die Auslastung "nahezu 100 Prozent", wie Roland Mack Stolz sagt.

Und ein Ende der Entwicklung scheint nicht in Sicht. Die Lust der Menschen auf Ablenkung vom Alltagsstress, ohne dafür nach Mallorca fliegen zu müssen, wächst unaufhörlich. Mack, dieser clevere wie zugleich charmante Geschäftsmann, weiß das zu nutzen. Mitte 2016 beginnen die Bauarbeiten für den Wasserpark, dazu entsteht ein weiteres Hotel.

Die Idee: Wenn das feucht-fröhliche Paradies, das einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird, erst mal fertig ist, kann der Park das ganze Jahr öffnen und noch bessere Geschäfte machen. Vor allem Gäste aus dem nahen Frankreich und der Schweiz sind neben den Deutschen jene Kundschaft, die am liebsten hier im Spaßpark die Seele baumeln lässt.

Dabei ist der Park längst mehr als ein Unterhaltungsresort. Er ist Tagungsort, Schauplatz von Fernsehshows, und nächstes Jahr kommt für sieben bis zehn Millionen Euro eine Veranstaltungshalle hinzu. "Das ist ein sehr anspruchsvolles Projekt", macht der Park-Chef klar, dass man diese Dimension von 3000 Quadratmetern Fläche mit einem Fassungsvermögen von bis zu 5000 Menschen bundesweit nicht so oft findet. Und so fügt Mack selbstbewusst hinzu: "Mit der Halle können wir problemlos eine Bambi-Verleihung über die Bühne bringen." Schöne Grüße an Bambi-Vater und Verleger Hubert Burda ein paar Kilometer weiter in Offenburg.

Aus einer Vision über den Wolken wird ein Imperium

Kein Zweifel: Roland Mack hat aus der Vision da oben in 10.000 Meter Höhe längst ein Imperium gemacht – freilich familiengeführt und damit höchst werteorientiert. Es ist noch nicht lange her, da gaben sich die Spaßmacher eine Familiencharta. Darin sind die Werte festgeschrieben, für die man eintritt, darin ist das Abstimmungsverhalten bei internen Entscheidungen geregelt, darin wird festgelegt, dass die Vorgängergenerationen verehrt und deren Wirken entsprechend gewürdigt wird.

Es sind die kleinen Anzeichen dafür, dass sich Roland Mack irgendwann aus der ersten Reihe der Verantwortung in dem Familienunternehmen langsam zurückziehen wird. Sein Bruder Jürgen ist als eine Art Innenminister seit vielen Jahren mit dabei, er ist unter anderem für die Finanzen zuständig. Inzwischen hat Roland Mack seine beiden Söhne ins Unternehmen geholt und überträgt ihnen immer mehr Verantwortung. Michael Mack kümmert sich ums Marketing, sein Bruder Thomas ist für die gesamte Hotellerie, die Events und den Mammutbetrieb mit rund 70 Restaurants zuständig.

Einige Jahreszahlen machen deutlich, in welchen Dimensionen sich der Park da mittlerweile befindet: 421 Tonnen Pommes Frites, 258 Tonnen Bolognesesauce, knapp 800.000 Hamburger, etwa 300.000 Crêpes, was übereinandergestapelt der Höhe des Berliner Fernsehturms entspricht.

Längst ist bei Thomas Mack das Parkgen erwacht. Schon seine Kindheit hat er hier verbracht, hat spüren müssen, wie es ist, wenn der Vater auch am Wochenende kaum Zeit hat. Aber beklagen will Thomas Mack nichts, im Gegenteil. Er erinnert sich noch gern und gut, wie er als kleiner Bub bei Neueröffnungen "das Band durchschneiden durfte" oder verkleidet als Euro-Maus im Park unterwegs war. Thomas Mack zieht jedenfalls den Hut vor der Lebensleistung seines Vaters: "Was er hier aufgebaut hat, ist eine unheimliche Erfolgsgeschichte. Da steckt viel Arbeit und Verzicht dahinter." Wie das alles auf Dauer weitergehen wird?

"Wir wollen nicht, dass er aufhört", sagt Thomas Mack und macht damit klar, wie unschätzbar die Erfahrungen des Vaters seien. Natürlich gebe es in der Familie "manchmal hitzige Diskussionen" um die weitere Strategie des Unternehmens und mögliche Investitionen. Aber dass deswegen die junge Generation die ältere aus der Verantwortung drängen werde, sei abwegig. "Ohne meinen Vater gebe es das alles hier doch gar nicht. Er ist der Macher."

Und diese Tugend zeigt Roland Mack auch dieser Tage wieder. Mal geht es um einen noch besseren Anschluss an die Autobahn A 5, mal setzt er sich für einen Bahnanschluss des Europa-Parks ein. "Wir sind einer der schönsten Freizeitparks weltweit mit hoher Qualität. Und wir machen das hier alles mit viel Herzblut", macht er klar, dass sich auch nach dem runden Geburtstag nichts an der Strategie ändern soll.

Und dass es weiter aufwärtsgeht, daran zweifelt in der Familie Mack niemand. Zumindest für Führungsnachwuchs ist gesorgt. Vor wenigen Wochen ist Thomas erstmals Vater geworden. Der Name des Sohnes: David Roland. Der zweite Vorname ist eine Hommage an Roland Mack.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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