Nach der verregneten Premiere im Vorjahr war die Resonanz auf die »Chrysanthema bei Nacht« diesmal umso besser. Foto: Breuer

Tausende genießen die Blumenschau bei Nacht in der romantisch illuminierten Stadt. Auch das Projekt "Bürgerchor" kommt gut an.

Lahr - Die Frauen haben in Lahr eindeutig die Übermacht – zumindest wenn es ums Singen geht. Den Beweis haben sie am Freitagabend beim Chorprojekt im Rahmen der Chrysanthema angetreten. Anschließend genossen Tausende die Blumenschau bei Nacht in der romantisch illuminierten Stadt.

"Ja, Mensch, ihr klingt super!" Uli Staudenmaier, Chor- und an diesem Abend Projektleiter, ist begeistert. "Es grünt so grün, wenn Lahrer Blüten blühen" klingt es aus gut 100 Kehlen über den Marktplatz Vor der Bühne haben sich Lahrer und Besucher versammelt, die sich auf ein neues Projekt eingelassen haben: Staudenmaier will innerhalb einer halben Stunde mit einem Chor, der noch niemals zusammen gesungen hat, ein Lied bühnenreif einstudieren.

Zunächst wird ein bisschen Lockerung, Stimm- und Atemtraining betrieben. Arme und Beine werden ausgeschüttelt, der Oberkörper gedehnt, die Lungen mit Luft gefüllt. Mit "Hai, hai, hai, no, no, no, hey, hey hey, wa, wa, wa" werden Stimmlagen geübt. Dann noch die Gesichtsmuskulatur und die Lippen gelockert und schon kann es los gehen. Erst werden die Textpassagen gesprochen, dann absatzweise gesungen.

Der Versuch ist gelungen. Die Passage aus dem Musical "My fair Lady" ist schnell einstudiert. Die Frauen haben gar kein Problem, haben ihren Teil ruck-zuck drauf. Bei den Herren klemmt es an einem Ton, den einige immer wieder zu hoch ansetzen. Aber Staudenmaier gibt nicht auf. Ob es nun an der Unterzahl der Männer liegt, an der amerikanischen Aufstellung, wie der Dirigent die wahllose Verteilung der Sänger nennt, oder daran, dass die Männer sich nicht so trauen, ist schwer zu sagen. Sicher ist aber, dass die Frauen laut, klar und deutlich zu verstehen sind, während die Männer ein bisschen untergehen. Ihren Spaß haben sie aber alle. "Das sollte jedes Jahr angeboten werden", ist denn auch die einhellige Meinung der Sänger.

Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden. In der Stadt sind die Lichter angegangen. Allerdings nicht nur die normale Straßenbeleuchtung, die jeden Abend die Innenstadt erhellt. Mit speziellen Installationen werden Häuser, Bäume und Blumenbeete passend zum diesjährigen Motto "Farbenspiel" angestrahlt und in teilweise mystisch anmutendes Licht getaucht. Auf der Chrysanthemenbühne sorgt die Gruppe "Solitary Men" für einen vollen Marktplatz, Marktstraße, Urteilsplatz und Nebenstraßen sind voll von Menschen, die den langen Einkaufsabend und die fast schon lauen Sommertemperaturen im Herbst genießen.

Auf dem kleinen Rummel, der auf dem Rathausplatz eingerichtet worden ist, findet ein gut besuchtes "Mini-Oktoberfest" statt. Im mit Fackeln beleuchteten Rathauspark hat derweil der Waldkindergarten Flitzebogen sprichwörtlich seine Zelte aufgeschlagen. In einem Tipi brennt ein Lagerfeuer, auf dem Stockbrot gebacken wird, Max und Jule Erb sowie das Duo "Martanja" unterhalten die Besucher musikalisch, während die Feldmaus Frederik im Gras nach Wörtern sucht, die sie der Mäusefamilie im langen Winter in Geschichten präsentieren möchte.

Michael Schmiederer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, ist von dem Abend begeistert. "Das war das zweite Mal, dass wir den langen Verkaufsabend in die Chrysan- thema gelegt haben." Während die Premiere im Vorjahr verregnet gewesen ist, war die Resonanz in diesem Jahr umso besser.

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