Die Rettungsorganisation Ichenheim nimmt seit 35 Jahren Wildtiere auf. Darunter auch Raubkatzen oder bunte Tropenvögel. Beim Besuch unserer Redaktion erklärt der Verein, wo die Tiere herkommen und worauf es bei deren Pflege ankommt.
Wildschweine, tropische Vögel, Schildkröten und sogar Savanakatzen – bei der Ichenheimer Tierhilfs- und Rettungsorganisation haben rund 170 Wildtiere ihr neues Zuhause gefunden. „Das hier ist wie ein kleiner Zoo“, erklärt Kathi Schmitt. Seit knapp einem Jahr arbeitet sie bei der Einrichtung und sorgt sich mit neun weiteren Helfern um die Gesundheit der Tiere.
Doch wie kommen die teils exotischen Tiere nach Ichenheim? „Das sind alles Beschlagnahmungen der Polizei oder des Veterinäramts. Aber auch Jäger bringen welche vorbei“, erklärt Gründerin Monika Ehrlacher. Vor 35 Jahren hat sie den Rettungsverein gegründet und ist seither für den Tierschutz unterwegs – und das „rund um die Uhr“, betont Ehrlacher.
Schon Giftschlangen und Geier aufgenommen
Das Besondere: Der Verein hat Genehmigungen dafür, Wildtiere aufzunehmen und zu pflegen. So haben bereits zahlreiche Arten in Ichenheim Halt gemacht. „Die Polizei hat uns mal 25 Falkenbabys gebracht. Aber auch Giftschlangen und Geier waren schon hier“, so die 76-Jährige. „Wir hatten auch schon eine Anfrage für einen Löwen.“ Diesen habe man allerdings nicht aufgenommen, da er bereits ausgewachsen gewesen sei. „Wir nehmen nur Babys“, begründet Ehrlacher.
Dabei bleiben die meisten Tiere nicht für immer bei der Rettungsorganisation. „Viele werden ausgewildert“, sagt Schmitt. So werden beispielsweise Fuchsbabys aufgezogen, gepflegt und anschließend wieder in Freiheit gebracht. „Wenn ein Tier ausgewildert wird, transportieren wir es mit einem Käfig in den Wald und lassen es frei. Der Käfig bleibt vorerst dort, wir legen jeden Tag frischen Essen rein. Die ersten Tage kommt das Tier noch. Doch irgendwann hat es sich im Wald eingelebt und kommt nicht mehr zurück“, erklärt die Pflegerin den Vorgang. Das gilt jedoch nicht für alle Tiere: „Schildkröten oder Papageien bleiben bei uns“, so Schmitt. Denn diese Tiere könne man nicht einfach in deutschen Wäldern freilassen.
Wie ein typischer Arbeitstag bei den Tierrettern aussieht? „Man muss viel sauber machen und füttern“, erklärt Gründerin Ehrlacher. „Da bleibt nicht viel Zeit, um mit den Tieren zu schmusen.“ Das sei aber auch nützlich. Denn besonders für jene Tiere, die später wieder in Freiheit kommen sollen, sei zu viel Menschenkontakt nicht förderlich. „Dadurch gewöhnen sie sich an den Menschen. Das erschwert die Auswilderung“, so Ehrlacher.
Seit 2013 mit einem Transporter unterwegs
Die Aufnahme, Pflege und Auswilderung sind allerdings nicht die einzigen Aufgaben der Tierretter. Auch das Einfangen von entlaufenen Hunden und verwilderten Katzen gehört zu ihren Fachgebieten. Dafür hat der Verein eigene Fallen entworfen, um die Tiere einfangen zu können. Diese seien so effektiv, dass sie laut Ehrlacher sogar zu Einsätzen im Ausland gerufen wurden. Dafür stehen dem Verein seit 2013 sogar ein eigener Rettungstransporter zur Verfügung. „Neben dem Transport der Rettungskäfige, bietet das Fahrzeug auch ein Ruheort für unsere Mitarbeiter. Diese müssen nämlich stundenlang bei Wind und Wetter warten, bis die Falle zuschnappt“, erklärt Ehrlacher.
Obwohl der Verein dafür sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag erreichbar ist, sei die Arbeit für Schmitt genau das Richtige. „Ab und zu weiß man nicht, wo hinten und vorne ist“, erklärt sie und fügt an: „Aber hier wird es nie langweilig.“
Der Verein
Die Tierhilfs- und Rettungsorganisation Ichenheim wurde im Jahr 1988 gegründet. Was angefangen hat mit einer Auffangstation in der Privatwohnung von Monika Ehrlacher, ist heute das Zuhause von rund 170 Tieren, die teils sogar aus Frankfurt oder Karlsruhe gebracht werden. Für deren Aufnahme nimmt der Verein kein Geld, er finanziert sich nur durch Spenden und Mitgliederbeiträge.