Der rund 66 Meter lange Batteriezug vom Typ Mireo Plus B verfügt über 120 Sitzplätze – und über ein eingebautes WC. Das fehlen von Toiletten in Zügen der Ortenau-S-Bahn hatte in der Vergangenheit immer wieder für Unmut gesorgt. Foto: Armbruster

Batteriezüge der Firma Siemens sollen bald emissionsfrei im Ortenauer Netz unterwegs sein. Eine Testfahrt fand am Montag statt. Verkehrsminister Winfried Herrman sah ein neues „Zeitalter“ auf den Schienen anbrechen. Unsere Redaktion hat sich den neuen Mireo Plus B bei der Testfahrt von innen angesehen.

Großer Bahnhof für einen neuen Zug: Anlass für den Termin am Montagnachmittag mit Verkehrsminister Winfried Hermann, Landrat Frank Scherer, Offenburgs OB Marco Steffens sowie Vertretern der Firma Siemens Mobility und der Landesverkehrsgesellschaft SWEG war die Eröffnung eines neuen Depots für Batteriezüge am Offenburger Güterbahnhof.

 

Der Star des Termins war aber ein Zug des Typs Mireo Plus B. Er ist Teil der ersten Batteriezug-Flotte die Siemens Mobility nach Deutschland liefern wird. Insgesamt 27 solcher Züge sollen im Ortenau-Netz ab voraussichtlich Mitte Dezember emissionsfrei unterwegs sein.

Das neue Schienenfahrzeug brachte Verkehrsminister Winfried Hermann ins Schwärmen: „In der Ortenau beginnen wir von Dezember 2023 an in Baden-Württemberg das batterieelektrische Zeitalter für den regionalen Schienenverkehr“, betonte der Grünen-Politiker.

Der Verkerhsminister im Zug-Cockpit: Foto: Armbruster

Das besondere an Zügen des Typs Mireo Plus B ist, dass sie sowohl auf Strecken mit und ohne Oberleitungen rein elektrisch fahren können. Die eingebaute Batterie könne während der Fahrt geladen werden und auf Abschnitten ohne Stromtrassen die Energieversorgung übernehmen – für rund 80 Kilometer am Stück. „Der Zug braucht nur ab und an eine Oberleitung“, erklärte der Verkehrsminister.

Bisher kämen auf Strecken in Baden-Württemberg, auf denen sich eine „Elektrifizierung“ nicht rechne oder nicht möglich sei, dieselbetriebene Züge zum Einsatz – so auch in der Ortenau.

Das innere des neuen Batteriezugs ist in Grautönen gehalten. Foto: Armbruster

Die neuen Batteriezüge sollen das nun ändern. Sie werden auf den Strecken von Offenburg nach Freudenstadt/Hornberg, Bad Griesbach und Achern verkehren. „Die Ortenau ist eine Pionier-Region“, betonte der Verkehrsminister am Montag und kündigte an: Die Batteriezüge sollen auch andernorts zum Einsatz kommen.

SWEG vermietet Werkstatt an Siemens Mobility

Grundstein für den Betrieb der ersten Batteriezug-Flotte von Siemens in Deutschland sei die neue Werkstatt in Offenburg, betonte Johannes Emmelheinz, Geschäftsführer „Customer Service“. Siemens Mobility wird die von der SWEG gebaute Halle für 30 Jahre mieten und die Züge dort instandhalten. „Unser Ziel ist es, eine 100-prozentige Verfügbarkeit der Flotte über den gesamten Lebenszyklus sicherzustellen.“

Innerhalb von fünf Jahren sei in Offenburg ein „Servicecenter für Schienenfahrzeuge“ geschaffen worden, dass in Südwestdeutschland seinesgleichen suche, betonte SWEG-Geschäftsführer Tobias Harms am Montag.

Fahrerlebnis mit dem Mireo Plus B

Kein Motorenlärm:
Dröhnen, Brummen und Zischen – gar so lautlos wie ein Elektroauto kam der Batteriezug am Montag nicht daher. Zumindest nicht so lange er noch im neuen Instandhaltungswerk stand. Bei der Testfahrt nach Gengenbach glitt er aber ruhig dahin. Im Vergleich zu den bisherigen Ortenau-S-Bahnen dröhnten keine Dieselmotoren mehr.

Toiletten an Bord:
Die Züge sollen laut SWEG alle über Toiletten verfügen. Für die Probefahrt am Montag war das WC noch nicht in Funktion. Die Toilette war geräumig und mit mehreren Stützgriffen für den barrierefreien Zugang sowie großen Spiegeln ausgestattet.

Nicht frei von Barrieren:
Der Zug selbst ist laut Siemens Mobility barrierefrei. Die Gänge zwischen den Sitzreihen scheinen teilweise jedoch recht schmal, Kurven recht eng. Eine kleine Rampe, die bei der Öffnung der Türen ausfährt, soll den Einstieg erleichtern. Höhenunterschiede zum Bahnsteig kann diese nicht ausgleichen. Dafür gibt es als technische Lösung eine weitere Rampe, die jedoch vom Zugpersonal ausgefahren werden muss. Wer darauf angewiesen ist, sollte den Bedarf laut Siemens vorher anmelden.

Innenraum in Grau:
Der zweckmäßig wirkende Innenraum des neuen Zugs ist in Grautönen gehalten. Die Sitze sind dunkel gepolstert. Die Vierer-Sitzgruppen verfügen über einen schmalen Tisch.

W-Lan und Klimaanlage:
Die drahtlose Internetverbindung funktionierte am Montag während der Fahrt einwandfrei. Die Klimaanlage sorgte für spürbare Kühlung, so lange der Zug in Bewegung war.