Schnurren um 1960 mit Alfons Rauber (rechts) und Musikant Alfred Frisch (hinten) Foto: Haas

Schon seit mehr als sieben Jahrzehnten ziehen die Narren in der „Alte Wolfe“ durch die Gaststätten. Die Fasnetstradition wandelte sich dabei einige Male im Laufe der Zeit – ebenso wie die Gesichter, die unter anderem die örtliche Prominenz aufs Korn nahmen.

Es ist anzunehmen, dass das Schnurren vor mehr als sieben Jahrzehnten wohl von Wolfach her in die „Alte Wolfe“ übergeschwappt ist. Talentierte Schnurranten, die es hervorragend verstanden, die Fehltritte von Freunden und Bekannten, die im Dorfleben besonders bekannt waren, glossierend und oft deftig übertreibend vorzutragen, hat es dabei von Anfang an gegeben.

 

Dies geschah zu Beginn im Rahmen eines bunten Abends im „Jugendheim“ – neben dem alten Pfarrhaus – etwa am heutigen Standort der Festhalle. Als Maler bildhaft-satirischer Darstellungen der Missgeschicke war Willi Suhm bekannt, der auch im Narrenrat aktiv war. Mit ihm zusammen waren es vor allem der spätere Bürgermeister Willi Rauber, der gemeinsam unter anderem mit Mathias Schoch und Erich Schillinger sowie mit den nachfolgenden Narrenvätern Paul Himmelsbach und dessen Schwager Milchbarwirt Ewald Echle die Fäden in der Hand hatten.

Am Anfang gab es Vorträge im Stil der Moritatensänger

Das erste Schnurren war ein Vortrag im Stil der Moritatensänger, wie man dies von anderen Orten her kannte. Daraus entwickelte sich dann das Schnurren, bei dem die Gruppen – meistens vier – im „Engel“ auf dem Schwarzenbruch starteten und nachfolgend durch alle Gastwirtschaften und das Café Rauber am Festhallenplatz zogen. Der Rekord soll mit insgesamt dreizehn Auftritten in den frühen 1960er-Jahren aufgestellt worden sein.

Als Akteure kamen dann noch Anton Feger und Hermann Zambelli sowie Kilian Fritsch und Alfred Zeller von der Walke dazu. Später kamen dann neue Talente wie Alois Schoch oder der langjährige Narrenvater Anton Unger als gewiefte Schnurranten dazu, die manchmal über viele Jahre hinweg für Gaudi sorgten.

Und auch wortgewandte und schlagfertige Damen wie Frieda Frieda vom Grünach, Sophie Kiener von der Weihermatte, Maria Groß von der Wolfacher Kanzel, Luise Glutsch und Hilde Rauber schlossen sich an. Sie brillierten als „Wäschwieber“ wie man auf mehreren alten Fotos erkennen kann. Dabei zogen sie einzeln verschiedene Wäschestücke aus dem mitgeführten Zuber, um schließlich die vermeintlichen Besitzer aufs Korn zu nehmen.

Von der örtlichen Prominenz – egal ob aus dem Rathaus, den Wirtschaften, Geschäften, den großen Bauernhöfen oder aus dem Kreis der Jagdfreunde – kam beim Schnurren keiner ungeschoren davon. Auch der „Zörnlewirt“ blieb nicht verschont.

Ziehharmonika sorgt für musikalische Begleitung

Der den Schnurrgruppen vorangehenden Narrenpolizei folgte bis in die Gegenwart eine Musikantengruppe aus der örtlichen Blaskapelle. Hobbymusiker wie Karl Stöckel, Richi Fleing oder auch der vereinsaktive Alfred Fritsch halfen meist mit ihrer Ziehharmonika aus, um die Schnurre in Liedform vorzutragen.

An dieser Stelle sei auch an den kürzlich so plötzlich verstorbenen Hubert Rauber vom „Posthörnle“ erinnert, der ebenfalls über viele Jahrzehnte als versierter musikalischer Begleiter bei verschiedenen Gruppen und zuletzt auch immer noch bei der Frauenfasnet im „Walkenstein“ fröhlich mitgewirkt hat. Zusätzlich hat er mit seinen humorvollen Bemerkungen und Schunkelliedern für Frohsinn gesorgt.

Das Schnurren in diesem Jahr

Die Narrenvereinigung Oberwolfach lädt am Sonntag, 28. Januar, die Bevölkerung zum Schnurren in allen Lokalen ein. Mit der Narrenkapelle werden drei Gruppen durch die Lokale ziehen und alles Wissenswerte in gereimten Versen unters närrische Volk bringen, so die Vereinigung. Der Treffpunkt für die Schnurranten ist um 11.30 Uhr im Hotel Drei Könige.