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Offenburg Deutsch – ganz ohne Parteibuch?

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Sie freuen sich über den regen Besuch zur Eröffnungsveranstaltung des Jahreskongresses: Der alte und neue Vorsitzende Walter Krämer (von links), OB-Stellvertreter Bertold Thoma aus Offenburg, Thierry Kranzer, der Präsident der Elsass-Union in New York und des Internationalen Fonds für die elsässische Sprache, sowie Regionalgruppenleiter Erich Lienhart aus Bühl. Foto: Achnitz

Offenburg - Anglizismen eindämmen will der Verein Deutsche Sprache (VDS), die geschlechtsneutralen For­mulierungen sind ihm ein Gräuel, Deutsch soll als Staatssprache ins Grundgesetz. Wie grenzt er sich mit solchen Zielen gegen rechte Tendenzen ab?

Zumindest von offizieller Seite scheint die Strategie klar zu sein: "Das Parteibuch wird an der Eingangstür abgegeben", nennt der Vorsitzende Walter Krämer gleich im Grußwort eine der Grundregeln der Versammlung. Die Delegierten des VDS treffen sich zu ihrem jährlichen Bundeskongress in Offenburg. Neben Vorstandswahlen stehen die elsässische Kultur sowie die Zweisprachigkeit im Oberrheingebiet auf der Tagesordnung.

Schon bei der Eröffnungsrede macht Thierry Kranzer, Präsident der Elsass-Union in New York, deutlich, dass man das Deutsche, wie das Elsässische, für eine bedrohte Sprache hält – bedroht durch Lehnwörter aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum sowie  durch staatliche Anstrengungen für eine geschlechtsneu­trale Ausdrucksweise. All dem gelte es, Einhalt zu gebieten.

Deshalb lobt der Verein alljährlich den Titel "Sprachpanscher des Jahres" aus. Ihn erhalten Institutionen und Personen, die durch sprachliche "Entgleisungen" negativ auffallen. Für 2018 stehen auf der Vorschlagsliste der Deutsche Fußballbund, die Firmen Lidl, C&A und Siemens sowie die Landeszentrale für politische Bildung Niedersachsen. Über die Vergabe stimmen die Mitglieder bis August ab.

Für besonders positive Beispiele hingegen wird der Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen – in diesem Jahr sollen ihn un­ter anderem die Fantastischen Vier erhalten. Die Verleihung ist für 13. Oktober in Kassel vorgesehen.
Und man möchte  Deutsch als Staatssprache  im Grundgesetz verankern. Einen von der AfD im März in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwurf halten viele Mitglieder daher für richtig. Den Entwurf begründete mit einer Rede der Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner, der seit 1998 Mitglied im VDS ist und auch in Offenburg die Versammlung und die Vorstandswahlen des VDS leitete.

Der Vorsitzende Krämer hat damit kein Problem: Was die Mitglieder außerhalb des Vereins machten, sei Privatsache. Das gelte auch für die von Mitgliedern wie Vera Lengsfeld oder Matthias Matussek initiierte »Erklärung 2018«, in der sie behaupten, dass das Land durch illegale Masseneinwanderung beschädigt wer­de: "Lengsfeld schätze ich sehr, sie als Rechte zu bezeichnen, ist einfach lächerlich. Dito Matussek", teilt Krämer mit.

Verschwörungstheorien statt Sprachwissenschaft

Und dann gibt es noch Referenten wie Eckhard Kuhla. Der informiert in der  Arbeitsgruppe mit dem Titel "Politische Korrektheit und Sprache" dar­über, dass die Bemühungen um eine geschlechtsneutrale Sprache von "nicht näher identifizierbaren Gruppen" betrieben würden. Es gehe denen darum, die Gesellschaft durch Sprachverwendung zu manipulieren und zu indoktrinieren. Als Beispiel neben anderen dient ihm die Bezeichnung "Ehe für alle", die in den letzten Jahren vor allem von der "Homo-Lobby durchgedrückt" worden sei, wie Kuhla es formuliert. Ihr Gegner sei der "weiße Mann". Die etwa 40 Zuhörer stören sich nicht an seinen verschwörungstheoretischen Ansichten, so weit die Diskussion dies erkennen lässt – Widerspruch gibt es jedenfalls keinen.

Am Abend teilt der Vorsitzende des VDS allerdings per Mail mit, dass Kuhla als Gruppenleiter abgelöst und durch ein Vorstandsmitglied ersetzt worden sei. In den Vorstand gewählt worden sei er ja auch nicht. Von dessen Ideen will  sich Krämer jedoch nicht so recht distanzieren: "Die Thesen von Herrn Kuhla, den ich sehr schätze,  kann man durchaus vertreten, aber nicht auf der Plattform des VDS. Dass er mit seinen Thesen auf vielfältige Akzeptanz stößt, wundert mich überhaupt nicht." Für rechte Positionen braucht man gar kein Parteibuch.

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