Wird in Lahr bald auf künstlich erzeugten Wellen geritten? Ein Unternehmen aus Unterschleißheim hat entsprechende Pläne. Das Projekt wurde bereits den Stadträten vorgestellt. Foto: Ehrenberg (Symbolbild)

Es könnte den Tourismus in der Region auf komplett neue Beine stellen: Ein Unternehmen aus Bayern will in der Stadt eine mehrere Hektar große Freizeitanlage bauen. Das Rathaus ist nicht abgeneigt.

Der Internetauftritt ist hochprofessionell und ansprechend: Unter surfield.de wird „eine einzigartige Sport-, Erholungs- und Freizeitdestination“ angepriesen, die nicht nur Spaß machen soll, sondern offenbar auch großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Bildreich wird dargestellt, wie ein Tag in „Surfield“ aussieht, mit Action, Wellness, Arbeitsmöglichkeiten und Events. Der Haken: Den Surfpark gibt es noch gar nicht. Erst ganz unten auf der Homepage erfährt der unbedarfte Besucher, dass es sich um ein Projekt handelt, das sich noch in Planung befindet, und für das die Verantwortlichen noch einen Standort suchen. Dazu, heißt es, sei man in „Abstimmung mit Kommunen“. Tatsächlich aber gibt es einen Favoriten: Lahr.

 

Was genau ist geplant?

Das Herzstück des Surfparks ist laut Homepage ein (künstlicher) See, auf dem „1000 perfekte Wellen“ pro Stunde generiert werden könnten. Neben dem Surfen soll es auf dem Gelände zahlreiche weitere Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung geben, etwa Skaten, Beachvolleyball, Klettern und Paddle-Tennis. Ergänzt würde das Angebot durch „hochklassige lokale Gastronomie und nachhaltige Unterkünfte“, dazu kämen „Shopping, Event-Location, Co-Working und vieles mehr“. Über die Ausmaße des Surfparks wird keine Aussage getroffen. Nach Informationen unserer Redaktion soll die Anlage aber mehrere Hektar groß werden.

Wer steckt hinter „Surfield“?

Der Initiator des Projekts heißt Mario Gerlach. Er ist Gründer der Surfield GmbH mit Sitz in Unterschleißheim im Landkreis München. Gerlach bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion grundsätzlich die Pläne für Lahr, wollte aber noch keine Details nennen. Das „Surfield“-Team ist laut Angaben auf der Homepage breit aufgestellt. Es gibt Verantwortliche für Planung, Finanzen, Landschaftsbau, Gastronomie und Hotellerie sowie für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Interessant: Einige „Surfield“-Gesichter sind in Lahr keine Unbekannten, kommen aus der Stadt oder der näheren Umgebung.

Ist das Projekt umweltverträglich?

Laut den Verantwortlichen: ja. „Der Wasserbedarf des Surfparks verfällt zum größten Teil auf die Verdunstung“, heißt es auf der „Surfield“-Homepage. Bei der Wasserbeschaffung soll Regenwasser priorisiert werden, sodass „die Abhängigkeit von Grundwasser und Frischwasser aus den Wasserwerken minimiert“ werde. Die Surfpool-Technik sei energieeffizient, was den Verbrauch auf „ein absolutes Minimum reduziert“, heißt es. Die benötigte Energie soll über Agrar-Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen im Umfeld des Surfparks gewonnen werden. Dabei sei der Ertrag so hoch, dass auch die Allgemeinheit profitiere.

Warum Lahr?

Wie zu hören ist, soll sich „Surfield“-Chef Gerlach schon länger intensiv mit Lahr beschäftigen. Bei der Standortwahl hat sicher die günstige Lage an der Autobahn sowie die Nähe zu Frankreich und der Schweiz eine Rolle gespielt. Zudem könnte es Synergieeffekte mit dem Europa-Park geben. Und: Es gibt auf Lahrer Gemarkung freie Flächen, etwa auf dem Flugplatzgelände.

Was würde der Surfpark für Stadt und Region bedeuten?

Konkrete Angaben zu erwarteten Besucherzahlen in Lahr sind der „Surfield“-Seite nicht zu entnehmen. Angesichts der in Deutschland noch raren Möglichkeiten, ihrem Hobby zu frönen (siehe Info), dürften Surfbegeisterte aber durchaus auch weitere Anreisen in Kauf nehmen. Heißt: Die Freizeiteinrichtung würde längere Aufenthalte mit Übernachtungen generieren, was merkliche Effekte vor allem auf die Gastronomie und den stationären Handel hätte. Auf der Homepage des Surfparks heißt es: „,Surfield’ stärkt die lokale Gemeinschaft und regionale Wirtschaft durch die Integration des Surfparks.“

Was kostet der Surfpark und wer bezahlt ihn?

Ob „Surfield“ bereits Partner beziehungsweise Investoren an Bord hat, ist unklar, aber nicht unwahrscheinlich. Angesichts der umfangreichen Planungen ist von einer beträchtlichen Investition auszugehen. Andernorts, zeigen Recherchen, rechnen Träger ähnlicher Vorhaben mit Kosten zwischen 30 und 40 Millionen Euro.

Was sagt die Stadt?

„Die Stadtverwaltung steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem Rathaus. „Ein attraktives Sport- und Freizeitangebot, das zugleich ökologische Nachhaltigkeitskriterien erfüllt, würde als Alleinstellungsmerkmal sowohl den Tourismusstandort als auch die Sportstadt Lahr stärken und Anknüpfungspunkte für weitere Nutzungen bieten.“

Wie geht’s weiter?

Der Technische Ausschuss hat sich am Mittwoch nicht-öffentlich mit dem Projekt befasst. Die Stimmung soll nicht unkritisch, aber offen und interessiert gewesen sein. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Sofern der Gemeinderat sein grundsätzliches Okay gibt, will die Stadtverwaltung „gemeinsam mit dem Investor einen Suchlauf für ein geeignetes Grundstück starten sowie Kooperationsmöglichkeiten und Synergieeffekte ausloten“.

Ähnliche Projekte

Surfen erfreut sich laut dem Deutschen Wellenreitverband seit Längerem zunehmender Beliebtheit – und zwar nicht nur bei Profis und Vereinssportlern. Nicht zuletzt dank Stand-Up-Paddling griffen auch Hobbysportler mehr und mehr zum Board. In den USA, Australien oder auch England gibt es schon seit Jahren Surfparks. In Deutschland ist Reiten auf künstlichen Wellen indes noch nicht vielerorts möglich. Es gibt zwar einige Bauvorhaben, über die Planungsphase hinausgekommen sind bislang aber noch nicht viele. Umweltschützer sehen die Projekte kritisch.