Beengt, aber mit allem, was man zum Leben braucht: Beim Tag der offenen Tür haben Mitarbeiter des Landratsamts den Seelbachern gezeigt, wie die Flüchtlinge in den Containern leben werden. Im Februar sollen die ersten einziehen.
Noch wirkt alles ziemlich steril: Die Farbe Weiß bestimmt das Ambiente im langen Flur der Containeranlage im „Wiesengrund“ in Seelbach. Im vorderen Bereich: die 17 Wohneinheiten, die ab Februar nach und nach bezogen werden. Sie sehen fast alle gleich aus: zwei Betten, zwei Schränke, ein Tisch, zwei Stühle und ein Kühlschrank. In einigen steht zusätzlich ein Kinderbett, in anderen ist eines der Betten zweistöckig.
Gemütlichkeit kommt hier nicht auf. Die Betten aus Metall wirken unbequem. Doch für die Menschen, die auf diesen bald schlafen werden, ist das ein Fortschritt. „Die Flüchtlinge haben eine harte Zeit hinter sich“, sagt Manuela Kirschneit. Die Leiterin des Amts für Migration im Landratsamt erklärt interessierten Besuchern am Tag der offenen Tür, wie die Menschen in den Containern leben werden. Wenn diese in eine vorläufige Unterkunft wie in Seelbach kommen, wo sie bis zu zwei Jahre bleiben dürfen, sind sie „in der Regel sehr dankbar“, schildert die Amtsleiterin. Nach Monaten auf der Flucht und in Erstaufnahmeeinrichtungen sei ein Zimmer mit abschließbarer Tür „ein Schritt in Richtung Privatsphäre“.
Auch Flüchtlinge aus China könnten einziehen
Nichtsdestotrotz werden die 40 Flüchtlinge auf sehr engem Raum leben. Neben ihren Schlafcontainern gibt es je einen Toilettenraum für Männer und Frauen mit vier Kabinen und einen Raum mit jeweils vier Duschen. Dazwischen liegt ein großer Waschraum: Je Fünf Waschmaschinen und Trockner stehen den Bewohnern zur Verfügung. Ihr Essen können sie in der Gemeinschaftsküche zubereiten. Dort gibt es 17 Spinde – einen für jede Einheit – vier Spülbecken und fünf Öfen. An den Wänden hängen Schilder, die anhand von Bildern erklären, dass die Gerätschaften sauberzuhalten sind. Anweisungen stehen darunter in verschiedenen Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch und Chinesisch.
„Es gibt auch einige wenige Flüchtlinge aus China“, erläutert Wulf Piazolo, der als Heimleiter im Ortenaukreis für alle vorläufigen Unterbringungen zuständig ist. Welche Nationalitäten die Menschen haben, die in Seelbach einziehen werden, wisse man noch nicht. Klar ist nur: „Hier treffen Kulturen aufeinander“, so Piazolo. Die Menschen müssten lernen, mit den verschiedenen Sitten ihrer Mitbewohner klarzukommen. Doch wie, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht? „Die Flüchtlinge sind fortschrittlich und nutzen oft den Google Übersetzer“, erklärt der Heimleiter.
Beim Rundgang mit unserer Redaktion zeigt er Besonderheiten der einzelnen Räume auf. So schalten sich die Öfen aus Sicherheitsgründen nach fünf Minuten ab. Wer sie nutzen will, muss sein Essen beaufsichtigen und regelmäßig einen Schalter betätigen. Gegenüber im Esszimmer gibt es neben den Tischen auch zwei „Parkplätze“ für Kinderwagen. Diese sind nötig, damit die Wagen im Notfall nicht auf dem Flur Fluchtwege blockieren. In den einzelnen Containern liegt für jedes Paar und jede Familie ein Startpaket bereit: Besteck, Teller, Töpfe, Kochlöffel, Schüsseln und Schneidemesser. Auf den Metallbetten liegen Handtücher und Bettzeug.
Besucher kommen mit Mitarbeitern ins Gespräch
Immer wieder kommen im Laufe des Nachmittags interessierte Besucher, betrachten die Räumlichkeiten und kommen mit den Mitarbeitern des Landratsamts ins Gespräch. Hier und da gibt es auch Kritik: „Herr Schäfer, in der Küche fehlen Klapptische“, richtet sich eine Besucherin an Seelbachs Bürgermeister, der sich mit weiteren Mitarbeitern der Gemeinde ebenfalls ein Bild der Anlage macht. Der Tenor ist deutlich: Wenn etwas fehlt, kann nachgebessert werden.
Schäfer selbst zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion beeindruckt von der Anlage: „Es ist eine sehr menschenwürdige Einrichtung.“ Ihn freut, dass die Bewohner sich zurückziehen können und so Privatsphäre erhalten. „Es ist ein Standard, der voll seine Funktion erfüllt. Man kann hier eine gewisse Zeit leben“, so der scheidende Rathauschef.
Der Bürgermeister betont, dass die Lage der Container Vorteile mit sich bringt. Die Nähe zum Spiel- und zum Bolzplatz sei praktisch für die Kinder, auch die Einkaufsmöglichkeiten sind nicht weit entfernt. Sein Wunsch ist, dass zum Beispiel über die Schule, die Vereine aber auch die Arbeitsplätze ein Austausch zwischen Seelbachern und Flüchtlingen entsteht. „Man kann sich hier auch entwickeln. Es ist ein Zwischenschritt“, sagt Schäfer mit Blick auf eine mögliche Anschlussunterbringung in der Gemeinde.
Dass einige Seelbacher Interesse an der Einrichtung zeigen, freut den Bürgermeister. Auch Kirschneit betont, dass es sich um ein „Gemeinschaftsprojekt“ handle. So habe der Gemeinderat die Unterkunft einstimmig abgesegnet. Alle Beteiligten wünschen sich, dass in der Anlage schon bald eine Gemeinschaft entsteht.
Einzug in Etappen
Amtsleiterin Manuela Kirschneit erläutert, dass im Februar die ersten Familien einziehen werden. Der Bezug werde nach und nach erfolgen, da die Einrichtung so zunächst überschaubar bleibe und es für Neuankömmlinge leichter sei, Anschluss zu finden. Als Ansprechpartner für die Flüchtlinge wird eine Sozialarbeiterin regelmäßig vor Ort sein. Ein Hausmeister kümmert sich um alle Arbeiten, die anfallen.