Die katholische Kirchengemeinde Friesenheim hat den Nutzungsvertrag mit der russisch-orthodoxen Gemeinde Lahr gekündigt. Bei der Begründung halten sich beide Seiten zurück – klar ist, dass es Konflikte gab. Man stehe aber weiterhin im friedlichen Dialog.
Fast ein Jahr haben sich die Katholische Kirchengemeinde Friesenheim und die russisch-orthodoxe Gemeinde Lahr die Herz-Jesu-Kirche in Heiligenzell geteilt. Damit soll jetzt aber wieder Schluss sein – der Friesenheimer Pfarrgemeinderat hat den Nutzungsvertrag mit der russisch-orthodoxen Gemeinde gekündigt. In der Begründung blieb die Katholische Kirchengemeinde Friesenheim in der Pfarrgemeinderatssitzung kurz angebunden: „Die Größe der Heiligenzeller Kirche Herz Jesu hat den Bedürfnissen der russisch-orthodoxen Gemeinde nicht entsprochen.“ Eigentlich hat die Nutzungsänderung der Heiligenzeller Kirche auf der Tagesordnung zur öffentlichen Diskussion gestanden. In der Versammlung hat jedoch Pfarrer Josef Rösch, den Antrag auf nicht öffentliche Besprechung gestellt, dem der Rat mit einer Enthaltung durch Gerold Kadenbach stattgegeben hat.
„Wir haben diesen Tagesordnungspunkt bewusst nichtöffentlich zur Diskussion gestellt, damit wir einzelne Personen nicht öffentlich belasten“, erklärt Pfarrer Rösch auf Nachfrage unserer Zeitung am Mittwoch. Das Miteinander habe letztlich nicht so funktioniert, wie gedacht. „Es hat sich herausgestellt, dass die Kirche für die Bedürfnisse der russisch-orthodoxen Gemeinde nicht passt“, so Pfarrer Rösch – mehr könne und wolle er gegenüber unserer Redaktion nicht sagen.
Im Februar 2023 waren sich noch alle einig
Auch von Seiten der russisch-orthodoxen Gemeinde ist nur wenig zu erfahren. Zunächst stellte Olga Saretschnew im Gespräch mit der LZ fest, dass die Kirche in Heiligenzell ohnehin nicht optimal gewesen sei: „Allein der Weg nach Heiligenzell gestaltete sich für viele ältere Gemeindemitglieder schwierig.“ Ihnen sei es ein großes Anliegen, dass möglichst viele Gläubige auch an den Feiern teilhaben können. Außerdem, so Saretschnew, habe sich herausgestellt, dass es nicht einfach sei, zwei Kirchengemeinden unter einem Gotteshaus unterzubringen. „Derzeit sind wir in der Burgheimer Kirche zu finden – als Übergangslösung. In Aussicht gestellt wurde und die Kirche Sancta Maria, aber fest steht noch nichts“, so Saretschnew.
Es scheint, als sei die Kündigung gar gewollt – warum war die Diskussion darüber dann aber nichtöffentlich? Auf Nachfrage blitzten dann doch Ungereimtheiten zwischen den beiden Gemeinden auf: „Es sind ein paar Dinge schief gelaufen. Wir schließen uns da aber der Friesenheimer Kirchengemeinde an und wollen dies nicht in die Öffentlichkeit tragen und niemanden beleidigen.“ Stattdessen sei ihnen enorm wichtig, dass Frieden zwischen den Religionen herrsche. Gemeinsame Gespräche würde es nach wie vor geben – und alle auf Augenhöhe.
So viel stellten die Heiligenzeller bereits fest: Seit Anfang des Jahres sind alle Ikonen, Bilder, der Weihwasserbehälter, Schränke, Regale und Fahnen aus der Kirche in Heiligenzell entfernt. Die simultane Nutzung der Kirche von der Pfarrei und der russisch-orthodoxen Glaubensgemeinde war ein Angebot in der Ökumene. Darauf hatten sich beide Kirchen geeinigt. Nicht zuletzt auch auf Bischofsebene, indem die Erzdiözese Freiburg in die Vereinbarung eingebunden wurde.
Im Februar 2023 hatte Pfarrer Steffen Jelic die Anfrage der russisch-orthodoxen Kirche auf Nutzung der Heiligenzeller Pfarrkirche in den Pfarrgemeinderat zur Diskussion gestellt. Grundsätzlich zeigte sich der gesamte Pfarrgemeinderat offen gegenüber dem Wunsch nach einer simultanen Nutzung. Pfarrer Jelic betonte gegenüber dem Pfarrgemeinderat: „Wir betreiben keine Politik vor Ort. Uns ist nicht daran gelegen in irgendeiner Weise Unruhe aufkommen zu lassen. Kirche ist ein Ort für den Glauben und das Gebet.“ Viele Menschen aus der Ukraine suchten einen Ort, an dem sie ihren Glauben in Gemeinschaft leben dürfen.
Klar festgelegt wurden die Gottesdienstzeiten
Ganz klar festgelegt wurden von Anfang an Gottesdienstzeiten, die sich nicht mit den Terminen der Pfarrei überschneiden durften. Gemeinsam war sich der Friesenheimer Pfarrgemeinderat einig, der dem Tenor von Diakon Thomas Schneeberger folgte: „Ich sehe darin ein großes Zeichen der Gastfreundschaft.“ Schließlich gehe es darum, Menschen in der Kirche eine Heimat zu schenken. Teilweise habe es aber doch kleinere Terminüberschneidungen gegeben.
Bevor die Russisch-Orthodoxe Gemeinde in Heiligenzell ihre Gottesdienste gefeiert hat, machte sie Zwischenstation im Burgheimer Kirche. Davor feierte die Gemeinde zwei Jahre ihre Gottesdienste in der St. Martinskirche in Hugsweier.
Herz-Jesu-Kirche
Im September 1891 war feierliche Grundsteinlegung der Pfarrkirche Herz Jesu in Heiligenzell. Im Jahr 1892 wurde die Kirche als Filialkirche von Friesenheim durch Pfarrer Gerber geweiht. Neben Gottesdiensten wird in der Heiligenzeller Kirche auch regelmäßig an einem Sonntagabend das Nachtgebet gefeiert. In der ehemaligen Schwesternkapelle trifft sich auch regelmäßig die Schola zur Chorprobe.