Unbekannte haben am Donnerstag kurz vor 6 Uhr einen Geldautomaten bei Edeka-Kohler in Niederschopfheim gesprengt. Es ist das zweite Verbrechen dieser Art in der Region innerhalb weniger Tage. Die Volksbank denkt über ernsthafte Konsequenzen nach.
Die Szenen, die Zeugen des Vorfalls mit einer Handykamera festhielten, sind fast nicht zu glauben: Eine Sirene heult, während Gestalten über den Parkplatz des Einkaufsmarkts laufen. Noch ist es dunkel, nur das Schaufenster und die Leuchtreklame des Einkaufmarkts spenden Licht. Der Anbau mit dem Geldautomat liegt hinter dickem Qualm. Mindestens zwei Täter tauchen immer wieder aus dem Rauch auf. Sie tragen hektisch ihre Beute zu einem auf dem Parkplatz abgestellten Wagen.
Das Video bricht nach weniger als einer Minute ab. Offenbar brauchten auch die Täter nicht viel länger. Als die Polizei eintraf, sind die Automatensprenger bereits geflüchtet. Die Fahndung – mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers – blieb bis Redaktionsschluss am Donnerstag erfolglos.
Als es dämmerte, zeigte sich in Niederschopfheim ein Bild der Zerstörung: Trümmer lagen verteilt über den Parkplatz. Der Anbau mit dem Geldautomaten wurde durch die Explosion stark beschädigt. Im Inneren stürzten Teile der Decke herunter, sogar Dachziegel wurden durch die Druckwelle weggeschleudert. Der Einkaufsmarkt sei aber geöffnet, versicherte eine Mitarbeiterin auf Anfrage unserer Redaktion.
Zur Höhe des Schadens oder der Beute konnte die Polizei am Donnerstag keine Angaben machen. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, betonte Polizeisprecher Volker Olbrisch im Gespräch mit unserer Redaktion. Als Fluchtfahrzeug sollen den Tätern ein dunkler und hochmotorisierter VW Golf gedient haben. Noch fehle es an konkreten Spuren zu den Tätern, erläuterte Olbrisch. Spezialisten der Kriminaltechnik kümmerten sich um die Spurensicherung, nachdem Entschärfer grünes Licht gegeben hatten. Die Kripo nimmt Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen unter Telefon 0781/21 28 20 entgegen.
Dass Täter am Morgen zuschlugen, ist laut Polizei ungewöhnlich
Erst am Montag war ein Geldautomat der Volksbank im Lahrer Teilort Sulz in die Luft gejagt worden. „Natürlich sind wir schon seit einiger Zeit sensibilisiert“, versicherte der Polizeisprecher auf Nachfrage unserer Zeitung. Grundsätzlich seien auch mehr Streifen im Einsatz. „Wir können aber nicht vor jeden Automaten einen Streifenwagen stellen“, erläuterte er.
„Unser Problem ist, dass wir immer etwas Zeitverzug haben. In drei bis vier Minuten ist der Bankautomat leergeräumt.“ Bis die nächste Streife aus Lahr in Niederschopfheim eintraf, war alles bereits gelaufen. Dass die Täter am Morgen zuschlugen, sei ungewöhnlich. „Das macht uns auch stutzig. Bisher waren die Vorfälle immer nachts“, erklärte Polizeisprecher Olbrisch.
Volksbank will nun jeden Automatenstandort prüfen
Auch Peter Rottenecker, Vorstandsvorsitzender der Lahrer Volksbank, zeigte sich schockiert, dass die Täter zu einer Zeit zuschlugen, zu der bereits Menschen auf den Straßen unterwegs sind – und im Zweifelsfall zu schaden kommen könnten. „Diese Dreistigkeit hat eine andere Dimension“, betonte er im Gespräch mit unserer Redaktion und kündigte Konsequenzen an: „Wir schauen uns jetzt sehr intensiv jeden einzelnen Standort an: Ist es noch legitim, hier einen Geldautomaten hinzustellen? Das Thema Geldversorgung steht derzeit an zweiter Stelle. Wichtig ist jetzt die Sicherheit der Menschen.“
Zur Höhe des Schadens oder der Beute, könne er keine konkreten Angaben machen. „Nur so viel: Die Schadenshöhe am Objekt ist deutlich höher als die Beute“, versicherte Rottenecker. Zwar hätten die Täter anders als zuletzt in Sulz Beute gemacht, das Sicherheitskonzept – konkret Farbpatronen – habe jedoch auch hier gegriffen.
Es sei noch zu früh, zu sagen, wie es mit dem Automatenstandort in Niederschopfheim weitergehe. Er hoffe nun, dass es nicht bald den nächsten Vorfall gebe, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Lahrer Volksbank. Er habe jedoch „kein gutes Bauchgefühl“.
Kein Einzelfall
In der Region kam es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu Geldautomatensprengungen: Erst am Montag wurde ein Geldautomat im Lahrer Stadtteil Sulz gesprengt. Im September in Zell, wenige Wochen zuvor in Allmannsweier. Im Dezember vergangenen Jahres schlugen Verbrecher in Kappel-Grafenhausen zu, drei Monate davor in Mietersheim.